Kaufhof-Streichliste vorgelegt: Filiale am Neupfarrplatz in Regensburg schließt

Von Christian Eckl · 27. April 2024 um 09:18

Tag der Entscheidung für die noch 12.800 Mitarbeiter deutschlandweit und für die Verkäufer in den beiden Warenhäusern in Regensburg: Am Samstag präsentierte der Insolvenzverwalter die Streichliste. Von den einst 172 Warenhäusern sind es ohnehin nur noch 92, die seit der letzten Schließungswelle übrig sind. 16 weitere sollen nun folgen. Ein Standort in Regensburg ist dabei.

„Es geht nicht weiter am Neupfarrplatz!“ Dieses Ergebnis aus einer Telefonkonferenz am Samstagmorgen muss Betriebsratsvorsitzender Hans-Jürgen Burkert und der Geschäftsführer Roman Kasimir in einer Betriebsversammlung den noch 50 Kollegen in der Filiale am Regensburger Neupfarrplatz verkünden. „Uns hat man auch gesagt, wir sollen den Mitarbeitern keine Hoffnung mehr machen“, sagte Burkert der Mediengruppe Bayern.

Angeblich, so hatte es der GKK-Finanzvorstand in der Telefonkonferenz erzählt, habe es bis Donnerstag noch Verhandlungen mit den Vermietern gegeben. Für das Haus am Neupfarrplatz gibt es darauf aber keine Hinweise. „Ich glaube, man hat uns von Anfang an abgeschrieben“, sagte Burkert. Der Finanzvorstand habe auch darauf hingewiesen, dass die Mitarbeiter nicht an die Politik herantreten sollen, da es „keine Hoffnung mehr gibt“, schildert Burkert.

Erhebliche Proteste der Mitarbeiter

Bei der letzten Schließungswelle hatte erheblicher Protest der Mitarbeiter und das Aktivwerden der Politik auf kommunaler und auf Landesebene den Standort in Regensburgs Altstadt wieder von der Streichliste gehievt. Das soll diesmal ausgeschlossen sein, heißt es. Den 50 Mitarbeitern soll nun ein Sozialplan vorgelegt werden, einige seien ohnehin schon nahe an der Rente. Andere hoffen auf einen Wechsel in andere Filialen.

Regensburg hatte stets einen Malus: Zwei Häuser, eines davon, nämlich das in der Altstadt, eher ein Sorgenkind, sind inzwischen die absolute Ausnahme und nicht mehr die Regel. Das Haus im Donau Einkaufszentrum galt seit jeher als Umsatzbringer. Aber das Haus im Herzen des Welterbes Regensburg ist seit Jahren eher ein Sorgenkind. Schon bei der letzten Insolvenz sollte das Haus eigentlich geschlossen werden. Angeblich soll sich der inzwischen selbst insolvente Investor René Benko persönlich dafür eingesetzt haben, das Haus bei der letzten Schließungswelle doch noch von der Liste zu streichen.

Für Überraschungen sorgte, dass das Thema Miete schon bei der letzten Streichungswelle am Neupfarrplatz aufgegriffen wurde. Damals ging man davon aus, dass erhebliche Mietminderungen erfolgten. Informationen dieser Zeitung aus informierten Kreisen zufolge geschah dann aber wenig: Die Jahresmiete soll nach wie vor über zwei Millionen Euro hoch sein. Das heißt aber im Umkehrschluss: Es könnte nachverhandelt werden. Eine gute Nachricht gibt es für die Mitarbeiter am Standort Donau-Einkaufszentrum: Dieses Haus ist nicht betroffen.

Miethöhe spielt eine zentrale Rolle

Auch der Konzern bestätigte am Samstagmorgen die Streichliste. „Jede der fortzuführenden Filialen muss das Potenzial haben, bereits heute oder in absehbarer Zeit die notwendige Profitabilität zu erzielen. Bei dieser Bewertung spielt neben soziodemographischen Rahmenbedingungen der Standorte insbesondere auch die Miethöhe eine zentrale Rolle“, heißt es in einer Mitteilung von Galeria. „Als Ziel haben wir einen marktüblichen Mietkorridor von 7 bis 11 Prozent des Umsatzes

definiert, um die jeweilige Filiale wirtschaftlich rentabel betreiben zu können“, erklärte Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus. „Wir haben für den Erhalt jeder einzelnen Filiale hart verhandelt. Nicht nur im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch im Hinblick auf lebendige Innenstädte“, erklärte der Insolvenzverwalter.

