Erste Entwürfe zum Velodrom: Dachkonstruktion muss sichtbar bleiben, fordert der Gestaltungsbeirat

Von Heike Haala · 12. Oktober 2023 um 19:00

Der Intendant, die Denkmalpfleger, die Architekturwächter und das Theaterpublikum – wie konträr die Interessen der Protagonisten bei der Sanierung des Velodroms aufeinander zulaufen, wurde bei der Sitzung des Gestaltungsbeirats am Donnerstag deutlich.

Während die Theatergänger ihr geliebtes Velodrom lieber heute als morgen als Spielstätte zurückhätten, riet Tobias Wulf, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, dazu, sich Zeit zu lassen, um Dinge abzuwägen. Intendant Sebastian Ritschel rechnet zwar ohnehin frühestens im Jahr 2029 mit der Eröffnung der Spielstätte – dann aber bitte auf einem Standard, der in die Zukunft weist. Konkret will er einen Schnürboden zum Anheben der Bühnenteile und einen Raum, mit dem sich das Haus auch abseits des Bühnenbetriebs für die Stadtgesellschaft öffnet. Zudem wies er auf den eisernen Vorhang hin, den der Bau für den Brandschutz nun unbedingt braucht.

Technik im Denkmal

Diese Dinge müssen für Sophia Kirschsieper vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege allerdings so in dem Gebäude untergebracht werden, dass die markante Dachstruktur und ihr Tragwerk weiter ablesbar bleiben. Das Markante an dieser Dachstruktur ist aber ausgerechnet ein erhöhter Mittelteil zwischen zwei niedrigeren Außenflügeln, die wegen des eisernen Vorhangs über der Bühne aufgestockt werden müssten. Diesen Bühnen- und Dachumbau bezeichnete die Denkmalpflegerin als den elementaren Diskussionspunkt.

Diejenigen, die dafür sorgen sollen, dass dieses Stück im Gegensatz zu einem Drama ein Happy End bekommt, sind Planer Nikolai Reich vom Büro Gerkan, Marg und Partner (GMP) und der städtische Projektleiter Peter Preß. Das müsse richtig gut werden, verdeutlichte Gestaltungsbeirat Wulf, was er sich am Ende dieser Geschichte erwartet, und forderte: „Das wird ein besonderes Theater in einem besonderen Haus. Diese beiden Dinge müssen sich potenzieren.“

Zuvor hatte Reich seine Ideen für den Haupteingang und das Dach vorgestellt. Während er mit den Vorschlägen für die äußere Gestaltung auf relativ wenig Gegenwind stieß, änderte sich das bei den Kommentaren zum Entwurf für den Theatersaal.

Reich hatte eine Unterdecke mit kiemenartigen Öffnungen gezeigt, in der die Belüftung und die Bühnentechnik verschwinden könnten. Einen der Dachträger müsse er versetzen. Aber die Konstruktion werde das neue Dach ohnehin nicht mehr tragen können, weswegen eine neue Tragstruktur eingezogen werden soll. Für Denkmalschützerin Kirschsieper ist das alte Stahlfachwerk aber von elementarer Bedeutung. Auch Gestaltungsbeirat Wulf protestierte: „Diese Binder machen den Charakter des Raums aus.“ Hier habe er Bedarf an Alternativen. Es störe ihn, dass die Konstruktion kaum mehr zu sehen sei. Die Ästhetik des Tragwerks sollte in seinen Augen stattdessen unbedingt für die Atmosphäre des Saals genutzt werden. „Das ist ja das Tolle“, erklärte er. Da tue es schon weh, dass der Rhythmus der Konstruktion im Bereich der Bühne unterbrochen werden soll, um sie stattdessen als Attrappe zu verwenden.

Für die Fassade beim Foyer hatte Planer Reich drei Varianten ausgearbeitet. Eine davon sah vor, das dunkle Vordach, das seit dem Umbau des Hauses im Jahr 1997 dort steht, zu erhalten. In der zweiten Variante hatte Reich es durch eines ersetzt, das sich nicht wie jetzt auf der Höhe der Decke im ersten Stock aufspannt, sondern über dem Erdgeschoss. Auf der Oberseite des Vordachs hatte der Planer dafür einen Balkon untergebracht, der vom ersten Stock aus betreten werden könnte. Die dritte Variante sah ebenfalls ein Vordach über dem Erdgeschoss vor, aber keinen Balkon. Denkmalpflegerin Kirschsieper sagte, das aktuelle Vordach aus dem Jahr 1997 könne als Phase des Baus gesehen werden, es könnten sich aber auch andere Räume öffnen. Architekturwächter Wulf dagegen wünschte sich, dass bei der Sanierung komplett auf ein Vordach verzichtet wird.

Neubau in der Kreuzgasse

Die Gebäude mit der Adresse Kreuzgasse 8 und 10 würde Planer Reich mit einem Neubau ersetzen. Während Kirschsieper hier noch weiteren Abstimmungsbedarf anmeldete, bezeichnete Gestaltungsbeirat Wulf diese Idee als einen Befreiungsschlag. „Das vermeidet, dass das Foyer nach vorne erweitert werden muss. Das täte weder dem Gebäude noch dem Stadtraum gut“, verdeutlichte er.

Um den für den Brandschutz geforderten eisernen Vorhang einbauen zu können, entschloss der Planer sich, das Dach im Bereich über der Bühne auf die Höhe des Mittelteils anzuheben. Reich versprach, dass sich das ursprüngliche Dach und der neue Teil dabei erkennbar voneinander abheben werden. Das hatten sowohl Wulf als auch Kirschsieper gefordert.

So geht es weiter

Ziel: Die Sanierung des Velodroms soll nach aktuellem Planungsstand im Jahr 2029 abgeschlossen sein. Dann soll die Spielstätte wieder eröffnen.

Fahrplan: Projektleiter Peter Preß sagte, dass die Kosten für die Sanierung am Ende der Vorentwurfsplanung feststehen werden. Dann folgt ein Beschluss im Stadtrat. Im Jahr 2024 könnte die Entwurfsplanung stehen, der Bauantrag gestellt werden und Gespräche über die Förderung beginnen.

Sebastian RitschelIntendant des Theaters: „Ohne das Velodrom wären der Status des Theaters und die Erhebung zum Staatstheater nicht denkbar.“
Tobias WulfVorsitzender Gestaltungsbeirat: „Das wird ein besonderes Theater in einem besonderen Haus. Diese beiden Dinge müssen sich potenzieren.“