Regensburger Kaufhof-Immobilie: Firmensitz auf den Cayman Islands?

Von Christian Eckl · 23. Mai 2024 um 15:00

Wem gehört die Regensburger Kaufhof-Immobilie? Ein komplexes Unternehmenskonstrukt hinter einigen Warenhäusern in Deutschland führt zu undurchsichtigen Geflechten auf Steueroasen.

Wer wissen will, wo der Eigentümer des Warenhauses am Neupfarrplatz inmitten des Regensburger Welterbes seinen Sitz hat, stößt auf zwei unscheinbare Bürogebäude. Das eine ist in Leverkusen in einem Industriegebiet, das andere im Steuerparadies auf den Cayman Islands in einem bunt gestrichenen Haus im Art-Deco-Stil. Zwischen Leverkusen und dem Steuerparadies im Dreieck zwischen Kuba, Jamaika und Belize gibt es eine große Gemeinsamkeit: Verschwiegenheit. Und man ist dort schwer erreichbar. Dabei könnten Entscheidungen, die zwischen Leverkusen und Georgetown getroffen werden, große Auswirkungen auf Innenstädte haben: Offenbar sitzt der Eigentümer, der sich hinter mehreren GmbHs verbirgt, zentraler Innenstadt-Warenhäuser in ganz Deutschland auf den Cayman Islands. Auch Regensburg ist von dem Konstrukt möglicherweise betroffen.

Treuhänder verhandeln mit den Kommunen

Unterschiedliche Schließungswellen nach Insolvenzen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof stellen die Kommunen nun vor ein großes Problem: Was tun mit den markanten Gebäuden? Jahrelanger Leerstand wirkt jedenfalls wie Gift für den umliegenden Handel. Ein weiteres Problem: Keine der Kommunen, die einen Leerstand im Herzen der Innenstadt entweder bereits seit geraumer Zeit hat oder wie Regensburg erwartet, kann mit dem eigentlichen Eigentümer verhandeln. Es sind Treuhänder, die in Deutschland auftreten. So kann man sich das Konstrukt vorstellen. Als der inzwischen insolvente österreichische Unternehmer René Benko über seine Signa 2019 die Warenhauskette kaufte, kam er auch in den Besitz der Immobilie am Neupfarrplatz. Etwa 12000 Quadratmeter Handelsfläche in Regensburgs bester Lage gehörten dazu. Doch der Investor musste das Gebäude mit einer früher in Regensburg alteingesessenen Familie teilen: Einst betrieb die Familie Fischl an der Stelle ein Modehaus. Heute sind sie Erbpachtgeber an die Eigentümer. Wie es weitergeht, wissen auch die Fischls derzeit nicht.

Geschäftsführerin hat Büro in Leverkusen

Mehrere Kaufhof-Immobilien aus ganz Deutschland werden in der Bonner Straße 12 in Leverkusen verwaltet. Das Problem: Dabei handelt es sich um ein relativ kleines Bürohaus inmitten eines Gewerbegebiets, an dem laut Google Maps 30 unterschiedliche Firmen von der Immobilienbranche über Solartechnik bis hin zu einem Produzenten von Liebesschlössern ihren Sitz haben. Der Vermieter der Büroräume bestätigt telefonisch, dass die Geschäftsführerin dieser Kaufhof-Immobilien-GmbHs ihr Büro in dem Gebäude hat. Telefonnummer oder Mail-Adresse gibt man auf Nachfrage nicht heraus.

Zumindest für die Regensburger Immobilie ist bekannt, dass es 2020 einen Eigentümerwechsel gab. Laut Transparenzregister, das undurchsichtige Geflechte eigentlich lichten soll, war bis dahin Ingeborg Benko, Mutter des österreichischen Investors, Eigentümerin des Gebäudes. 2020 kam es dann zu einem Eigentümerwechsel. Einer Meldung des Bundeskartellamtes zufolge übernahm ein Immobilienfonds namens Apollo mit Sitz in der US-Steueroase Delaware 17 dieser Kaufhäuser in markanter Innenstadtlage. Der Deal wurde laut Berichten von Immobilien-Fachmagazinen über einen Apollo European Principal Fund III abgewickelt und soll ein Volumen von 500 Millionen US-Dollar gehabt haben. Dieser Fonds hat seinen Sitz auf den Cayman Islands, genauer in George Town.

