Abschied von einem Stück Stadtgeschichte: Konservenfabrik war in Nittenau wichtiger Arbeitgeber

Von Cornelia Lorenz · 4. Juli 2024 um 05:00

Auf der Angerinsel in Nittenau sollen heuer die letzten Gebäude der ehemaligen Konservenfabrik Zimmerer abgebrochen werden. Damit verschwindet der sichtbare Teil eines wichtigen Stücks Stadtgeschichte: Über 70 Jahre hinweg hatten hier viele Nittenauer ihren Arbeitsplatz.

Egal ob Pilze, Kirschen, Bohnen, Apfelmus, Essiggurken oder Marmelade – „Zimmerer-Konserven“ aus Nittenau waren einst in Lebensmittelmärkten in ganz Deutschland zu kaufen. Bis zu 150 Menschen hätten hier phasenweise gearbeitet, erinnern sich ehemalige Angestellte.

Startschuss fiel 1921

Doch bis das Unternehmen diese Dimensionen annahm, gingen zunächst einige Jahre ins Land. Gegründet wurde es am 26. August 1921: Damals meldete ein junger Mann namens Josef Zimmerer ein Gewerbe an, und zwar den Handel mit Kolonialwaren, Landes- und Rohprodukten. Wie Carolin Schmuck, ehemalige Leiterin des Nittenauer Stadtmuseums, im Jahresband 1999 des Landkreises Schwandorf beschrieb, war der Firmengründer damals 25 Jahre alt und stammte ursprünglich aus Kienleiten bei Reichenbach.

Als Firmensitz war Schmucks Recherchen zufolge damals das Anwesen 147 (heute Am Anger 12) eingetragen, das zuvor Josef Zimmerers Schwiegervater Franz Kastner gehört hatte. An dieser Stelle in Nittenau soll es laut Schmuck zu dem Zeitpunkt schon viele Jahre lang einen kleinen Laden gegeben haben. Laut Brandversicherungsverzeichnis aus dem Jahr 1905 hatte er den Schwestern Maria und Katharina Jakob gehört, die in ihrem kleinen Geschäft unter anderem mit Beeren handelten.

Josef Zimmerer hatte mit dem Anwesen dagegen große Pläne: Wie Schmuck erklärt, wollte der junge Firmengründer nicht nur mit frischen Beeren und Pilzen handeln – er wollte die Produkte auch haltbar machen, um unabhängig von der Saison Geld verdienen zu können.

Steinpilze und Marmelade

Zunächst sollen die Konserven noch in Bodenwöhr hergestellt worden sein: Damals wurden sie mit Steinpilzen, Pfifferlingen, Preiselbeeren, Heidelbeeren und Hagebuttenmarmelade befüllt – bis dieser Geschäftszweig in den 1930er Jahren schließlich auch auf den Anger verlegt wurde.

Bald ergriff Josef Zimmerer die Chance, sein Geschäft zu erweitern: Ende der 1930er Jahre kaufte er der Gemeinde das Anwesen 118 (heute Am Anger1) ab und errichtete hier ein neues Fabrikgebäude. Doch das war nicht alles: Laut Schmuck erfolgte eine „zähe Expansion“, denn Zimmerer habe damals jede sich bietende Gelegenheit ergriffen, um auf der Angerinsel benachbarte Grundstücke und Gebäude zu erwerben. Schmuck: „Das Zimmerer-Territorium wuchs über die ganze Angerinsel im Regen. Es entwickelten sich zwei regelrechte Straßen zu beiden Seiten der Geschäftsgebäude.“

1993 schließlich ging die Geschichte des Unternehmens in Nittenau zu Ende – schnell und für viele überraschend: Die Mitarbeiter standen von heute auf morgen auf der Straße und mussten sich nach neuen Arbeitsplätzen umsehen. Im Juni 1995 kaufte die Stadt das rund 16000 Quadratmeter große Zimmerer-Areal für 3,5 Millionen Mark. Der Großteil der Gebäude ist schon lange abgerissen worden – heuer will die Stadt die letzten verbliebenen Bauten abbrechen.

Am Anger sind heute nur noch die Reste des Betriebs zu sehen. Foto: Cornelia Lorenz