Aktueller denn je: Kinofilm „Hundswut“ zieht in Nittenau zahlreiche Zuschauer an

Wie schnell kann eine Situation eskalieren, wenn sich Menschen gegenseitig aufstacheln und vorschnell urteilen? Eindrucksvoll zeigte das am Samstag im Kinocenter Nittenau der Film „Hundswut“, der Anfang April in Passau Premiere feierte.
Die Resonanz war groß: Der Saal war komplett gefüllt und die Kinofamilie um Christine und Franz Mauerer begrüßte zwei der am Film beteiligten prominenten Schauspieler, Christine Neubauer und Christian Swoboda sowie Regisseur Daniel Alvarenga.
Die Stars mischten sich unters Kinovolk, gaben Autogramme, ließen sich fotografieren und beantworteten am Ende des Films Fragen der Zuschauer. Die zeigten sich durchwegs erschüttert, gefesselt und aufgewühlt. „Der Film hinterlässt Emotionen. Man beißt noch lange daran herum“, so Schauspielerin Neubauer, und das hätten ihr viele Zuschauer bestätigt. Und tatsächlich: Der Film ist etwas völlig anderes als die sonst üblichen Provinzkrimis. Er ist vielleicht aktueller denn je.
Radiobeitrag über die Hexenprozesse als Anstoß
Dabei sei er mit einem sehr kleinen Budget in nur 21 Drehtagen fertiggestellt worden, erzählt Produzent Alvarenga, der nicht nur Regie führte, sondern auch die Idee hatte, wie er bei einem Gespräch vor der Aufführung in Nittenau erzählte. Ein Radiobeitrag über Hexenprozesse habe ihm den Anstoß gegeben. „Nach Kirchenrecht waren Hexenprozesse über lange Zeit möglich, wenn die weltliche Instanz zustimmt – das hat mich sehr schockiert“, so Alvarenga, der bereits den Low-Budget-Spielfilm „Wer Frieden sucht“ drehte und dafür Auszeichnungen erhielt.
Für „Hundswut“, für den Filmförderungen abgelehnt wurden, hätten sich sofort diejenigen Schauspieler, die er beim Schreiben des Drehbuchs im Kopf gehabt hätte, bereiterklärt, freut er sich. „Da alle viel Erfahrung haben, genügte die kurze Drehzeit.“ Unter anderem wirkten Konstantin Wecker, der auch den Filmsong schrieb und sang, Christian Tramitz, Markus Brandl oder Max Schmidt am Film mit.
Gedreht wurde in mehreren Museumsdörfern in Bayern und im Wald bei Bodenmais. Gesprochen wird in Dialekt. „Das war von Anfang an klar. Viele Nicht-Bayern haben mir aber versichert, den Film zu verstehen“, sagt Alvarenga. Denn der Film soll bundesweit in die Kinos kommen.
Vor allem aber soll „Hundswut“ eine Botschaft enthalten, das sei für den 37-Jährigen eine Herzensangelegenheit. „Er soll beim Zusehen Fragen aufwerfen wie zum Beispiel: Wie hätte ich reagiert? Hätte auch ich vorverurteilt? Im Film hätten so viele Figuren die Chance gehabt, umzudrehen. Es hätte nicht so enden müssen.“ Man erkenne sich im Film, der jedoch nicht belehren wolle, erklärt Alvarenga seine Intention.
Ein Spiegel der Gesellschaft von damals – und heute
Das Ende ist überraschend, ja gar gewagt, wie eine Zuschauerin sagt. Auch das macht den Reiz aus. Der Film setzt sich für Zivilcourage ein, gegen das Wegsehen, und das Ende sei auch gar nicht mehr wichtig. Denn, so erklärt Alvarenga, es blieben nicht mehr viele Menschen übrig, die nicht schuldig waren. „Es war für mich selbst schockierend, wie wenig ich konstruieren musste. Das Thema ist aktuell, obwohl der Film vor fast 100 Jahren spielt, und die Handlung entwickelte wie von selbst eine Dynamik,“ sagt der Regisseur und mahnt: „Der Film ist ein Spiegel der Gesellschaft von damals – und von heute wieder.
Wir müssen aufpassen, dass unsere Demokratie nicht auch auf dem Scheiterhaufen landet und wir müssen achtsamer miteinander umgehen.“ Wenigstens die Frauen im Film hätten etwas Menschlichkeit gezeigt, erklärt Neubauer, die trotz ihrer Erfahrung während des Drehs einen ihrer „schönsten emotionalsten Momente als Schauspielerin“ erfahren habe. Sie spielte nämlich einige Szenen hautnah mit einem Wolf – der von zwei Filmwölfen dargestellt wurde, die man aber dennoch nicht abrichten könne wie Hunde.
Suche nach Täter entwickelt Eigendynamik
Als Hundswut wurde früher die Tollwut bezeichnet. Hat im Film ein Werwolf die vier Jugendlichen getötet? Bald meinen die Dorfbewohner zu wissen, dass es der Außenseiter Joseph Köhler war, der mit seiner Tochter Mitzi am Waldrand lebt. Eine regelrechte Hexenjagd wird veranstaltet, in der Vernunft, Moral und Gerechtigkeit bald keine Rolle mehr spielen. Der Inhalt ist hart, beklemmend und schwer, aber spannend – und laut vielen Zuschauern zur richtigen Zeit gekommen. Zu sehen ist er weiterhin im Kinocenter Nittenau.
Auch das Buch „Hundswut“ hat Alvarenga mit den Dreharbeiten geschrieben, das laut Autor wesentlich mehr ins Detail gehe und bereits in der dritten Auflage auf dem Markt ist. Viele Zuschauer kauften das Buch mit Autogramm am Samstag im Kinocenter und unterhielten sich noch lange mit den Schauspielern. Schließlich, so bemerkte eine Besucherin, könne man nach diesem Film ohnehin nicht sofort nach Hause gehen.

