Regensburg: Baden in der Donau nach dem Hochwasser? Behörden raten zur Vorsicht

So nass der Juni begann, so heiß endet er. Während die Gefahr in den Flüssen Anfang des Monats offensichtlich war, erscheint es nun, bei gesunkenen Pegelständen und Temperaturen an der 30-Grad-Marke, geradezu logisch, hineinzuhüpfen. Allerdings können die Folgen der Flut den Badespaß in Regensburg auch jetzt noch trüben.
So erklärt Stefan Neudert, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, dass Holzteile und Müll im Wasser oder die starke Strömung eine Gefährdung für die Badenden darstellen könnten. Tatsächlich sieht man dieser Tage immer wieder teils massive Holzstämme die Donau hinuntertreiben. Zudem kann es laut Neudert nach größeren Niederschlagsereignissen zu Einleitungen aus Mischwasserentlastungen oder auch zu Abschwemmungen aus landwirtschaftlichen Flächen in die Fließgewässer kommen. In diesem Fall sei eine bakterielle Belastung, etwa mit coliformen Bakterien, zu erwarten. Daher macht es seiner Ansicht nach Sinn, abzuwarten, bevor jemand nach schweren Regenfällen oder Hochwassern zum Baden geht.
Nach der Flut: Wasserproben beim Landesamt
Wie genau es derzeit um die Wasserqualität in den Regensburger Flüssen bestellt ist, ist jedoch unklar. Laut Ulrich Wagenknecht, dem stellvertretenden Einsatzleiter des Regensburger DLRG-Ortsverbandes, ist nach einem Hochwasser mit einer erhöhten Belastung der Gewässer zu rechnen. Das könne eventuelle gesundheitliche Probleme zur Folge haben kann. Laut Neudert wird die Donau von mehreren Wasserwirtschaftsämtern analysiert und überwacht. Während und nach Hochwasserereignissen werde diese Probennahme verdichtet. „Die Proben, die vor, während und nach dem Hochwasser durch die Wasserwirtschaftsämter an der Donau genommen wurden, liegen zur Auswertung beim Landesamt für Umwelt“, sagt er. Dabei handle es sich aber ohnehin ausschließlich um Umweltdaten, die Aufschluss über Auswirkungen durch das abgelaufene Hochwasser geben. Als Beispiel nennt er ausgelaufenes Heizöl. Zu bakteriologischen Untersuchungen komme es dabei nicht. Wie Claudine Tauscher von der Pressestelle am Landratsamt zudem erklärt, sind Flüsse grundsätzlich keine Badegewässer und werden deswegen vom Gesundheitsamt auch nicht untersucht.
Dennoch liegen bei schönem Wetter jeden Tag Menschen am Donauufer, dessen Wiesen zum Teil noch überschwemmt sind. Viele von ihnen hüpfen auch ins Wasser und schwimmen ein paar Züge. Wie sollen sie sich am besten verhalten? In Regensburg gibt es an der Donau keine offiziellen, überwachten Badeplätze, erklärt Ewa Wisniewski, Pressesprecherin am Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Eine offizielle Freigabe im Sinne von „ab jetzt ist es ganz sicher nicht mehr gefährlich“ könne es deshalb nach dem Hochwasser nicht geben. „In einem fließenden Gewässer können sich die Gegebenheiten schnell ändern“, sagt Wisniewski und verweist auf Witterung oder Treibgut. Sie verdeutlicht: Wer in der Donau badet, tut dies immer auf eigene Verantwortung und muss den aktuellen Wasserstand, die Strömung, die Situation am Ufer und die eigene körperliche Verfassung entsprechend einschätzen. Neudert appelliert an den gesunden Menschenverstand.
Baden in der Donau: „Der Verkehr hat hier Vorrang“
Melanie Kopp, Pressesprecherin beim für die Wasserwacht zuständigen Kreisverband des bayerischen Roten Kreuzes, sagt, die Pegel seien mittlerweile wieder nahezu auf Normalwerte gesunken sind. „Aufgrund der Wassermenge ist das Baden in den zugelassenen Bereichen für geübte Schwimmer nicht bedenklich“, erklärt sie. Generell stellen fließende Gewässer laut Kopp aber immer eine höhere Gefährdung als stehende Gewässer dar. „Die Donau ist über weite Teile eine Schifffahrtsstraße und der Verkehr hat hier Vorrang“, sagt Wagenknecht von der DLRG. Ein Binnenschiff könne Schwimmern nicht ausweichen – zumal die Schiffsführer Personen in der Fahrrinne in vielen Situation auch nicht erkennen könnten.
Die DLRG hat es sich als private Wasserrettungsorganisation zur Aufgabe gemacht, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Immer wieder müssen die Retter zu Einsätzen auf der Donau ausrücken. Konkrete Einsatzzahlen kann Wagenknecht nicht nennen. Sie schwankten von Jahr zu Jahr.
Erst vergangene Woche sorgte ein Großeinsatz an der Donau für Aufsehen. Ein Mann war von der Steinernen Brücke gesprungen und von Passanten gerettet worden. Polizeisprecher Thomas Hasler warnte eindringlich vor solchen Aktionen. „Gerade in dieser Höhe weiß man nicht, was da im Wasser ist.“ Es könnten Metallgegenstände, Bäume oder andere Dinge im Wasser sein. Dazu komme die tückische Strömung. „Das ist immer brandgefährlich.“
