Wirbel um Lachgas aus dem Snack-Automaten: Wie gefährlich ist die Partydroge?

Von Jonas Raab · 24. April 2024 um 05:00

Es ist ein etwas anderer „Snack“: Neben Softdrinks, Asia-Nudeln und Schokoriegeln spuckt ein Automat in der Adolf-Schmetzer-Straße in Regensburg auch Lachgas aus. Sahne aufsprühen – das ist die eigentliche Bestimmung der Kartuschen – will damit wohl niemand.

Unter Jugendlichen wird „Lachi“ als legale Modedroge gefeiert, in Sozialen Medien als „Rausch ohne Reue“ angepriesen. „Ungefährlich ist Lachgas trotzdem nicht“, warnt Marion Santl, Leiterin der Ambulanten Suchthilfe der Caritas. Auch das Jugendamt befasst sich mit dem Automaten. Und das, obwohl Lachgas hier nur an 18-Jährige verkauft wird – im Gegensatz zu Supermärkten, wo es keinerlei Altersbeschränkungen für Sahnekapseln gibt. Berechtigt scheint der Wirbel dennoch, schließlich sagt das Angebot in derlei Automaten viel über Vorlieben der Jugend aus. Der Betreiber wollte sich nicht öffentlich äußern.

Lachgas in Regensburg auf dem Vormarsch: So fühlt sich der Rausch an

Lachgas, chemisch als Distickstoffmonoxid bekannt, inhalieren Konsumenten über Luftballons. Es wirke primär auf das zentrale Nervensystem und löse eine „Vielzahl von Effekten im Körper“ aus, erklärt Santl. Die Wirkung halte bis zu fünf Minuten an. Den Zustand beschreibt die Suchtberaterin als „euphorisch, entspannend und enthemmend“. Zudem könne der Konsum ein „angenehmes Wärmegefühl“ auslösen und die Wahrnehmung verzerren. „Gelegentlich führt Lachgas auch zu einer leichten Bewusstseinsveränderung.“

Seit Ende Februar steht der Snack-Automat an der Ecke zur Weißenburgstraße, seit rund einem Monat gibt es dort Lachgas zu erstehen. Fünf Euro kostet ein Päckchen mit drei Kartuschen.

Lachgas-„Problematik“: Jugendamt befasst sich mit Snack-Automat

Anfang April machte der Kommunale Ordnungsservice die Jugendschutzstelle der Stadt auf den Automaten aufmerksam. Das Jugendamt habe daraufhin den Betreiber kontaktiert und auf „die Problematik“ – gemeint sind Nebenwirkungen und Suchtgefahr – hingewiesen, erklärt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra auf Nachfrage. „Aus jugendschutzrechtlicher Sicht gibt es jedoch keine Gesetzesgrundlage, um den Verkauf generell zu regulieren.“

Laut Santl erfreut sich Lachgas insbesondere bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Die meisten Nutzer wiesen keinen problematischen Konsum auf, sagt die Suchtberaterin. Die Gefahr, körperlich abhängig zu werden, bewertet Santl als „vergleichsweise gering“. Dennoch sieht sie den Gebrauch von Lachgas kritisch. Es sei wichtig, sich der potenziellen Risiken bewusst zu sein – insbesondere, da die Wirkung von Person zu Person variieren könne. Als kurzfristige Nebenwirkungen des Konsums führt sie Schwindel, Benommenheit, Desorientiertheit und Kopfschmerzen an. „Es kann auch zu Übelkeit und Ohnmacht sowie zu einem vorübergehenden Verlust an Koordination und Gleichgewicht kommen.“

Lachgas inhalieren: Suchtberaterin aus Regensburg warnt vor Langzeitfolgen

Die langfristigen Auswirkungen stuft Santl als besorgniserregend ein. Die Rede ist von irreversiblen Schäden und neurologischen Beeinträchtigungen. Auch die Psyche kann Santl zufolge leiden. Halluzinationen, psychotische Episoden und Stimmungsstörungen zählt sie auf.

Fünf Euro kostet ein Päckchen mit drei Lachgas-Kartuschen aus einem Snack-Automaten im Inneren Osten Regensburgs. Foto: Jonas Raab
Marion Santl, Leiterin der Ambulanten Suchthilfe der Caritas in Regensburg, sieht Lachgas-Konsum als kritisch an. Foto: H. C. Wagner