Acht Bäume, weiter keine Durchfahrt: Aufhübschung vorm Regensburger Bahnhof gestartet

Von Rainer Wendl · 17. Mai 2024 um 10:00

Im Mai wird alles grüner, diesem Naturgesetz kann sich nicht einmal der Regensburger Bahnhofsvorplatz entziehen. Seit wenigen Tagen stehen auf der grauen Asphalt- und Pflasterfläche acht Bäume in Pflanzkübeln.

Es ist der Auftakt für umfangreichere Verschönerungsmaßnahmen auf diesem Platz, der täglich stark frequentiert ist, über den aber noch heftiger diskutiert wird. Richtiggehend zur Baustelle wird der Bereich voraussichtlich nach den Sommerferien. Zuerst werden dann auf Höhe des Bahnpost-Gebäudes eine Wendemöglichkeit sowie die Durchfahrt für Linienbusse hergestellt, die in West-Ost-Richtung künftig wieder über die Bahnhofstraße verkehren. Bei optimalem Bauablauf könnte die neue Spur bereits ab Anfang 2025 genutzt werden.

Die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme, bei der unter anderem eine durchgängig ebene Platzfläche mit neuem Pflaster geschaffen wird, ist laut Stadt für die erste Jahreshälfte 2025 geplant. Die geschätzten Baukosten belaufen sich auf rund 750 000 Euro, hinzu kommen noch Ausgaben für 230 zusätzliche Fahrradständer am westlichen und östlichen Rand des Areals.

Die jetzt aufgestellten acht Bäume haben insgesamt 10 000 Euro gekostet, sie sollen in ihren Pflanzkübeln auch nach dem Umbau vor dem Bahnhof stehen bleiben. Das übergeordnete Ziel all dieser Maßnahmen beschrieb SPD-Fraktionschef Thomas Burger unlängst so: „Es geht darum, eine Optik zu schaffen, die eines Eingangstors zur Altstadt würdig ist.“

„Freie-Wähler-Manschette“

Eine kritischere Haltung zu den Planungen hat Michael Lehner. Der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion würde nicht einmal im Hinblick auf das frisch installierte Grün das Wort „Verschönerung“ unterschreiben. „Diese greislichen Bäume stehen überall, auch in der Maxstraße und am Neupfarrplatz. Mit ihrer Freie-Wähler-Manschette in diesem komischen Orange. Wir könnten doch auch richtige Bäume in den Boden pflanzen“, redet er sich fast in Rage, um dann doch einzuräumen: „Aber gut, besser als keine Bäume. Ich finde sie nicht schön, sie stören mich aber auch nicht.“

Was Lehner sehr wohl stört, ist die Verkehrsführung am Bahnhofsvorplatz. Die für Autos unterbrochene Durchfahrt ist ihm seit ihrer Einrichtung im Dezember 2021 ein massiver Dorn im Auge. Obwohl Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) Anfang des Jahres mit den Worten „Das bleibt auch so“ die Dauerhaftigkeit dieser Regelung betont hatte, kündigte der CSU-Fraktionschef kurz darauf einen baldigen neuen Vorstoß für eine Aufhebung des aus seiner Sicht widersinnigen Durchfahrtsverbots an.

Ein Vierteljahr später sagt er: „Da ist noch nichts passiert, das Thema ruht. Wir müssen uns erst mit wichtigeren Dingen beschäftigen.“ In Sachen Verkehr zum Beispiel sei aktuell die Stadtbahn-Entscheidung vordringlich, danach könne man dann auch wieder über den Bahnhofsvorplatz nachdenken. Und selbst dort, so gibt Lehner zu bedenken, gebe es einen weitaus bedeutenderen Aspekt als die Gestaltung, nämlich die Sicherheit.

Zufrieden mit Sicherheitslage

Mit der jüngsten Entwicklung der Situation zwischen Bahnhof, Bahnhofsallee, Milchschwammerl und Obelisk ist er sehr zufrieden. „Ich bin in den letzten Wochen immer wieder mal in der Dämmerung mit dem Radl durchgefahren. Mein Eindruck ist, dass die Sicherheitslage erheblich besser geworden ist.“

Jetzt gelte es abzuwarten, wie dauerhaft diese durch die erhöhte Präsenz von Polizei und Kommunalem Ordnungsservice (KOS) erzielte Entspannung anhält. „Ich bin aber optimistisch, denn Beleuchtung und Kameras kommen ja auch noch dazu. Das alles dürfte dazu beitragen, die Situation dauerhaft in den Griff zu bekommen“, meint Lehner.

Die Arbeit geht freilich nicht aus, denn am anderen Ende des Areals bleiben die Gestaltung des Bereichs um das Peterskircherl und der Umgang mit den sich dort aufhaltenden Menschen eine Dauer-Aufgabe. Doch auch hier sieht der CSU-Fraktionschef eine positive Entwicklung, nicht zuletzt dank des unermüdlichen Einsatzes von Caritas-Streetworker Ben Peter: „Ein super Mann, der da tagtäglich Top-Arbeit leistet.“ Weil er die Bahnhofsgegend also insgesamt auf dem richtigen Weg wähnt, kann Lehner zumindest vorübergehend über „greisliche“ Bäume in Pflanzkübeln und die ihn nervende Durchfahrtssperre hinwegsehen.