Brückenspringer in Regensburg: Ein 19-Jähriger erzählt von seinem gefährlichen Hobby

Wie jedes Jahr, wenn die Temperaturen steigen, gehen viele Leute in den Seitenarmen der Donau baden, einige davon springen sogar von den Brücken. Einer von ihnen ist Tobias Maier (Name geändert, der Redaktion bekannt).
Tobias steht in einem Neoprenanzug auf der Brüstung der Steinernen Brücke in Regensburg. Um ihn herum viele Passanten. Er geht in die Hocke. Sammelt Kraft, holt aus und springt. Schlägt im Sprung Saltos und Schrauben und taucht in das grau-braune Wasser der Donau ein.
Erlebnisse auf Instagram
Seit dem Kindesalter springt er auf dem Trampolin, im Schwimmbad vom Zehn-Meter-Brett und seit einigen Jahren auch von den Brücken in und um Regensburg. „Ich wollte immer ein bisschen mehr Adrenalin. Da hat sich dann die Höhe angeboten“, sagt er. Auf Instagram teilt er seine Erlebnisse. Er postet Videos und Bilder und erreicht damit rund 1200 Follower. So hält Tobias auch Kontakt mit anderen Springbegeisterten: „Es ist schon cool Videos von dem Sport zu posten und so sehen zu können, was gerade so passiert.“
So schön die Darstellung auf den Social-Media-Kanälen auch ist, so anders kann die Realität sein: Erst am Pfingstwochenende kam es zu einem Einsatz der Wasserwacht. Zwei Männer gerieten nach ihrem Sprung von der Steinernen Brücke in den Nordarm der Donau in Not und riefen um Hilfe. Zwei aufmerksame Passanten kamen ihnen zur Hilfe, wobei einer der Helfer selbst unter ging. Gemeinsam mit Rettungskräften und weiteren Passanten konnten alle Beteiligten gerettet und ins Krankenhaus gebracht werden, so Wolfgang Fritsch von der Polizeiinspektion Regensburg Nord. Tobias kennt Berichte wie diese: „Todesfälle und schwere Verletzungen habe ich auch schon von Freunden miterlebt. Mir selbst ist aber zum Glück noch nichts passiert.“
Der Springer riskiert viel
Für Tobias ist das Springen eine Freizeitbeschäftigung, für die er viel riskiert. Denn der Sport birgt noch weitere Gefahren: Unter Wasser können Gegenstände liegen. Beispielsweise in die Donau geworfene Fahrräder. Eine weitere Gefahr sind die starken Strömungen und der Unterschied zwischen Außen- und Wassertemperatur. Er stellt eine Herausforderung für den Kreislauf dar und kann im schlimmsten Fall ein akutes Herzversagen auslösen, erläutert Stephan Heine von der Wasserwacht Regensburg. Tobias ist sich der Gefahren bewusst und trifft vor dem Springen Vorkehrungen: „Wir schauen natürlich, ob Hochwasser ist oder die Strömung sehr stark“, sagt der Brückenspringer. Und weiter: „Da überlegen wir dann schon zweimal. Wir überprüfen auch, wie tief das Wasser und wie sicher der Absprung ist. Dabei hören wir auch immer auf den gesunden Menschenverstand.“
„Mit großen Risiken verbunden“
Das Problem dabei: Badegäste, aber auch Brückenspringer wie Tobias gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch andere. „Es kommt immer wieder vor, dass zufällig anwesende Passanten zur Rettung selbst ins Wasser gehen. Bei den Strömungsverhältnissen, die zum Beispiel an der Steinernen Brücke herrschen“, meint Heine, „ist ein solcher Versuch mit großen Risiken verbunden.“
Auch rechtlich gesehen ist das Springen problematisch: Grundlage für das Schwimmen in der Donau bietet die „Verordnung über das Baden und Schwimmen in den Bundeswasserstraßen im Bereich der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd“. Das Springen von Brücken ist zwar nicht explizit geregelt, aber „durch das Verbot des Schwimmens und Badens in Brückennähe in aller Regel jedoch faktisch unzulässig“, erklärt Claus Feldmeier vom Polizeipräsidium Oberpfalz. Die Wasserwacht warnt explizit vor Sprüngen und empfiehlt ausdrücklich Wassersport und Baden nur an den bewachten Badeseen oder in Schwimmbäder. Nur dort kann die Wasserwacht in Notfällen schnell Erste Hilfe leisten.
Die Dunkelheit als Gefahr
Auch Tobias warnt vor der Unwissenheit vieler Springer: „Ich glaube die meisten Unfälle passieren dann, wenn es dunkel ist oder die Leute nicht wissen, was bei einem Sprung ins Wasser passiert.“ Zudem lassen sich viele, vor allem junge Leute von Videos auf Social Media zu einem Sprung verleiten und können das Risiko nicht beurteilen. Für ihn ist klar: „Wenn man sich lange damit beschäftigt, ist es trotzdem nicht ungefährlich, aber man kann die Gefahren einschätzen. Und dabei geht Sicherheit immer vor.“
Das gilt in der Donau:
Regelung: Das Baden und damit einhergehende Springen ist laut der „Verordnung über das Baden und Schwimmen in den Bundeswasserstraßen im Bereich der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd“ unter anderem in der Nähe von Wehr- und Schleusenanlagen einschließlich Schleusenvorhäfen, Kraftwerksanlagen, Hafeneinfahrten und Brücken verboten. Das Schwimmen in Nebenarmen ist nicht verboten, Rettungskräfte raten ab.
Geltungsbereich: Als Bundeswasserstraßen sind zum Beispiel Main, Regnitz und Donau und ihre Nebenstrecken definiert. Schwimmen stellt hier eine Ordnungswidrigkeit dar, die die von der Generaldirektion Wasserstraße und Schifffahrt verfolgt werden. Sollte man bei einem Sprung einen Rettungs- oder Sucheinsatz auslösen, kann geprüft werden, ob der Verursacher die Kosten selbst tragen muss.
Der Beitrag entstand im Rahmen der Lehrredaktion an der Universität Passau der Mediengruppe Bayern.


