Spitzenplaner kümmern sich ums Velodrom – und müssen nun zu Regensburgs Architekturwächtern

In diesen Büros entstanden so Prestige trächtige Projekte wie das Europäische Patentamt in München oder der Berliner Hauptbahnhof. Um den Regensburger Gestaltungsbeirat kommt ein Architekt dadurch aber nicht herum – ein spannender Termin.
Am Donnerstag stellen die Planer des Büros Gerkan, Marg und Partner (GMP) ihre Ideen für die Sanierung des Velodroms vor. Die Architekten sorgten etwa schon dafür, dass das Deutsche Theater in Berlin einen Probebühnenzentrum bekam oder Baku in Aserbaidschan die Crystal Hall als Austragungsort für den Eurovision Song Contest. Mit der Sanierung des Velodroms hat die Berliner Niederlassung des Büros nun einen Auftrag an Land gezogen – der zumindest in Regensburg – ebenfalls viel Aufmerksamkeit genießt.
Viele Fragezeichen
Denn nach der Rettung des Gebäudes durch die Altstadtfreunde ist die Spielstätte den Regensburgern seit 1998 Herz gewachsen. Zudem soll das Haus ab der Spielzeit 2025/26 das Prädikat Staatstheater führen. Die Sanierung der Bühne beim Arnulfsplatz aber hielt zuletzt zudem vor allem viele Fragezeichen parat.
Zum Beispiel das hinter der Frage nach dem Zeitpunkt der Wiedereröffnung. Wer vor dem lachsfarbenen Bau mit der dynamischen Giebellandschaft steht, kann die Parole, die das Theater dafür ausgab, schon beim Discounter lesen: „#VELO2029“, steht auf einem Banner. Auch der aktuelle Sanierungsstand ist dort vermerkt: Bodenerkundungen. Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, sagt dazu, dass die Sanierung des Velodroms ursprünglich 2022 hätte beginnen sollen. Wegen der Corona-Pandemie und der schwierigen Haushaltslage wurde sie zunächst auf das Jahr 2024 verlegt und vor zwei Jahren auf das Jahr 2026. Die Wiedereröffnung sei 2029 geplant.
Die Frage nach den Kosten befeuerte ebenfalls Debatten. Laut der ursprünglichen Planung aus dem Jahr 2020 hätten die Arbeiten mit 26 Millionen zu Buche schlagen sollen. Zuletzt machte die Nachricht von einer Kostenexplosion und einem Betrag von 50 Millionen Euro die Runde. Pressesprecherin von Roenne-Styra kündigt an, dass eine genaue Kostenschätzung erst nach Abschluss der Vorplanung durch die Architekten möglich sein werde. Erst dann soll im Stadtrat auch ein aktualisierter Maßnahmenbeschluss gefasst werden. Auf jeden Fall gehe die Stadt derzeit von einem Fördersatz von 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten aus.
Zumindest wie die Bühne, die sich seit Silvester 2021 im Dornröschenschlaf befindet, einmal aussehen könnte, wird am Donnerstag klar sein. Bei der öffentlichen Sitzung, während der die Planer ihre Entwürfe zur Diskussion stellen, werden auch Intendant Sebastian Ritschel, Matthias Schloderer, kaufmännischer Direktor des Theaters, sowie der technische Direktor, Michael Hübner, und Regensburgs Denkmalhüter Eugen Trapp mit am Tisch sitzen.
Theater übt sich in Geduld
Derweil üben sich die Stars des Hauses in Geduld. Vergangene Spielzeit konnten sie das Velodrom immerhin noch als Probebühne nutzten. Zwar werde das Antoniushaus gut angenommen, gibt Andrea Hoffmann, Pressesprecherin am Theater, Auskunft. „Der nackte Wahnsinn“ sei ein Erfolg. „Wir sind dankbar, in dieser gut ausgestatteten Ersatzspielstätte spielen zu dürfen, dennoch freuen wir uns schon sehr darauf, wenn Ende 2029 das Velodrom wieder in Betrieb genommen werden kann“, sagt sie. Die sechs Jahre Leerstand bis dahin seien eine lange Zeit. Deswegen ist auf dem Banner über dem Eingang gerade auch zu lesen: „Velo, du fehlst uns!“
Das liege laut Hoffmann zum einen daran, dass es im Antoniushaus keinen Orchestergraben gibt, weswegen Musiktheater lediglich sehr eingeschränkt möglich sei. „Zum anderen hat das Velodrom 200 Plätze mehr als das Antoniushaus, das macht pro Jahr einen Kapazitätsverlust von etwa 30 000 Plätzen aus“, verdeutlicht sie. Vom Aufwand für Transporte von Bühnenbild oder Kostümen einmal abgesehen.
Für alle, die nun Sehnsucht nach der Spielstätte beim Arnulfsplatz haben, zieht Hoffmann auch ein kleines Trostpflaster aus dem Necessair: Am Donnerstag, 19. Oktober, gibt es im Unteren Foyer ab 21 Uhr ein Open Mic-Event.