Kuriose Immobilien-Anzeige in Regensburg: Mieter für Bruchbude gesucht – und gefunden

Von Jonas Raab · 24. Mai 2024 um 09:01

„Sanierungsbedürftige Reihenhäuser zu vermieten“: Die Stadtbau Regensburg sorgte kürzlich mit einer Immobilienanzeige für Aufsehen im Netz. Zugeschlagen hat ein alter Bekannter. Beim Hausbesuch erklärt er, was er mit der Bruchbude vor hat.

„Mietwerker“ gesucht: So oder so ähnlich lässt sich die Anzeige der Stadtbau GmbH zusammenfassen, die vor gut einem Monat online gegangen ist. Die Eckdaten: sieben Zimmer, drei Etagen, 151 Quadratmeter Wohnfläche für 1200 Euro Kaltmiete. Das alles auf 605 Quadratmetern Grund im Regensburger Kasernenviertel. Der Haken: Sanitärinstallation, Heizung, Innenausbau sind laut Inserat vom Mieter „nach dessen Vorstellungen auf eigene Kosten“ zu stemmen. „Schon ungewöhnlich, klar“, gibt Stadtbau-Geschäftsführer Götz Keßler zu.

Knapp eineinhalb Wochen später war die Anzeige verschwunden, ein Mieter gefunden: Michael Buschheuer hat die beiden Reihenhäuser im Rosenweg mit seiner Hilfsorganisation Space-Eye angemietet. Selbst für ihn, der reihenweise Leerstände der Stadtbau vorübergehend Flüchtlingen zur Verfügung stellt, ist das Projekt eine andere Hausnummer – ein Vorhaben, das ihm auch Bauchschmerzen bereitet.

Mietwohnungen in Regensburg: Tapeten zeugen von Historie des Hauses

Zu Besuch im Rosenweg: Das Gerüst steht schon, ein Dixi-Klo auch. Die Nachbarskatze schleicht durch den Wildwuchs im Garten. Vor der Haustür wachsen Walderdbeeren. Drinnen zeugen verschiedene Muster abgekratzter Tapetenschichten von der Geschichte des Hauses. 1924 wurde es erbaut, seit rund zwei Jahren steht es leer. „Die Vormieter haben sehr einfach gelebt“, sagt Buschheuer auf dem Weg in den Keller. Da unten, wo früher einmal das Bad war, tropft es aus einer Leitung an der Ziegelwand in einen Eimer. Er ist randvoll, Buschheuer leert ihn aus. In den oberen Geschossen sieht es nur marginal wohnlicher aus. In der Küche steht nur noch der alte Ölofen, der zum Kochen und Heizen gut war.

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Was ist alles zu machen? „Heizung, Wasser, Böden, Bad, Küche, ein paar Wände, Türen und Fenster“, zählt Buschheuer allein für die Innenrenovierung auf. „Bis jetzt haben wir vor allem analysiert und ein Konzept aufgestellt. Jetzt geht es an die Profi-Jobs.“ Dabei bekommt Space-Eye Unterstützung von verschiedenen Firmen – zu Spezialkonditionen.

Stadtbau-Geschäftsführer Keßler schätzt die Kosten für die Sanierung der beiden Reihenhäuser auf rund 250000 Euro, „je nachdem, wie viel man macht“. Hätte die städtische Bau-Tocher selber saniert, hätte man die Wohnungen für rund 3000 Euro vermieten müssen, rechnet Keßler vor. „Ein Mieter hätte sich bestimmt gefunden; aber unsere Aufgabe ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, erklärt er die Genese der ungewöhnlichen Idee, die Immobilie unsaniert zu vermieten. „Ich habe insgeheim gehofft, dass sich ein Verein oder ein sozialer Träger meldet“, verrät Keßler. Doch auch an Anfragen von Privatleuten habe es nicht gemangelt.

Space-Eye mietet Wohnungen in Regensburg an: „Familien in die Pflicht nehmen“

Die Zusammenarbeit mit Buschheuer und Space-Eye beschreibt Keßler als „hervorragend“. Die Regensburger Hilfsorganisation mietet im großen Stil Wohnungen an, die ansonsten vorübergehend leerstünden. Der Verein schlüpft in die Vermieterrolle, kümmert sich um Papiere, Anschlüsse und Co. „Nach ein, zwei Jahren sollen die Menschen dann ausziehen und eigenständig eine Wohnung finden“, erklärt Buschheuer das Konzept. „Das klappt super. Alle Seiten profitieren davon.“

Das Projekt im Rosenweg ist allerdings langfristiger angelegt. „Die Auslegung der Wohnungen schreit nach Familien“, sagt Buschheuer. Anfang kommendes Jahr soll das Haus beziehbar sein. „Wir wollen die Wohnungen so übergeben, dass man drin leben kann“, sagt der Space-Eye-Gründer. Den weiteren Ausbau – etwa Wände streichen oder Garten kultivieren – müssen die künftigen Mieter übernehmen. „Wir wollen die Familien in die Pflicht nehmen. Wir sind für die Integration zuständig; nicht dafür, dass jemand einen schönen Garten bekommt.“

Die Stadtbau Regensburg hat einen Mieter für sanierungsbedürftige Reihenhäuser gesucht – und Space-Eye-Gründer Michael Buschheuer gefunden.
Sanierungsbedürftiges Haus in Regensburg vermietet: Der alte Ölofen muss natürlich raus.
Im Keller des Hauses im Regensburger Rosenweg war früher das Bad untergebracht.
Dämmung Fehlanzeige: Der Dachboden des einmaligen Mietobjekts ist unausgebaut.
Im Garten des Hauses herrscht Wildwuchs.
Rund einen Quadratmeter ist die Toilette momentan groß. Bevor das Haus im Regensburger Osten vermietet wird, stehen einige Umbauarbeiten an.