Regensburger Bahnhofsvorplatz soll endlich schöner werden – nur wann?

Es ist ein kurzer Fußmarsch. Dann haben es die Menschen, die mit dem Zug angereist sind oder in den Arcaden geparkt haben, geschafft. Dann haben sie den Bahnhofsvorplatz hinter sich gelassen und sind in der berühmten Altstadt, die Regensburg den Beinamen als nördlichster Ort Italiens eingebracht hat, angekommen. Und bis dahin sollten sie eben am besten einfach kurz die Augen zumachen.
Im Dezember 2021 verbot die Stadt Regensburg den Autoverkehr vorm Hauptbahnhof. Bus und Bahn sollten gestärkt werden. Quasi als Zubrot gab es nun die Möglichkeit, das südliche Einfallstor zur Innenstadt neu und einladend gestalten zu können. Passiert ist seitdem nichts.
Wie auf einer Kart-Bahn
Das Pflaster ist an vielen Stellen aufgebrochen. Der Verkehrsteiler auf der östlichen Bahnhofsstraße erinnert an eine in die Jahre gekommene Kart-Bahn. Manchmal gibt es noch ein paar Tage lang einen Info-Stand oder im Winter einen Glühweinverkauf. Das ist alles. Schön findet diesen Platz niemand. Viele Regensburger empfinden ihn sogar als regelrecht hässlich. Der städtische Planungsreferent Florian Plajer räumt auf Anfrage ein, dass „man sich natürlich eine andere Gestaltung vorstellen könnte, diese wäre auch an einigen Bereichen wünschenswert“.
Doch was tun? Darüber wird praktisch seit dem ersten Tag der Verkehrsberuhigung diskutiert. Und noch viel mehr, seitdem die Regierungskoalition vor eineinhalb Jahren beschloss, den Bau des neuen Zentralen Busbahnhofs zu verschieben, um zu sparen. Damit hatte sich auch die geplante große Umgestaltung des gesamten Bahnhofsumfelds vorerst erledigt. Ein bisschen schöner sollte es kurzfristig dennoch werden – so war zumindest der Plan.
Künstler wurde entschädigt
Ein Künstler hatte bereits den Auftrag, den Boden zu bemalen. Wegen des Busverkehrs, wie die Stadt sagte, ging das dann doch nicht. Der Künstler wurde entschädigt. Vergangenes Jahr erstellte die Stadt dann ein Konzept für Sofortmaßnahmen. Ziel war, dass ein Teil davon noch 2023 erledigt wird. Jetzt heißt es, dass die Maßnahme „zeitnah in diesem Jahr“ umgesetzt wird.
Das Bahnhofsumfeld steht wegen der Debatte um dort stattfindende Straftaten ohnehin stark im Fokus. Das öffentliche Bild, das der Zustand des Vorplatzes abgibt, ist aber eine ganz eigene Geschichte. „Belebung und Qualität für Aufenthalts- und Begegnungsräume sind der Schlüssel für eine Verbesserung des Charakters im Bahnhofsvorfeld“, sagt Plajer.
Der südliche Zipfel des Parks mit dem Peterskirchlein ist fester Treffpunkt von teils suchtkranken oder obdachlosen Menschen. Dort stehen sie herum oder sitzen auf einer Mauer, aus der schon etliche Steine herausgebröckelt sind. Die Gruppe war in den Parks dort schon immer vertreten, seit der Verkehr weg ist, fällt sie aber noch weitaus mehr auf.
Brigitte Weißmann von der Caritas Regensburg sagt, dass durch eine Aufwertung von Lebensräumen erfahrungsgemäß Kriminalität und Suchtprobleme gesenkt werden würden. Sie weist aber darauf hin, dass dafür „ein paar Pflanzkübel“ nicht reichen würden. Ihre Caritas-Kollegin Marion Santl sagt, dass es einen Tagesaufenthaltsort in Bahnhofsnähe für diese Menschen brauche, an dem diese, „ohne in der Öffentlichkeit stigmatisiert zu werden, sein dürfen“.
Eine andere Meinung zu einer möglichen Umgestaltung hat Armin Gebhard. Er ist Vorsitzender der Regensburger Kaufleute, eines Vereins, der traditionell gegen die Verkehrsberuhigung in der Altstadt ist.
„Aufhübschen bringt nichts“
Gebhard plädiert weiter dafür, dass der Durchgangsverkehr vorm Bahnhof wieder zugelassen wird. Ein provisorischer Umbau des Platzes sei deswegen nicht sinnvoll: „Aufhübschen bringt nichts.“ Wirklich viel wird aber zunächst sowieso nicht passieren. Die Stadt sagt, dass aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel „lediglich Angleichungsarbeiten“ möglich sind. Das Pflaster soll ausgebessert und ergänzt werden, dazu sind „punktuelle Setzungen von mobilem Grün“ geplant. Die zentrale Platzfläche soll auch neu asphaltiert werden. Ursprünglich war auch noch vorgesehen, dass der Boden durch eine Nachbehandlung aufgehellt wird und dann wohl freundlicher gewirkt hätte. Dies wurde aber „aufgrund des engen Kostenrahmens“ bereits wieder gestrichen.