Im Freistaat werden neben Regensburg auch die Filialen in Augsburg und in Würzburg den Betrieb einstellen. In Nordrhein-Westfalen und Berlin soll es ebenfalls jeweils drei Schließungen geben, die übrigen treffen nach derzeitigem Plan Chemnitz, Leonberg, Mainz, Mannheim, Oldenburg, Potsdam und Trier. Insgesamt 1400 Mitarbeiter, davon 400 an der Konzernzentrale in Essen, werden ihren Job verlieren. „Die Betroffenheit der gesamten Belegschaft ist groß, auch wenn ein Aufatmen in den Fortführungsfilialen stattfand“, teilte der Betriebsratsvorsitzende von GKK am Samstag mit. „Trotz allem Mitgefühl, tausende Arbeitsplätze konnten gerettet werden. Angesichts des massiven Personalabbaus und des Schließung Szenarios eine schwierige Situation“, so Jürgen Ettl.

Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer bezeichnete die Entscheidung der neuen Investoren als „tragisch“ für die Mitarbeiter am Neupfarrplatz. „Sie haben in einem engagierten Kampf im vergangenen Jahr sich dafür eingesetzt zusammen mit der Politik, dass der Standort erhalten bleibt und hatten das geschafft.“ Dass nun eine solche Entscheidung nach so kurzer Zeit gefallen ist, bewertet die SPD-Politikerin auch als „herben Rückschlag für den Standort“. Dieser vertrage keinen längeren Leerstand. Die Stadt sei mit dem Vertreter des Eigentümers in Kontakt, der für den Eigentümer - wer auch immer dies ist - sprechen könne und auch Ideen einbringen könne.

Maltz-Schwarzfischer sagte aber auch: „Eine neuerliche Rettung wie im vergangenen Jahr halte ich für ausgeschlossen und die Entscheidung für endgültig.“ Chancen, den Standort Neupfarrplatz erneut von der Streichliste zu bekommen, bewertete sie dann auch als „gleich Null“.

Maltz-Schwarzfischer will Leerstände in Berlin thematisieren

Maltz-Schwarzfischer ist eine von zwölf Stadtoberhäuptern aus ganz Deutschland, die in dem wiederbelebten Kommunalrat der SPD im Willy-Brandt-Haus vertreten sein wird. Am Montag kommt dieser erstmals mit SPD-Parteichef Lars Klingbeil zusammen. Aus terminlichen Gründen könne sie nicht in Berlin anwesend sein, werde das Thema Innenstädte und Leerstand aber dort einbringen, so die Politikerin.

IHK: Chance für Standort Altstadt jetzt nutzen

Einen Blick in die Zukunft und die wohl nun anstehende neuerliche Debatte um eine Nachnutzung warf IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes. „Die Schließung der Filiale von Galeria Kaufhof am Neupfarrplatz in Regensburg stellt den Einzelhandelsstandort Altstadt vor Herausforderungen“, sagte Helmes zur Mediengruppe Bayern. „Gleichzeitig sehen wir darin eine Chance, die Regensburger Altstadt zukunftssicher zu positionieren.“ Die Stadt, die Eigentümer der Immobilie und die Handelsexperten sollten an einen Tisch kommen und tragfähige Konzepte erarbeiten. „Eine kluge Mischung aus Handel, Kultur und Gastronomie etwa könnte dem Traditionshaus in zentraler Lage neues Leben einhauchen und die gesamte Altstadt beleben“, so Helmes abschließend.

1973 wurde das markante Gebäude nach dem Abriss der alten Substanz als Horten eröffnet. Schon 1994 wurde es als Kaufhof fortgeführt. Bis 2020 gehört dir die Immobilie auch zum Reich Benkos. Ein Auszug aus dem Transparenzregister (liegt der Mediengruppe Bayern vor) wies Benkos Mutter Ingeborg als Eigentümerin aus. Unbestätigten Informationen zufolge wurde die Immobilie in einem Paket im Jahr 2020 verkauft. Seither wird gerätselt, wem das Gebäude eigentlich gehört.

Vermutet wird, dass ein kanadisch-amerikanischer Immobilienfonds neue Eigentümer ist. Verwaltet wird jedoch nach wie vor von einer Kaufhof Regensburg GmbH mit Sitz in Leverkusen. Das dürfte eine Nachnutzung erschweren. Zu befürchten ist, dass im Herzen der Regensburger Altstadt künftig eine Industriebrache klafft. Die Fläche des Warenhauses umfasst etwa 20 Prozent der Einzelhandelsfläche in der gesamten Altstadt. Am Samstag blieb der Kaufhof geschlossen – wegen einer Betriebsversammlung, war auf Hinweisschildern an den Türen zu lesen. Heute soll wieder geöffnet sein.