Kaufhof-Aus: So geht es den Mitarbeitern – und so wenig Abfindung zahlt der Konzern

Von Christian Eckl · 14. Juni 2024 um 05:00

Lediglich sechs Beschäftigte können vom Kaufhof am Regensburger Neupfarrplatz ins Donau-Einkaufszentrum wechseln. Zwar wurde allen Mitarbeitern in der Schließungs-Filiale eine Alternative angeboten, doch sogar Hannover war neben München und Rosenheim auf der Liste. Die meisten Kaufhof-Mitarbeiter lehnten bislang ab.

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Nur noch wenige Wochen, dann schließt der Kaufhof am Neupfarrplatz für immer seine Pforten. Ob und wann eine Nachnutzung für das markante Gebäudeerfolgen wird, ist noch völlig offen. Nicht einmal Verhandlungen des Eigentümers, der sich nach wie vor nicht zu erkennen gibt, werden bestätigt oder dementiert. Lediglich der Konzern Ikea deutete an, dass möglicherweise ein City Store, in dem man keine großen Warenbestände vorhält, sondern digital geplant wird, im Bereich des Möglichen wäre. Doch wie geht es für die zuletzt noch etwa 50 Kaufhof-Mitarbeiter weiter?

„Meine Zeit bei Galeria geht nach 43 Jahren definitiv auch zu Ende“, sagt Hans-Jürgen Burkert, Betriebsratsvorsitzender der Kaufhof-Filiale am Neupfarrplatz. Nach zahllosen Gesprächen mit seinen Kollegen beschreibt er deren Gefühlslage zur Situation so: „Es ist natürlich traurig, dass viele, die bereits 30 oder sogar 40 Jahre und länger im Unternehmen sind, mit zwei Monatsgehältern Abfindung abgespeist werden.“ Wertschätzung sehe anders aus.

Angebote – aber weit weg

40 festangestellte Kräfte sind von der Kaufhof-Schließung direkt betroffen. Natürlich gab es Angebote. Glücklich schätzen sich sechs Mitarbeiter vom Neupfarrplatz, denn sie können in die Filiale des Warenhauses im Donau-Einkauszentrum wechseln. 20 weiteren Mitarbeitern wurde laut dem Betriebsratsvorsitzenden ein Angebot in anderen Filialen unterbreitet, das sie aufgrund der Entfernung nicht annahmen: Filialen in München, Rosenheim oder sogar Hannover standen im Raum. Lediglich ein Angestellter aus dem Kaufhof am Neupfarrplatz wechselt nach Landshut. Als Abfindung gebe es maximal zwei Monatsgehälter oder alternativ den Wechsel für acht Monate in eine Transfergesellschaft, schildert Burkert. Er sagt auch, dass die kürzlich erneut gestartete Abvermarktung der noch im Kaufhaus befindlichen Waren wieder ein Déjà-vu sei.

„Der Unterschied zum Vorjahr besteht darin, dass nur noch die Hälfte der Mitarbeiter den Abverkauf in Eigenregie stemmen muss“, sagt er. Obwohl versucht werde, mit kurzfristigen Einstellungen das verbliebene Personal zu unterstützen, gebe es hierfür als Abvermarktungsprämie maximal 40 Prozent der Leistung aus dem Vorjahr. Burkert betont, dass die Kollegen auch hier auf den letzten Metern wieder die fehlende Wertschätzung erkennen würden. „Traurig stimmt die Mitarbeiter somit nur noch die Trennung von den Kollegen und nicht mehr der Abschied vom Unternehmen“, fügt er hinzu.

Mietvertrag gekündigt

Der Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus macht klar, dass ihn die Situation in Regensburgs Altstadt eigentlich nichts mehr angeht. Ein Sprecher von Denkhaus sagt: „Wir geben keine Erklärungen zu einzelnen Schließungsstandorten ab.“ Auch in Bezug auf das Personal, das seinen Arbeitsplatz im Herzen der Regensburger Altstadt verliert, sind es nur Allgemeinplätze: „Gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat haben wir eine sozialverträgliche Lösung für die insgesamt betroffenen rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Galeria erarbeitet.“ Selbst zum Warenhaus selbst, das nach dem Auszug von Kaufhof im August leer stehen wird, sagt man nichts: „Zur Immobilie können wir aus Gründen des Datenschutzes keinerlei Angaben machen, da GKK lediglich Mieter ist.“ Der Mietvertrag wurde seitens Galeria Karstadt Kaufhof gekündigt, heißt es abschließend vom Insolvenzverwalter.

Kommentar: Zwei Monatsgehälter Abfindung für geschasste Kaufhof-Mitarbeiter – Es ist entwürdigend

Wie es ich anfühlt, ausrangiert zu werden, erleben derzeit die Mitarbeiter in den Schließungsfilialen von Kaufhof. Menschen, die Jahrzehnte für den Konzern gearbeitet haben, werden mit zwei Monatsgehältern Abfindung abgespeist, rutschen womöglich in die Arbeitslosigkeit und schließlich in Hartz IV, das man nun euphemistisch Bürgergeld nennt. Während der gestrauchelte Investor René Benko noch 600 Millionen Euro vom Staat kassierte, gibt es einen solchen doppelten Boden für diese Menschen nicht. Warum eigentlich nicht? Statt Arbeitslosengeld I und Bürgergeld, aber erst, wenn das eigene Vermögen aufgebraucht ist, müsste es auch einen Fördertopf für Menschen geben, die von Missmanagement betroffen sind. Nur so kann man verhindern, dass die Betroffenen am System verzweifeln, von dem andere profitieren.