Nach Zoff um Auto-Öffnung: Fahren bald wieder Busse am Regensburger Bahnhofsvorplatz?

Von Rainer Wendl · 20. April 2023 um 10:00

Der Verkehr am Regensburger Bahnhofsvorplatz ist immer für Kontroversen gut – und jetzt auch für eine Überraschung.

Es ist gerade erst einen Monat her, dass das Thema zur Belastungsprobe für die Rathaus-Koalition wurde. Damals setzten sich SPD, Freie Wähler, FDP und CSB-Stadtrat Christian Janele gegen die CSU durch, die sich vergeblich für die Öffnung des Bereichs für den Individualverkehr stark gemacht hatte.

Dennoch werden nun aller Voraussicht nach schwere Fahrzeuge in die beruhigte Zone zurückkehren: Künftig sollen wieder Linienbusse über den Bahnhofsvorplatz rollen. Den entsprechenden Vorschlag bekamen die Koalitionäre kürzlich von der Verwaltung präsentiert, am 2. Mai soll im Planungsausschuss darüber debattiert werden. Der Entwurf der Beschlussvorlage liegt der Mittelbayerischen vor, ihr wesentlicher Inhalt ist die einspurige Freigabe der Bahnhofstraße für den ÖPNV.

Notwendig ist diese nach Ansicht der Verkehrsplaner wegen der suboptimalen Situation in der Albertstraße. Seit der Ende 2021 erfolgten Eröffnung des Busbahnhofs am Ernst-Reuter-Platz werden hier dieBusse im Begegnungsverkehr durchgeschickt, obwohl die Fahrbahnbreite dafür kaum ausreicht.

Um diesen Missstand zu beheben, bräuchte es entweder bauliche Veränderungen in der Albertstraße oder eben die teilweise Freigabe am Bahnhof für den Busverkehr. „Die einspurige Öffnung der Bahnhofstraße lässt sich dabei sowohl kostengünstiger als auch schneller realisieren“, resümiert die Verwaltung.

Busfahrer und Anlieger sauer

„Wenn der Busverkehr so besser funktioniert, ist das aus unserer Sicht völlig okay – zumal das ja auch auf der Linie aller bisherigen Beschlüsse zum Thema liegt“, sagt SPD-Fraktionschef Thomas Burger dazu. Sein CSU-Kollege Jürgen Eberwein begrüßt den Vorschlag ebenfalls: „Das ist gut, weil es enorme Probleme in der Albertstraße gibt“, bemerkt er mit Blick auf die Engstelle, die besonders Busfahrer nervt.

„Das ist wirklich eine sehr enge Situation, die in meinen Augen auch gefährlich ist. Eigentlich kann man da Busse im Begegnungsverkehr nicht durchschicken“, beschwerte sich einer bereits im vergangenen Sommer gegenüber der MZ.

Noch mehr Ärger verursacht die aktuelle Situation bei den Anwohnern. Gerlind Weigelt aus der Albertstraße brachte diesen im Vorjahr wie folgt zum Ausdruck: „Wir dachten immer, wir wohnen am Park. Doch jetzt wohnen wir an der Bus-Schnellstraße.“Mit der nun geplanten Änderung der Verkehrsführung würde sich das Bus-Aufkommen wieder deutlich reduzieren.

Dies geht allerdings zu Lasten der eben erst erreichten Beruhigung am Bahnhofsvorplatz, was auch Mitgliedern der Koalition durchaus sauer aufstößt. „Die Grundidee war, hier keinen motorisierten Verkehr mehr zu haben. Das ist jetzt wieder hinfällig“, meint Freie Wähler-Fraktionschef Günther Riepl.

Horst Meierhofer (FDP) stößt ins gleiche Horn: „Es ging um ein schöneres Entrée in die Stadt und um mehr Sicherheit, vor allem für Fußgänger. Daher sollte man hier am besten gar nichts drüber fahren lassen.“ Auch Christian Janele ist kein Fan des Verwaltungsvorschlags. „Vor vier Wochen haben wir noch für die Verkehrsfreiheit des Bahnhofsvorplatzes gekämpft, und jetzt kommt sowas. Das ist ein Schritt vor und zwei Schritte zurück.“

Was den bereits durchgeführten Kunstwettbewerb zur Aufwertung des Areals angeht, stimmt diese Analyse. Das dabei auserwählte Oberflächenkunstwerk kann nun nämlich nicht realisiert werden, weshalb die Stadt den Gewinner des Wettbewerbs entschädigen muss.

Dennoch pocht Meierhofer darauf, dass derBahnhofsvorplatz kein „greislicher Fleck“ bleibt, sondern „mit kleinen Mitteln“ verschönert wird. In der Beschlussvorlage wird dies zumindest in Aussicht gestellt: „Eine entsprechende Gestaltung, die sowohl die Busverkehrsführung als auch eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität beinhaltet, wird aktuell durch die Verwaltung erarbeitet.“

CSU will kein Fass aufmachen

Trotz diverser Bauchschmerzen lassen die koalitionsinternen Kritiker des Vorschlags auch das gewichtige Gegenargument gelten. „Die bessere Erreichbarkeit für den ÖPNV sehe ich schon“, lässt Meierhofer durchblicken, dass er die Kröte schlucken wird.

Eine neue Diskussion zur freien Durchfahrt der Bahnhofsstraße auch für Autos wird es jedenfalls nicht geben, wie Eberwein versichert: „Das ist zwar nach wie vor der Wunsch der CSU, doch wir beugen uns der Koalitionsmehrheit und machen dieses Fass nicht nach vier Wochen wieder auf.“ Auch deshalb kann Riepl mit der Teil-Öffnung für Busse leben: „Wichtig ist, dass da kein Auto mehr durchfährt.“

Die enge Situation in der Albertstraße gab den Ausschlag. F.: Wendl