CSU will Durchfahrtsverbot am Regensburger Bahnhof abschaffen

Von Rainer Wendl · 6. Februar 2024 um 17:00

Verkehrsthemen sind seit jeher eine Belastungsprobe für die Regensburger Rathaus-Koalition. In Kürze steht wohl die nächste bevor – denn die CSU widmet sich nun dem Autoverkehr am Hauptbahnhof.

Jahrelang war der Regensburger CSU die Tempo-30-Regelung in der Weißenburgstraße ein Dorn im Auge. In der vergangenen Woche nun wurde diese Geschwindigkeitsbeschränkung von der Stadt gekippt – für die CSU ist es daher an der Zeit, sich dem nächsten großen Streitpunkt im städtischen Verkehr zu widmen. Es ist die unterbrochene Durchfahrt vor dem Hauptbahnhof, deren Abschaffung Fraktionschef Michael Lehner als Ziel formuliert: „Das werden wir demnächst angehen.“

Wie begründet er diesen Vorstoß, der absehbar zu einem neuerlichen Knatsch in der Rathaus-Koalition führen wird? Lehner erwähnt dabei zunächst das Thema „Sicherheit“, an dem in Diskussionen um das Bahnhofsumfeld derzeit niemand vorbeikommt.

Wenn Autos wieder ungehindert durchfahren dürfen, sorgt das für mehr Frequenz und damit für mehr Sicherheit, lautet die Gleichung, die Thomas Burger vom Koalitionspartner SPD so gar nicht einleuchten will. „Fußgänger und Radler sorgen für eine bessere, positivere Frequenz“, lautet sein Einwand. „Und sie überwachen das Areal weitaus besser als Autofahrer, die ja auf die Straße schauen sollten.“

„Die einzigen Vollidioten in ganz Deutschland“

Lehner betont, dass die Sicherheitslage „nur ein Nebenaspekt“ in der Diskussion um die Durchfahrt sei, bleibt aber prinzipiell dabei: „Es ist nicht so, dass das Problem Bahnhof dann gelöst ist – aber es schadet sicher nicht, wenn nachts Autos durchfahren.“

Was den CSU-Fraktionschef jedoch viel mehr umtreibt, ist die Frage der Erreichbarkeit. „Wir sind die einzigen Vollidioten in ganz Deutschland, die ihren Bahnhof verkehrsberuhigen“, findet er drastische Worte für die seit Dezember 2021 unterbrochene Ost-West-Verbindung und erinnert an den ursprünglichen Anlass für diese Maßnahme: Dies sei die damals noch geplante komplette Umgestaltung des Bahnhofsumfelds gewesen, die aber aus finanziellen Gründen für mindestens fünf Jahre verschoben wurde. „Der Umbau fällt weg, es gibt also keinen sinnvollen Grund mehr für die Unterbrechung.“

Auch hier will sein SPD-Pendant Burger nicht folgen. Er verweist auf die Situation von Fußgängern und Radfahrern, die ohne Durchgangsverkehr deutlich angenehmer geworden sei. Außerdem könne auch der Betrieb am Übergangs-Busbahnhof mit weniger motorisiertem Individualverkehr im direkten Umfeld besser abgewickelt werden.

Burger: Bahnhof ist auch über Südseite erreichbar

Konkret zur Erreichbarkeit per Auto sagt Burger: „Der Bahnhof kann jederzeit von beiden Seiten angefahren werden. Warum man unbedingt durchfahren können muss, erschließt sich mir nicht. Das ist wohl so ein Autofahrer-Thema.“ Zudem gebe es auf der Südseite des Bahnhofs über die Arcaden eine zusätzliche komfortable Erschließung für den Pkw-Verkehr, rund um die Uhr und mit ungleich mehr Parkplätzen als im nördlichen Bahnhofsvorfeld.

Lehner räumt ein, diese Option nicht aktiv auf dem Schirm zu haben: „Ich wohne im Norden, ich hab das noch nie so gemacht. Es ist ein guter Benefit, dass man auch über die Arcaden zum Bahnhof kommt. Aber es ist dennoch für viele umständlicher.“

Abgesehen von individuellen Betroffenheiten bei der Anfahrt führt der CSU-Fraktionschef jedoch auch im Bahnhofsumfeld angesiedelte Ärzte, Einzelhändler und Dienstleister an, die unter der seit gut zwei Jahren gültigen Verkehrsregelung leiden würden. Von dieser Seite erreichten die Politik immer wieder Beschwerdebriefe – ein weiterer Grund, tätig zu werden. „Wir werden innerhalb der Fraktion beratschlagen und dann in der Koalition eine Initiative starten.“

OB: „Das bleibt auch so“

Zum bislang letzten Mal im Stadtrat diskutiert wurde das Thema im Juli vergangenen Jahres. Damals wurde – auch mit den Stimmen der CSU – beschlossen, in West-Ost-Richtung wieder Linienbusse über den gesperrten Bahnhofsvorplatz fahren zu lassen und diesen ansprechender zu gestalten. „Das ist notwendig, denn der Platz schaut nicht schön aus. Da werden zeitnah Maßnahmen getroffen, um eine Optik zu schaffen, die eines Eingangstors zur Altstadt würdig ist“, meint Burger.

Bestandteil des Beschlusses war auch ein mit der Polizei zu erstellendes Gestaltungskonzept für die Grünanlage beim Peterskircherl, womit der Bogen zum Thema „Sicherheit“ gespannt wäre. Eine Wiederherstellung der Durchfahrt aber war kein Thema. Dass es weiterhin keines ist, betonte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer im Januar in einem MZ-Interview: „Wichtig war, das Areal dort vom Durchgangsverkehr zu befreien und das bleibt auch so