WerteUnion und Hans Georg Maaßen luden zur Spendengala auf St. Emmeram – Was wusste Gloria?

Von Christian Eckl, André Baumgarten, Isolde Stöcker-Gietl · 16. März 2024 um 05:00

Es gibt eine Verbindung zwischen Gloria von Thurn und Taxis und dem Organisator des Potsdamer Treffens, bei dem Martin Sellner von der Identitären Bewegung über Remigrationspläne sprach. Gernot Mörig weilte im vergangenen Sommer bei einer Veranstaltung auf Schloss Emmeram. T-Online hatte zunächst über diese Zusammenkunft berichtet, jetzt legte ein Rechercheverbund von SZ, WDR und NDR in der Sache nach. Die Regensburger Schlossherrin selbst hatte bereits im Januar gegenüber der Mediengruppe Bayern bestätigt, dass die Werteunion um Hans-Georg Maaßen am 5. Juli zu Gast bei ihr war.

Von einer Anwesenheit Mörigs habe sie nichts gewusst. Er sei ihr auch nicht vorgestellt worden. Mörig selbst hatte auf eine Anfrage von T-Online bestätigt, bei dem Treffen in Regensburg gewesen zu sein. Teilnehmer lobten später in den Sozialen Netzwerken Gloria von Thurn und Taxis für eine „sensationell ehrliche“ Rede.

Spendengala für Maaßen

Die SZ berichtet nun, dass das Treffen mit Maaßen in Regensburg als eine Art Spendengala ausgerichtet wurde, um Gelder für ihn zu sammeln. Schon damals war ein Parteiausschlussverfahren gegen Maaßen in der CDU anhängig. Inzwischen ist die Gründung einer neuen Partei mit Maaßen als Vorsitzendem vollzogen. Bei der Veranstaltung in Regensburg waren laut des Rechercheverbundes namhafte Wirtschaftsvertreter.

Darunter ein Aufsichtsratsvorsitzender eines bekannten deutschen Konzerns, zudem Wissenschaftler und Firmengründer, „vermögende Mittelständler und Unternehmer“, heißt es. Auch Roland Tichy, der mit seinen Publikationen im rechten Spektrum verankert wird, gehörte zu den Gästen und Simone Baum, die für die Werteunion bei dem Geheimtreffen im November in Potsdam dabei war. Ebenfalls Gast: Markus Krall, der Kontakte zum inhaftierten Reichsbürger Heinrich Prinz Reuß pflegte.

Drei Dutzend Gäste im Schloss

Nach Informationen der SZ waren wohl etwa drei Dutzend Gäste im Schloss. Teilnehmer Michael Kuhr ordnete auf X, ehemals Twitter, den Abend mit der Rede der Gastgeberin so ein: „Einigen ist die Kinnlade bei so viel Wahrheit runtergefallen.“ Kuhr, ehemaliger Kickbox-Weltmeister, ist Beisitzer im Förderverein Werteunion.

Maaßen hatte auf eine Anfrage der Mediengruppe Bayern vom Januar zu dem Treffen geschwiegen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz wollte sich weder zu dem Treffen im Schloss, noch zur Person ihres früheren Präsidenten äußern: Man gebe „zu derartigen Sachverhalten grundsätzlich“ keine Auskünfte.

Mörig hatte laut einer Mail, die der Mediengruppe Bayern vorliegt, zu den Recherchen von T-Online erklärt: „Der Tag (das meinen Sie wahrscheinlich mit ‘Abend‘) verlief genau so, wie dies jetzt schon in unzähligen Statements von Teilnehmern (die Ihnen sicher vorliegen) geschildert worden ist.“

Seit langem steht Hausherrin Gloria von Thurn und Taxis im Verdacht, rechtem Gedankengut nahezustehen. Fast jede Woche spricht sie mit dem ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt auf dessen Web-Kanal Nius.

Im Gespräch mit Reichelt verbreitet von Thurn und Taxis das Narrativ vom großen Austausch – dem Great Reset. Die unkontrollierte Einwanderung sei politisch gewollt, sagt die Regensburger Schlossherrin. „Wir wissen nicht, wer hinter dieser Agenda steckt, aber es ist ein gesamteuropäisches Projekt, das die Bevölkerung ins Chaos stürzen wird“, prophezeit sie.

Ein Verschwörungsmythos, den Rechtspopulisten europaweit bedienen. Entsprechend Applaus erhält die Adelige aus diesen Kreisen.

Jan Nowak, Experte der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern, sieht in Gloria von Thurn und Taxis eine „rechtspopulistische Influencerin“. Sie sei in einer Art Schnittstellenmilieu unterwegs zwischen konservativen und rechtsextremistischen Kreisen. Sie grenze sich von der Elite und den Superreichen ab, ordne das Fürstenhaus – mit dem größten Privatwaldbesitz in Deutschland und einem geschätzten Vermögen von 1,2 Milliarden Euro – dem Mittelstand zu. Mitten im Volk sozusagen. Gloria von Thurn und Taxis werde inzwischen nicht mehr als die schrille Prinzessin abgetan, sondern bei den neuen Rechten als eine Person respektiert, die ein authentisches Sendungsbewusstsein habe, sagt Nowak. Eine, die ihren Mund aufmacht.

Gloria von Thurn und Taxis sagt am Freitag auf Nachfrage zu dem Treffen gegenüber der Mediengruppe Bayern: „Herr Maaßen bat mich, den Raum für die Veranstaltung zur Verfügung zu stellen, dem bin ich gerne nachgekommen.“ Sie betont, sie habe nicht gewusst, wer geladen gewesen sei. „Wir kümmern uns bei Vermietungen nie um die Gästeliste.“ Angesprochen auf Gernot Möring betont sie, dass sie ihn „nicht wahrgenommen“ habe, „weil ich ihn nicht persönlich kenne“.

„Relativiert NS-Gräuel“

Von rechtsextremem Gedankengut distanziert sich die Adelige am Freitag. „Es war eine Veranstaltung der Werte Union, das sind allesamt CDU- Leute. Rechtsextreme sehen für mich anders aus“, sagt sie wörtlich. Sie kenne „keine rechtsextremen Positionen, auch keine rechtsextremen Leute“. Maaßen und mehreren Teilnehmern der Veranstaltung wird vorgehalten, völkisches Denken zu transportieren. Was hält von Thurn und Taxis von dieser Ideologie? Sie antwortet selbst mit einer Gegenfrage: „Was bedeutet völkisches Denken? In meiner Generation“, so die Adelige, „wo nicht nur Reisen auf der ganzen Welt möglich ist und Freundschaften mit verschiedensten Kulturen selbstverständlich, kann man mit solchen Begriffen aus den 30er und 40er Jahren nichts anfangen“.

Sie habe in den vergangenen Jahren einen diversen und vielfältigen Besucherkreis im Schloss empfangen. „Fremdenfeindlichkeit ist bei uns im Schloss völlig fremd“, sagte von Thurn und Taxis. Sie sagt aber auch: „Allerdings ist mir aufgefallen, dass mit der Zuschreibung Nazi inflationär umgegangen wird.“ Das sei ihr „zuwider, denn es relativiert die Gräueltaten, der echten Nazis“.

Gloria von Thurn und Taxis beherbergte eine Veranstaltung der WerteUnion.
Hans-Georg Maaßen gründete mit der WerteUnion zwischenzeitlich eine Partei.