Maßnahmen liegen auf dem Tisch: So soll der Regensburger Bahnhof sicherer werden

Von Philip Hell · 17. Juni 2024 um 19:00

Die Rathaus-Koalition ist Geschichte – die Themen in Regensburg bleiben die Gleichen: Am Donnerstag befasst sich der Verwaltungsausschuss des Stadtrats mit der Beleuchtung im Bahnhofsumfeld. Dabei werden erstmals konkrete Maßnahmen genannt.

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Laut Vorlage der Stadtverwaltung sollen im Bahnhofsumfeld sechs weitere Kameras und 36 Mastleuchten aufgestellt werden. Kameras sollen an der Predigersäule, am Keplerdenkmal, am Obelisken, am Schwammerl, am Zebrastreifen in Richtung Bahnhof und am Eingang zum Fußweg in Richtung Schwammerl angebracht werden. Die Leuchten sollen alle paar Meter entlang der Wege aufgestellt werden.

Die Situation am Bahnhof beschäftigt die Stadt seit geraumer Zeit. Im Dezember wurde die Arbeitsgruppe „Gemeinsam stark für Regensburg“ ins Leben gerufen. Daran sind zahlreiche Behörden beteiligt. Im Januar sorgten zwei angebliche Sexualdelikte für bundesweites Aufsehen. Recht schnell stellte sich heraus, dass beide Vorfälle wohl nicht so stattfanden, wie zunächst angenommen. Nichtsdestotrotz zeigt der Sicherheitsbericht der Polizei einen sprunghaften Anstieg der Zahl von Straftaten im Bahnhofsumfeld. Die Entwicklung sei insbesondere seit dem Sommer 2023 zu beobachten gewesen, betonten Vertreter der Polizei mehrfach. Die Stadt sei von der Kriminalität überrollt worden, sagte etwa Gerhard Roider, Leiter der Polizeiinspektion Regensburg Süd, bei der Vorstellung des Sicherheitsberichts im März.

Die Verwaltung betont in der Vorlage erneut, dass die Installation von Kameras und Lichtmasten für Stadt und Polizei oberste Priorität habe und aufgrund dessen so schnell wie möglich abgeschlossen sein soll. Einen konkreten Zeitrahmen nennt die Verwaltung allerdings nicht. Bislang war immer wieder zu hören, dass Kameras und Licht bis Ende des Sommers installiert werden sollen. Die Maßnahme, so ist es der Vorlage zu entnehmen, wird rund 400.000 Euro kosten.

Viel Zustimmung für Vorlage

Die Stadtverwaltung empfiehlt dem Verwaltungsausschuss, die Vorlage anzunehmen – nur: Passiert das auch? „Wir finden das gut“, betont Michael Lehner, Vorsitzender der CSU-Fraktion. Die Maßnahme sei auch auf Druck seiner Partei vorangetrieben worden. Er hoffe, dass sich mit Licht und Kameras die Situation noch weiter unter Kontrolle bringen lässt. Wenngleich die Koalition seit Freitag am Ende ist, betont auch der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Thomas Burger: „Wir stehen hinter der Vorlage.“ Diese zeige, dass die Stadt sich dem Thema zügig und sachgerecht angenommen habe. Burger betont: „Es darf keinen Ort in Regensburg geben, wo sich jemand unsicher fühlt. Deshalb ist es wichtig, zu handeln.“ Wenngleich er das Bahnhofsumfeld nie als No-Go-Area gesehen habe, sagt der SPD-Fraktionschef. Mehr Kameras und Lichtmasten seien die richtige Maßnahme, um das Gefühl der Sicherheit zu erhöhen.

Florian Rottke ist Brücke-Stadtrat und Betreiber des Kiosks im Schwammerl. Seiner Ansicht nach ist der Bereich tagsüber „völlig harmlos.“ Die geplanten Lichtmasten in der Nacht seien gut – Bedenken hat er allerdings, was die Ausweitung der Videoüberwachung angeht.

Das sieht Theresa Eberlein, Grünen-Stadträtin und Mitglied des Verwaltungsausschusses, ähnlich. Ein Ausbau der Videoüberwachung löse keine Konflikte. „Prävention muss das Ziel sein.“ Dabei gebe es andere Mittel und Wege. Das seien Streetworker, aber auch eine Belebung des Bahnhofsumfelds, beispielsweise mit kulturellen Veranstaltungen. Dadurch schaffe man Sicherheit durch Aktivität. Auch beim Thema Beleuchtung haben die Grünen Bedenken – insbesondere was die Auswirkung auf die Umwelt angeht. Das gehe nicht aus der Anlage hervor, so Eberlein. Die geplanten Maßnahmen und ihre Vorschläge schließen sich nicht aus, sagt Eberlein. „Es geht aber darum, welchen Schritt man als erstes vollzieht.“ Wie die Grünen im Verwaltungsausschuss abstimmen, wolle man fraktionsintern besprechen. Man tendiere aber dazu, nicht zuzustimmen.

Polizei spricht von Rückgang

Neben den Maßnahmen, die am Donnerstag im Ausschuss besprochen werden, sind die Behörden auch eine Reihe weiterer Schritte gegangen. Die Polizei zeigt beispielsweise seit geraumer Zeit mehr Präsenz. Die Stadt hat die Parkbänke fest im Boden verankert, um Vandalismus vorzubeugen. Zudem hat die Staatsanwaltschaft ein eigenes Sonderreferat gebildet, das sich mit Mehrfachintensivtätern befasst, die insbesondere auch im Bahnhofsumfeld seit Sommer 2023 gehäuft für Ärger gesorgt haben. Diese stammen häufig aus Tunesien.

Hat das etwas gebracht? Die Polizei beantwortet die Frage mit einem vorsichtigen Ja. Sprecherin Anna Bayer: „Aus polizeilicher Sicht zeichnet sich [...] derzeit ein Rückgang der Kriminalitätsentwicklung ab.“ Das sei allerdings nur eine vorläufige Einschätzung, betont Bayer. Die Beamten rechneten damit, dass die Maßnahmen auch in Zukunft Wirkung zeigen werden. „Angesichts der bevorstehenden erwartungsgemäß belebten Sommermonate wird ein Anstieg nicht gänzlich ausgeschlossen.“