Auch Karl Lauterbach schlug Alarm: Lachgas verschwindet aus Regensburger Automaten-Läden

Von Jonas Raab · 28. Mai 2024 um 05:01

Das Thema hat es bis auf den Schreibtisch von Gesundheitsminister Karl Lauterbach geschafft: Lachgas steht bei Jugendlichen und Betreibern von Automaten-Läden hoch im Kurs, auch in Regensburg. Beim Jugendamt blickt man mit Sorgenfalten auf die Partydroge.

Dass es am Snack-Automaten in der Adolf-Schmetzer-Straße neben Schokoriegeln und Softdrinks auch Lachgas-Kapseln zu kaufen gab, sorgte im April für bundesweite Schlagzeilen. Das Jugendamt warnte Eltern und suchte das Gespräch mit dem Betreiber des Automaten. Der lenkte ein und nahm die Kartuschen aus dem Sortiment. In der Altstadt gibt es Lachgas nach wie vor in zwei Automatenläden zu kaufen – im XXL-Format. Aber nicht mehr lange.

Unter Jugendlichen wird „Lachi“ als legale Modedroge gefeiert, in Sozialen Medien als „Rausch ohne Reue“ angepriesen. Das Gas, das über Luftballons inhaliert wird, sorgt für einen kurzen Rauschzustand mit schwachen Halluzinationen und Wärme- sowie Glücksgefühlen. „Das klingt lustig und ungefährlich. Ist es aber nicht“, sagte Lauterbach vergangene Woche im ARD-Morgenmagazin, nachdem die Deutsche Gesellschaft für Neurologie vor Gefahren gewarnt hatte.

„Es wird konsumiert“: Lachgas auch in Regensburg als Partydroge gefragt

Dass es Lachgas ins Sortiment mehrerer Automaten(läden) geschafft hat, zeigt, dass der Trend vor Regensburg nicht haltmacht. „Es wird konsumiert. Das berichten auch die Jugendlichen, die wir betreuen“, sagt Jörg Haala von der städtischen Jugendschutzstelle. In den Ausgehstraßen sehe man die Kapseln liegen. „Lachgasmissbrauch gab es schon länger. Ich habe das Gefühl, das ist mit dem 90er-Jahre-Retro-Trend wieder gekommen“, vermutet Haala. Anfang Mai verschickte die Jugendschutzstelle einen Elternbrief, um vor dem Trend zu warnen.

Seit ein paar Wochen sind die Fächer 24 und 25 im Automaten in der Adolf-Schmetzer-Straße leer. „Es gab mehrere Gespräche und einen Vor-Ort-Termin“, berichtet Haala. Wie der Betreiber bestätigt, habe er die Kapseln – für fünf Euro bekam man drei kleine Kartuschen – aus dem Sortiment genommen. Darüber hinaus wollte er sich nicht äußern.

Die 24Sieben-Läden in der Maximilianstraße und in der Drei-Helm-Gasse sind (noch) mit Gasflaschen eines ganz anderen Kalibers ausgestattet. 35Euro werden für 670 Gramm „Exotic Whip“ fällig. Mehr als 80 kleinen Kapseln soll das entsprechen. Luftballons und ein Ventil gibt es gleich dazu. „Die finde ich noch erschreckender als die Sahnekapseln aus der Adolf-Schmetzer-Straße“, sagt Haala. Die poppige Aufmachung spreche Jugendliche an. „Da steckt eine Industrie dahinter.“ Zum Betreiber sei die Jugendschutzstelle nicht wirklich durchgedrungen, berichtet Haala.

Automatenladen in Regensburg streicht Lachgas aus dem Sortiment

Am Montag gab es die Riesen-Kartuschen in den 24Sieben-Läden noch. „Wir nehmen das Lachgas diese Woche aus dem Sortiment“, kündigt Timo Haardörfer, Inhaber der Kette, gegenüber der MZ an. Er betont, dass es sich um eine freiwillige Entscheidung handle. Haardörfer verweist darauf, dass Lachgas nach wie vor legal sei – ohne jegliche Altersbeschränkung. „Es ist klar, dass das nicht in den freien Verkauf gehört. Bei uns konnte man es wenigstens erst ab 18 kaufen.“ Auch in der Adolf-Schmetzer-Straße mussten Käufer ihre Volljährigkeit nachweisen. Jedoch: „Es gab Hinweise, dass sich Jugendliche Lachgas über volljährige Freunde besorgen“, sagt Haala.

Das könnte Sie auch interessiert: Kuriose Immobilien-Anzeige in Regensburg: Mieter für Bruchbude gesucht – und gefunden

Gesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte im Morgenmagazin strengere Regeln an. Als Möglichkeit nannte er, Lachgas in die Liste von psychoaktiven Stoffen aufzunehmen und den Verkauf streng zu regeln. Ein Verbot hält der Minister für nicht möglich, da das Gas auch industriell genutzt werde. „Wir gehen das jetzt sehr schnell an“, versicherte er.

Auch in der Adolf-Schmetzer-Straße in Regensburg gab es den etwas anderen „Snack“. Aus dem Automaten sind die Lachgas-Kapseln aber schon verschwunden.