Landtagspräsidentin lud Adelige aus: Gloria von Thurn und Taxis genießt großen Bahnhof

Als der US-Generalkonsul Tim Liston zur IHK nach Regensburg kommt, geht die Unternehmerin hin – bei der IHK Oberpfalz-Kelheim ist sie willkommen, anders als bei der CSU. Denn kürzlich wurde bekannt, dass die Leiterin des Familienunternehmens nicht mehr auf der Einladungsliste nach Schloss Schleißheim steht, wo die Landtagspräsidentin Ilse Aigner zum Sommerempfang lädt.
Im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern sagt von Thurn und Taxis ihre Meinung – beispielsweise über die Meinungsfreiheit in den USA und in Deutschland.
Ein Golfwägelchen steht vor dem Gebäude der IHK Oberpfalz-Kelheim in der Martin-Luther-Straße in Regensburg. Neben Porsches, großen abgedunkelten Karossen und Personenschützern, die sich im Schatten Abkühlung erhoffen, hat sich die wohl prominenteste Regensburgerin ein Plätzchen für ihr ungewöhnliches Gefährt gesucht. Das war immer wieder Thema in den Medien. Wenn eine Prominente wie Mariae Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis auftaucht, dann schaut die Öffentlichkeit schonmal genau hin – eine Fahrt ohne Helm zur Beerdigung von Georg Ratzinger beispielsweise brachte der Adeligen nicht nur ein Knöllchen ein, sondern tatsächlich auch einen „Shitstorm“.
Das ficht die Unternehmerin aber nicht an. Und offensichtlich auch nicht, dass sie ausgerechnet die Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) kürzlich von der Gästeliste des Sommerempfangs in Schloss Schleißheim streichen ließ – besonders schmerzhaft für von Thurn und Taxis: Seit vielen Jahren, als ihr Mann Johannes noch lebte, besuchte sie den Empfang, später als Witwe, dann häufig in Begleitung ihres Sohnes Albert, der nach wie vor eingeladen ist.
„Wenn die IHK mich zu einem Sommerempfang einlädt und ich bin zufällig in der Stadt, dann gehe ich natürlich auch hin“: Zur Kontaktpflege habe sie den Abend in der IHK nutzen wollen, sagt von Thurn und Taxis zur Mediengruppe Bayern, „und Amerika ist natürlich ehr wichtig für uns“.
Auch Finanzminister Albert Füracker machte gute Miene, als er sich mit der umstrittenen und streitbaren Adeligen fotografieren lässt. Gloria hatte in der Vergangenheit Empfänge auf ihrem Schloss befördert, auf denen Personen aus dem rechtskonservativen Spektrum wie etwa Hans-Georg Maaßen auftauchten. Maaßen, immerhin ehemaliger Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz, gründete die WerteUnion, eine offene Gegenveranstaltung zu den Unionsparteien. Seither wird von Thurn und Taxis von der Union gemieden.
„Amerika ist so riesig, die haben alles, die brauchen uns nicht“, sagte sie zur Mediengruppe Bayern. Die einfacheren Menschen würden sich mit Deutschland überhaupt nicht beschäftigen. „Die obere Klasse schaut ein wenig auf uns herab.“ Von Thurn und Taxis besaß selbst bis 2018 ein Loft in New York, das sie laut Medienberichten 2018 verkaufte – für 5,2 Millionen Dollar. Ob sie heute noch dort eine Wohnung hat, ist unbekannt.
„Wir sind für die Amerikaner eine quantité négligeable“, so von Thurn und Taxis, eine „vernachlässigbare Menge“. Dabei müssten die Europäer versuchen, „viel mehr in die Waagschale zu werfen, beispielsweise unser historisches und kulturelles Erbe“. Die Amerikaner, so ihre These, machten viele außenpolitische Fehler, „weil sie sehr alleine sind und weil sich niemand traut, ihnen etwas zu sagen“. Sie bewundere aber vor allem, wie frei das Land nach wie vor sei und welchen Stellenwert die Freiheit des Einzelnen auch gegenüber dem Staat habe.
„In Amerika gibt es sehr viele Medien, die sehr kritisch gegenüber der Regierung sind“, sagte die 64-Jährige. „Insofern würde ich sagen, dass die Meinungsvielfalt in Amerika sehr, sehr groß ist.“ Für ganz Europa könne sie es nicht beurteilen, allerdings könne sie „zumindest für Deutschland sagen, dass ich finde, in den USA ist der Meinungskorridor deutlich vielschichtiger als bei uns“.
Von Thurn und Taxis führt nach wie vor die Geschäfte des Hauses. Ihr Sohn Albert ist einer der größten privaten Waldbesitzer Europas.