Stadt Regensburg äußert sich nicht zum Eigentümer

Bei der Stadt sagt man nur, dass man dazu nichts sagt. „Die Stadt Regensburg äußert sich prinzipiell weder zu Eigentumsverhältnissen beziehungsweise grundbuchrelevanter Information noch zur Kommunikation mit Eigentümern und Eigentümervertretern.“ Im Grundbuch, das der Mediengruppe Bayern vorliegt, stehen ohnehin nur zwei GmbHs als Eigentümer: eine 5P und eine 5K-GmbH. Dahinter stehen wiederum GmbHs oder am Ende bislang ein Treuhänder einer Steuerkanzlei bei Frankfurt, die sich auf Vermögensverwaltung spezialisiert hat. Auch hier gab es zwar einen Wechsel, doch was das für die Eigentümer-Struktur bedeutet, ist unklar.

Auch andere Kommunen beziehen sich bei den Angaben über die Eigentümerverhältnisse darauf, dass sie nichts sagen dürfen: „Wir können aus Datenschutzgründen zu Ihrer Frage keine Auskunft erteilen“, heißt es vom Pressereferat der Stadt Wiesbaden. Auch hier ist eine Kaufhof Wiesbaden GmbH Eigentümer – Geschäftsführerin ist die selbe Person wie in Regensburg.

Kommt Ikea in die Innenstädte in Regensburg und Wiesbaden?

In Wiesbaden ist man einen Schritt weiter als Regensburg: Die Kaufhaus-Immobilie steht schon seit der letzten Schließungswelle leer. Jetzt hat die Stadt selbst erwogen, das Gebäude zu erstehen. Das bedeutet aber auch, dass es Verhandlungen mit dem Eigentümer gibt und grundsätzlich Bereitschaft besteht, diese Immobilie auch zu veräußern.

Eine Parallele gibt es zu Regensburg: Wie berichtet, bestätigte der Möbelkonzern Ikea, in Verhandlungen über einen Einzug in das Gebäude zu sein. Zumindest gibt es Gespräche: „Wir stehen mit unterschiedlichen Anbietern im Austausch und ziehen prinzipiell alle Standorte und Optionen in zentrumsnaher Lage in Betracht, die unseren Anforderungen entsprechen“, sagt eine Sprecherin. Aber auch hier: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu vertraulichen Gesprächen nicht öffentlich äußern.“ Das Konzept sieht ausschließlich Schauräume vor, die Kunden lassen sich durch digitale Planungsprogramme beraten. Parkplätze, die es am Standort des Kaufhofs ja nicht gibt, sind nicht notwendig, da man in diesen Häusern keine Waren kaufen kann. Auch in Wiesbaden hat Ikea angeklopft. Ein Bauzaun um das Gebäude und eine verfallende Immobilie: So ein Beispiel gibt es in Nürnberg, aber auch in München. Auch in Regensburg könnte ein solches Szenario drohen, wenn das Warenhaus im August dieses Jahres die Türen schließt.

Stadt Regensburg gibt sich auf Anfrage verschwiegen

Auch in Sachen Nutzungsänderung des Gebäudes am Neupfarrplatz gibt sich die Stadt zugeknöpft. „Die Stadt ist nicht Eigentümerin des Galeria Kaufhof Gebäudes. Der Eigentümer ist nun gefordert, eine neue Nutzung zu finden“, teilt man mit. Es wurden bereits viele Nutzungsüberlegungen von diversen Stellen an die Stadt herangetragen, heißt es weiter. Kommentieren werde man diese nicht. Man gibt sich verschwiegen, so als hätte die Kommunalpolitik ohnehin keinen Einfluss daraus, was mit 20 Prozent der gesamten Altstadt-Handelsflächen geschieht. Und das bestätigt man auch selbst: „Die Nutzung eines Gebäudes hängt von dessen Eigentümer beziehungsweise Besitzer ab. Die Stadt hat für eine teilweise Zwischennutzung des Gebäudes geworben, um einen längeren Leerstand zu vermeiden“, heißt es. Mehr als werben kann man aber offenbar nicht.