Das bisschen Haushalt: Nittenauer Stadtmuseum öffnet mit neuer Sonderausstellung

Wäsche wurde in Nittenau früher mühsam im Fluss gewaschen – bei jedem Wetter, auch bei Kälte. Daran erinnert sich Dorit Schwarzfischer (67) aus Nittenau noch ganz genau.
Beim Betrachten der neuen Sonderausstellung „Das bisschen Haushalt“ im Stadtmuseum fühlten sich viele Besucher in ein anderes Zeitalter versetzt. „Diesen Kreuzstich mussten wir auch lernen. Sticken hat mir sehr gut gefallen“, sagt etwa Erika Rettinghausen(85) und deutet entzückt auf ein sorgfältig hergestelltes Nadelmäppchen, das wohl einmal ein Kind viel Mühe gekostet hat. Hermann Riedl wurde sogar in der Schule beigebracht, wie man Socken stopft, verrät er und zeigt auf das hölzerne Stopfei in der Vitrine. „Getan habe ich das aber nie wieder.“
Es ist eine Zeitreise bis zu mehrere hundert Jahre zurück. Und sie ist sehr sehenswert – auch weil so manche Kuriosität unter den Ausstellungsobjekten ist, wie ein Topf aus einem alten Blechrohr oder eine frühere Eismaschine. Zu besichtigen ist das alles ab sofort. Am vergangenen Sonntag, dem Heimaterlebnistag, wurde das Nittenauer Stadtmuseum nach der Winterpause wiedereröffnet – traditionell mit einer Sonderausstellung.
Ein riesiger Fortschritt in der Haushaltstechnik
Tatsächlich waren die Ehrenamtlichen des Museumsvereins und Leiterin Birgit Auburger in den vergangenen Wochen alles andere als untätig: Emsig sammelten sie Exponate für die Ausstellung, bei der sich alles um den Haushalt dreht. Objekte, die in Kellern und auf Dachböden schlummerten, kamen ans Licht.
Man sehe, so erläuterte Bürgermeister Benjamin Boml, außerdem den riesigen Fortschritt, den man in haushaltstechnischer Hinsicht erreicht habe: von der Handwäsche zur Waschmaschine, vom Kohleofen zu Induktionsherden oder von altmodischen Teppichkehrern zu leistungsstarken Saug- und Putzrobotern.
Hausarbeit war lange Zeit Frauensache
Auch Boml ist im Haushalt nicht ganz untätig: So koche er gerne – am Sonntagmittag zum Beispiel habe er Spargel zubereitet, genau wie der stellvertretende Landrat Richard Tischler, der wie die Brucker Bürgermeisterin Heike Faltermeier zur Eröffnung gekommen war. Von der Spülmaschine konnten die Frauen von früher nur träumen. Hausarbeit war Frauensache, wie Birgit Auburger feststellt und auf eine Vitrine verweist: „Das sieht man auch beim damaligen Spielzeug. Die Mädchen hatten Puppenküchen.“
Musikalisch wurde die Zeitreise passend und amüsant begleitet: Das Stadtcafé-Ensemble, bestehend aus Evi Kugler, Renate Braun und Ingrid Schindler, spielte und sang. Natürlich war auch das Lied „Das bisschen Haushalt ist doch gar nicht schwer“ von Johanna von Koczian aus dem Jahr 1977 dabei – eines der Instrumente dabei war zum Beispiel ein altes Waschbrett.
Das Sammeln der Ausstellungsstücke an sich sei bereits vergnüglich gewesen, so Auburger. Hin und wieder habe sie zunächst nicht gewusst, um was es sich bei manchem Objekt handele, wie beim Mangbrett oder bei der Mangrolle: Geräte zum Schlagen der nassen Wäsche.
Erinnerung an die eigene Kindheit
„Diesen Wäschestampfer benutze ich heute noch“, bemerkt eine Besucherin an einem Schaukasten. „Die Arbeitshosen meines Mannes weiche ich erst ein und stampfe sie, bevor ich sie in die Waschmaschine stecke.“ An solche Utensilien erinnert sich auch Dorit Schwarzfischer noch gut: Ihre Mutter wusch zuhause und brachte die Wäsche anschließend mit einem Leiterwagen zum Spülen zum Regen.
„Wir waren fünf Schwestern, es fiel also viel Wäsche an“, erinnert sich die 67-Jährige und betrachtet zwei, früher hochmoderne, heute aber nostalgische Miele-Waschmaschinen aus Holz. „Das hatte meine Oma auch.“ Diesen Satz hörte man am Sonntag oft. Ein Krauthobel zum Einkochen, abgegriffene Schulkochbücher aus dem Jahr 1910, Porzellankannen mit Koffergriff oder ein Stahlhelm, der zum Topf umfunktioniert wurde – zum Staunen gibt es vieles.
Rahmenprogramm im Gedenken an Bombenangriff 1944
Aber auch ernste Themen werden in Ausstellungen im Stadtmuseum aufgegriffen: die Stadterhebung im Jahr 1953 oder die Turmuhr, die seit zehn Jahren im Stadtmuseum gezeigt und liebevoll gewartet wird. Außerdem werden Informationen „gegen das Vergessen und zur Erinnerung“ aus einem dunklen Kapitel der Stadtgeschichte präsentiert: Am 28. Dezember jährt sich der Bombenangriff mit 30 Toten aus dem Jahr 1944 zum 80. Mal. Im Laufe des Jahres findet ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm statt.
Im Saal, in dem das Museumsteam sogar eine Küche mit vielen Details aufgebaut hatte, traf man sich nach der Besichtigung bei Kaffee und Kuchen. Bei den Gesprächen sah man die alten Zeiten nicht nur kritisch: Damals, so seufzen einige Gäste, hätte man Haushaltsgeräte noch geschätzt und gepflegt.
Auch bei der Nachhaltigkeit und der Umwelt, so wird einem beim Betrachten der Vitrinen klar, habe sich also vieles geändert. Bewusst wird in der Ausstellung zudem der Wert der Arbeit im Haushalt. Meist, so erklärt Boml, finde die Tätigkeit im Verborgenen statt. Aber dennoch mache sie einen zentralen und sehr wichtigen Teil unseres Lebens aus.

