Erdbeben in Regensburgs Hotel-Szene: Dieses Traditionshaus schließt

Von Christian Eckl · 17. Mai 2024 um 15:00

70 Jahre nach der Gründung eines Regensburger Traditions-Hotels, das viele Domstädter auch wegen der hervorragenden Gastromomie kennen, die Hiobsbotschaft: Die Unternehmersfamilie sieht sich nicht im Stande, die notwendigen Investitionen zu tätigen.

Ein zweistelliger Millionenbetrag wäre nötig gewesen, um die Bausubstanz des Hauses an markanter Stelle auf Vordermann zu bringen. Andere Hoteliers sind entsetzt - sagen aber auch: Das ist erst der Anfang.

Alles hat seine Zeit – das Avia-Hotel an der Frankenstraße hat seine bald hinter sich. Die Betreiber-Familie Schwecke hat bestätigt, was seit Mitte dieser Woche in Regensburg gerade unter Hoteliers für Gesprächsstoff sorgt: Die Betreiber sehen sich „nun leider und schweren Herzens dazu gezwungen, das Avia-Hotel zum 30. September zu schließen, und damit ein Kapitel von 70 Jahren Hotelgeschichte und liebevollen Restaurantbetriebes zu beenden“, wie es in einer Erklärung auf Anfrage dieser Zeitung heißt.

Das Gebäude hat einen hohen Investitions- und Sanierungsbedarf, heißt es von den Betreibern. Vor genau 70 Jahren, 1954, wurde das Hotel im Stil der Nachkriegsmoderne an der Frankenstraße errichtet. Zu Beginn lief das Geschäft so gut, dass in kurzer Zeit erweitert wurde: zunächst 1961, dann bereits 1964 und 1971. Das Gebäude oder vielmehr die Gebäudekomplexe sind heute eine Art Architekturschau dieser Phase des Aufschwungs in der Nachkriegszeit.

„In den letzten Jahren wurden umfassende Renovierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt, um das geschichtsträchtige Haus wettbewerbsfähig zu erhalten“, sagt Claudia Schwecke. In die Bausubstanz der verschiedenen Gebäude wurde allerdings dabei nicht eingegriffen, „um den laufenden Betrieb aufrecht erhalten zu können“, so die Unternehmerin. „Denn die vergangenen Jahre waren für Hotellerie und Gastronomie ohnehin mehr als herausfordernd.“ Vermehrt auftretende Schäden am und in den Gebäuden haben in den letzten Jahren und Monaten allerdings immer aufwändigere Reparaturen erforderlich gemacht, so Schwecke weiter.

Avia-Hotel in Regensburg: Ein Stück Familiengeschichte

Schwecke macht deutlich, wie schwer der Familie die Entscheidung gefallen ist. Auch ihr Vater Hans-Günther bedaure den Schritt sehr. 1935 wurde auf einem Areal in der Margaretenstraße Regensburgs erste Tankstelle und ein Handel mit Mineralöl und Schmierstoffen gegründet. Das Hotel begleitete auch den Unternehmer in seiner aktiven Berufszeit ab 1961. Doch was geschieht nun an der Frankenstraße? „Das haben wir noch nicht entschieden“, sagt Claudia Schwecke. Für die Mitarbeiter habe man für jeden einzelnen versucht, eine gute Lösung zu finden. Andere Hoteliers und Gastronomen werben auch bereits ab. Schwecke sagt auch, dass die Situation durch Corona und die Maßnahmen immer schwieriger geworden sei. „Wir waren ja zeitweise das einzige Regensburger Haus, das geöffnet hatte – teilweise mit drei Gästen“, sagt die Unternehmerin. Die Kosten für eine Sanierung des Gebäudes beziffert sie auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Kathrin Fuchshuber vom Münchner Hof ist geschockt über die Nachricht vom Avia-Aus. „Das geht mir richtig unter die Haut“, sagt Fuchshuber. Das Avia sei immer ein Vorzeige-Betrieb gewesen. „Die bevorstehende Schließung fasst mich aber auch deswegen an, weil ich das Gefühl habe, dass in Regensburg die Reise nach Jerusalem begonnen hat.“ Fuchshuber meint damit, dass sie noch weitere Schließungen von Traditionshäusern in der Domstadt erwartet. „Unsere Hotels sind extrem wartungsintensiv, wir müssen immer viel Geld investieren, damit sie in Stand bleiben“, schildert die Hotelbetreiberin. „Die Rücklagen sind nach Corona aber aufgebraucht.“

Regensburg habe keine Messe und auch kein Oktoberfest, die es rechtfertigen würden, für eine Nacht an Wochenenden 350 Euro pro Zimmer zu verlangen, wie das in München völlig normal wäre. Hinzu kommen die immens gestiegenen Preise für Lebensmittel beispielsweise. „Die Hotels haben die Preise zwar angepasst, aber die Kostensteigerung kann man nicht allumfänglich an die Gäste weitergeben“, sagt Fuchshuber.

Doch das brennendste Problem vieler Hoteliers und Gastronomen sei die überbordende Bürokratie. „Der Mittelstand wird bombardiert mit immer mehr bürokratischen Hürden und man ist nur noch damit beschäftigt, diese abzuarbeiten.“ Die Auflagen würden jeden Tag höher. „Und irgendwer muss am Ende immer dafür zahlen“, sagt Fuchshuber. Das Avia war lange Jahre über ein von außen vielleicht eher unscheinbares Haus. Doch gerade für größere Feiern im Familienkreis wurde es von den Regensburgern immer wieder als beliebter Anlaufpunkt gesehen.

Lüster und Marmor

So wird von einem Regensburger Hotelier die Geschichte erzählt, dass er als Zehnjähriger selbst dort eine Fußballsiegesfeier erleben durfte. Die Lüster und das Marmor hätten ihn so beeindruckt, dass er heute selbst ein Hotel führt.

Das Gebäude zur Entstehungszeit: Die Architektur entspricht der sogenannten Nachkriegsmoderne und wirkt bis heute markant an der Frankenstraße.