Der Plan für den Regensburger Bahnhofsvorplatz ist da: 600 Busse sollen durchfahren, Autos nicht

Die Regensburger Stadtverwaltung legt den Stadträten ihren Plan für die Umgestaltung des Bahnhofsareals vor. Auch Kurzzeit-Parker und Räder bekommen mehr Platz.
Die Stadt will das Bahnhofsareal vom Ort, den Ankommende möglichst schnell verlassen wollen, zum übersichtlichen Verkehrsknoten entwickeln. Da der große Wurf samt neuem Busbahnhof aus finanziellen Grünen auf Eis liegt, präsentiert sie jetzt eine kleine Lösung für einen „Übergangszeitraum von circa fünf Jahren“, so nennt sie es in der Beschlussvorlage für die Sitzung des Planungsausschusses des Stadtrats am nächsten Dienstag. Die sieht vor, dass sich Radfahrer und Busse den Bahnhofsvorplatz künftig mit circa 600 Bussen am Tag teilen.
Damit die Busse sich in der engen Albertstraße nicht mehr aneinander vorbeidrängen müssen, schickt die Stadt die Linien aus dem Westen über den Bahnhofsvorplatz. Sie müssten sich den Fußgängern und Fahrradfahrern „unterordnen“, heißt es in der Vorlage – und Schritt fahren. Zudem entstehen zwei neue Fahrrad-Abstellanlagen mit insgesamt circa 300 Plätzen. Auf der Westseite soll es innerhalb eines Wendehammers für Autos und Busse eine neue „Kiss-and-Ride“-Zone für den Hol- und Bringverkehr geben.
Optisch will die Stadt das Areal mit „entsiegelten Flächenteilen“ auflockern, die „Abwechslung und Schatten“ bringen sollen. Über den Platz verteilte „Hotspotpots“ – Pflanztröge mit kleinen Bäumen, wie sie derzeit schon vor dem Kulturort M26 in der Maximilianstraße rot leuchten – sollen „den Bereich trotz verschiedener Untergrundmaterialien räumlich zusammenbinden“. Die Verkehrsfläche soll „eine hellere Farbigkeit“ bekommen, etwa durch Kugelstrahlen.
Für mehr Sicherheit: Gartenamt soll Grünanlagen auslichten
Die angrenzenden Grünflächen soll das Gartenamt auslichten, „um das Sicherheitsgefühl von Fußgängerinnen und Fußgängern zu stärken“, erklärt Stadtsprecherin Verena Bengler. Ein Gestaltungskonzept für die Umgebung des Peterskirchleins will die Stadt gemeinsam mit der Polizei erarbeiten, auch liefen Gespräche über die künftige Nutzung des Peterskirchleins, heißt es in der Vorlage. Abschließen will die Stadt die Umgestaltung im Jahr 2024.
SPD-Fraktionschef Thomas Burger nennt den Plan einen „erfolgreichen Kompromiss“: Die Lösung sei mit geschätzten Kosten von gut 750000 Euro nicht teuer, „aber trotzdem ansprechend“. Burger sagt: „Ich glaube, es wird sich vom Erscheinungsbild her deutlich verbessern.“ CSU-Fraktionschef Jürgen Eberwein bezeichnet die Vorlage dagegen als „Minimalkonsens“. Er betont: „Wir halten es nach wie vor für absolut falsch, dass der Verkehr dort unterbrochen worden ist.“ Dürften Autos durchfahren, würde das die Erreichbarkeit verbessern und „Frequenz in den Angstraum“ bringen, argumentiert die CSU, die mit dieser Position aber in der Koalition in der Minderheit ist. Eberwein will nicht, „dass sich nur ein bestimmtes Klientel dort aufhält“. Deshalb sind für ihn die Auslichtung und das angedachte Konzept für das Areal um das Peterskirchlein „Positivpunkte“. Er könnte sich eine kulturelle Nutzung des Gebäudes vorstellen und draußen ein Marktgeschehen.
Grüne: Plan für Bahnhofsumfeld ist „keine runde Sache“
Die Grünen sehen vor allem die Verkehrsführung kritisch. Fraktionschefin Maria Simon sagt über die Vorlage: „Das ist noch keine runde Sache.“ Die Grünen fragten sich etwa, wie die Stadt dafür sorgen will, dass trotz des Radwegs am Wendehammer Autos und Fahrräder nicht kollidieren. Unklar ist aus ihrer Sicht auch, wie die Stadt verhindern will, dass Autos die Busspur nutzen. „Wir haben nicht den Eindruck, dass man sich Gedanken gemacht hat und versucht hat, eine Lösung zu finden“, sagt Simon. Auch viel Aufenthaltsqualität sähen die Grünen momentan nicht.
Aus Sicht der Brücke, die mit einem Antrag die Debatte über eine mögliche Öffnung der Bahnhofstraße für den Autoverkehr losgetreten hatte, hätte die Stadt dagegen bei der Gestaltung noch mehr sparen dürfen. „Erschreckend“ nennt Stadtrat Thomas Thurow die geschätzten Kosten. „Dass man für ein Provisorium so viel Geld ausgibt“, sehe er kritisch. Positiv seien die Verlagerung von Busverkehr aus der Albert- in die Bahnhofstraße und der neue Kiss-and-Ride-Platz: „Jetzt ist zumindest die Erreichbarkeit vom Westen besser.“ Nur bei den Fahrradbügeln sind sich die größten Fraktionen im Stadtrat einig: Die finden sie alle gut.
Zustimmung erntet der städtische Plan vom Stadtwerk und vom ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland. Das Verkehrsunternehmen sieht „Vorteile im Betrieb“. Der Club begrüßt den Schwerpunkt auf Fuß- und Radverkehr. Kreischef Wolfgang Bogie hat nur einen Wunsch: überdachte Radparkplätze.