Außen wie neu, innen „erbärmlich“: Heftige Kritik an Klo auf dem Neupfarrplatz

Von Jürgen Scharf · 28. Februar 2024 um 17:00

Es ist kurz vor Mittag. Auf dem Regensburger Neupfarrplatz ist einiges los. Auch auf dem öffentlichen Klo am südöstlichen Eck. Gerade geht ein Mann hinein. Er kommt kurz danach aber wieder heraus und wirkt verstört. „Unbenutzbar“, sagt er.

In der Tat: Zumindest die Herrentoilette ist an diesem Tag in einem erschreckenden Zustand. Von den sechs Pissoirs sind drei übergelaufen. Ein viertes ist ohnehin bereits gesperrt, das dafür vorgesehene Hinweisschild mittlerweile aber ins Pissoir hineingefallen. Zudem ist auch ein großer Teil des Bodens überschwemmt.

Die Lage bei den öffentlichen Toiletten ist in Regensburg seit Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Im Sommer wurden wegen der vielen Besucher zuletzt etwa bereits mobile Kabinen aufgestellt. Zudem gibt es das Programm „Nette Toilette“, an dem mehrere gastronomische Betriebe der Altstadt teilnehmen, deren Klos dann auch von Passanten genutzt werden können.

„Zustand ist katastrophal“

Die Stadt betreibt zudem insgesamt ein gutes Dutzend öffentlicher Toilettenanlagen. Die den meisten Menschen bekannte ist wohl die am Neupfarrplatz. Brücke-Stadtrat Florian Rottke betreibt direkt daneben einen Kiosk. Er beschreibt den Zustand des Klos als „katastrophal“. Er beobachte zwar, dass es „eigentlich wirklich regelmäßig gereinigt“ wird. Im Nu sei es dann aber wieder verschmutzt. „Die Leute kommen dann zu uns zum Kiosk und beschweren sich. Die sagen klipp und klar: ‚Das ist kein Zustand’.“ Die Toilette sei nichts anderes als „ein unfassbar schlechter Außenauftritt der Stadt“, findet Rottke. Nicht nachvollziehbar sei für ihn deswegen, dass die Außenfassade der Toilette vor kurzem komplett saniert, innen aber nichts gemacht wurde.

Der Fraktionschef der CSU im Stadtrat, Michael Lehner, fällt ein ähnlich hartes Urteil: „Der Zustand ist vor allem in den Kabinen relativ erbärmlich. Das ist schon g’scheit schlimm.“ Es gebe aber auch eine andere Seite der Medaille, sagt er. Es sei weder sinnvoll noch finanzierbar, „alle zwei Stunden eine Putzkolonne hinzuschicken. Die Leute, die diese Toilette benutzen, sind auch ein Stück weit dafür verantwortlich, Sie sollten einfach sorgsam damit umgehen“.

„Störungen dieser Art kommen vor“

Die Stadtverwaltung teilt auf Anfrage zu der Situation mit den überfluteten Pissoirs und dem überschwemmten Boden mit: „Störungen dieser Art kommen vor und werden so schnell als möglich behoben.“ Die öffentlichen Toilettenanlagen der Stadt hätten unterschiedliche Reinigungszyklen – von einmal bis dreimal täglich. Und das 365 Tage im Jahr. Die Toilettenanlage am Neupfarrplatz sei bei der höchsten Taktung dabei. Sie werde dreimal täglich gereinigt. Die Stadt macht dabei kein Hehl daraus, dass der Betrieb von öffentlichen Toiletten „anspruchsvoll“ sei und immer aufwendiger werde. Problematisch seien vor allem die zunehmende Zahl der Sachbeschädigungen, die willentlich herbeigeführten Betriebsstörungen, die Nutzung der Toiletten als Konsumraum sowie „die unverhältnismäßigen Verschmutzungen“.

Es gebe auch immer wieder Beschwerden von Bürgern. Die Stadt erhalte im Schnitt etwa eine pro Woche. Dabei gehe es um unterschiedlichste Sachen: fehlendes Toilettenpapier, Toilette außer Betrieb, Tür lässt sich nicht öffnen, verstopftes Urinal oder verstopftes WC.

Betrieben werden die Toiletten über das Amt für Gebäudeservice. Für die Reinigung wurden nach Angaben der Stadtverwaltung 2023 rund 305.000 Euro ausgegeben. Für den Unterhalt des Gebäudes und den Betrieb 2023 zudem nochmals rund 83.000 Euro. Es habe darüber hinaus zwar noch weitere Schadensfälle gegeben, diese waren aber über eine Versicherung abgedeckt.

Appell des Seniorenbeirats

Die Interessen der älteren Bürger werden vom Regensburger Seniorenbeirat vertreten. Dessen Vorsitzender Klaus Steiner sagt, dass der Zustand der öffentlichen Toiletten „seit langem ein heißes Eisen bei uns ist“. Der Seniorenbeirat habe bereits vor zwei Jahren seine Meinung dazu schriftlich fixiert und an den Stadtrat weiterleiten lassen. Und die Meinung des Beirats ist klar: „Die Situation war und ist ungenügend“, sagt Steiner. Es müsse etwas getan werden, findet er. Es sollten weitere Anlagen gebaut werden, um das Angebot zu erweitern. Und die bestehenden sollten besser gepflegt werden.

Zumindest beim Klo am Neupfarrplatz ist es Florian Rottke zufolge alleine mit mehr Pflege nicht mehr getan. Hier sollte so schnell wie möglich nach der Fassade nun auch das das Inventar erneuert werden, findet er. Dieses sei nun schon viele Jahre alt. Es sei immer wieder aufs Neue gereinigt und dann wieder aufs Neue verschmutzt worden: „Und irgendwann kriegst du es einfach nicht mehr wirklich sauber.“