Die Automaten-Shops erobern das Regensburger Welterbe: Vierter Laden eröffnet

Das Automaten-Konzept ist eigentlich überholt. Aber entscheiden werden die Kunden. Erstmals interessiert sich ein 24-Stunden-Supermarkt für die Regensburger Maximilianstraße.
Das Eichhofener Helle kostet zwei Euro, die Tafel Milka-Schokolade 3,50 und die Reese‘s Dipped Pretzels 5,50 Euro. Auch Pommes und einige Drogerieartikel spucken die Automaten im Kiosk24 in der Obermünsterstraße aus. Rund um die Uhr können sich Passanten dort seit Anfang Februar eindecken.
Dyar Soysal (30), ein gelernter Bankkaufmann, hat den Automaten-Shop zusammen mit seinem Bruder Syar (27) eröffnet. „Bisher läuft es ganz gut“, sagt er. Soysal hat vor, das Angebot zu erweitern. „Wir wollen ein kleines Standardsortiment an Lebensmitteln anbieten.“
Der Automaten-Laden ist der vierte in der Altstadt. Begonnen hat der Trend, der fast überholt ist, vor zehn Jahren mit dem Temla 24/7 Supermarkt in der Gesandtenstraße. Die Zahlen seien immer nach oben gegangen, sagte Betreiber Dennis Pintarelli kürzlich zur Mediengruppe Bayern. Weitere der stählernen Verkäufer warten beim Spätsünder in der Goldene-Bären-Straße, beim 24 Sieben Shop in der Drei-Helm-Gasse und seit Januar bei Redco Automaten in der Kumpfmühler Ludwig-Thoma-Straße auf Kunden.
Automaten-Shops in Regensburg: Besser als ein Leerstand
Wie sinnvoll sind solche Konzepte im Welterbe? Nachtschwärmer nutzen das Angebot gerne. Im Temla geht Bier am besten. In Sommernächten drängt sich das Partyvolk in den Verkaufsräumen. Im Spätsünder schaut sich am Mittwoch der Vertriebsmann einer Brauerei um. „Das nutzen viele junge Leute, weil die Getränke in den Kneipen zu teuer werden“, sagt er. „Dann treffen sie sich auf der Jahninsel.“ Der 50-Jährige informiert sich, welche Konkurrenzbiere verkauft werden. Er hat vor, die eigenen Produkte dort zu vermarkten.
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„Der Automaten-Supermarkt ist besser als ein Leerstand“, meint Bernd Ohlmann der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern. Für die 24-Sieben-Räume in der Drei-Helm-Gasse bei der Galeria Kaufhof trifft das zu. Sie standen nach der Schließung von Royal Donuts leer. In der Obermünsterstraße dagegen hätte Samir Zeddoug gerne sein Geschäft Oriental Bavaria mit handgefertigten Sitzkissen, Lampen, Mosaiktischen und Geschirr aus Marokko weitergeführt, doch ihm wurde gekündigt. Der Kiosk24 folgte. Zeddoug verkauft nun online, weil er keinen bezahlbaren Laden fand. Zugleich hat er den Imbiss „Jerusalem“ übernommen. „Ich wollte unbedingt in der Obermünsterstraße bleiben. Das ist mein Zuhause“, sagt er.
Regensburger Stadtrat Florian Rottke kritisiert Automaten
Kritisch sieht Brücke-Stadtrat Florian Rottke die wachsende Zahl der Automaten-Shops. Er findet die Entwicklung „grundsätzlich schade für die Altstadt“. Die in den Ausgehvierteln liegenden Shops seien vor allem darauf ausgerichtet, nachts Alkohol zu bieten. „Es gibt keine Kontrolle, ob junge Erwachsene das Bier an Jugendliche weiterreichen oder ob der Käufer bereits übermäßig alkoholisiert ist.“ Ähnlich denkt Nikolai Kusmenko, der das Modegeschäft Loft Fashion in der Weiße-Lilien-Straße führt. „Die Innenstadt ist viel zu wichtig, um sie mit so etwas zuzupflastern.“
Als es im Januar im Planungsausschuss des Stadtrats um die Nutzungsänderung des Geschäfts in der Drei-Helm-Gasse in einen „Raum für Warenautomaten“ ging, fragte Florian Rottke nach, ob nicht mit dem Ladenschlussgesetz ein Verbot der Sonntagsöffnung und eine Einschränkung der Samstagnacht erreicht werden könne.
Kommt Nachtsupermarkt in Regensburg?
Doch das Ladenschlussgesetz ist nicht anwendbar, denn es handelt sich laut rechtlicher Definition nicht um Verkaufsstellen. Auch das Feiertagsgesetz greift nicht. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof habe verneint, dass die Shops an Feiertagen „einen störenden Charakter entwickeln“, hieß es vom Ordnungsamt. Rottke hat nun an die Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol und Jürgen Eberwein appelliert, eine Gesetzesänderung anzustoßen, die eine Aufsichtsperson bei Alkoholverkauf über die Automaten verlangt oder den Verkauf in der Nacht zum Sonntag einschränkt.
Makler Gerald Loers beschäftigt sich längst mit einem neuen Trend. Er will einen 24-Stunden-Supermarkt mit 200 Quadratmetern und reichhaltigem Lebensmittelsortiment in die Maxstraße holen. Der Laden kommt ohne Personal aus. Kunden ordern und bezahlen am Bestellterminal.



