Michael Buschheuer wird nun Schlossherr: Er will eine verfallene Ruine retten

Schloss Grafentraubach bei Laberweinting (Landkreis Straubing-Bogen) wird Michael Buschheuer und seine Familie ordentlich auf Trab halten: Seit Dezember gehört das etwa ein Hektar große Anwesen mit dem Schloss aus dem 16. Jahrhundert, einem Nebengebäude und einem 300 Meter langen Graben darum dem umtriebigen Gründer von Sea- und Space-Eye.
Durch das frische Birkenlaub spitzt ein Kreuz hervor, das schief auf einem Zwiebelturm sitzt, ins Gemäuer läuft seit Jahren Regenwasser. Buschheuer will die Ruine in dem zu Laberweinting gehörenden Dorf nahe der Regensburger Landkreisgrenze auf Vordermann bringen.
Das ist Buschheuers Plan
Über die Summe, die ihn das Projekt Kosten wird, das lange dem Verfall preisgegeben war, verrät er nur, dass der Kaufpreis weit unter den Sanierungskosten lag. Die will er nun mit viel Eigenleistung, der Unterstützung befreundeter Firmen sowie der Dorfgemeinschaft so gering wie möglich halten. Wahrscheinlich werde er das Schloss einmal mit Wohnungen bestücken und sie vermieten. Am liebsten wären Buschheuer aber Geschäftsräume. So könnte der repräsentative Charakter der Anlage am besten bewahrt werden. Er rechne allerdings nicht damit, dass das funktioniert.
So weit ist es auch noch lange nicht. Denn im Moment sieht das Anwesen aus, als würde es alle Träume von Fotografen verborgener Orte und alle Alpträume gewinnorientiert arbeitender Investoren gleichzeitig erfüllen: Einerseits versprüht es geradezu märchenhaften Charme. So strebt ein Türmchen aus dem doppelten Satteldach hervor, das als Kulisse für eine Dornröschen- oder Rapunzelverfilmung glänzen könnte. Daran kanten verwinkelte Giebel. Das stattliche Rundbogentor gibt den Blick auf das gepflasterte Rondell vor dem Haupteingang frei. Auf der Wiese grasen Nachbars Schafe. Im Inneren finden sich Details wie Gewölbe, Wandnischen, Stuckspiegel an den Decken oder ein Bodenziegel mit religiösen Einritzungen. An den Wänden einer ehemaligen Kapelle sind Wandmalereien aus mehreren Jahrhunderten zu sehen, etwa ein Herz mit Schwert und Pfeil. Allerdings geben vermoderte Deckenbalken auch den Blick ins darüberliegende Stockwerk mit dem löchrigen Dach frei, Ritzen und Löcher in den Bodendielen den ins darunterliegende.
Warum tun sich die Buschheuers das an? Wohnen werden sie dort einmal nicht. „Meine Frau und ich sind Regensburger“, sagt Buschheuer. Allerdings seien die beiden schon länger auf der Suche nach einem historischen Gebäude gewesen, das sie renovieren könnten. Buschheuers Familie stamme aus dem nahe gelegenen Mallersdorf. Deswegen kenne er das Anwesen von klein auf. Es sei ein Identifikationspunkt. Deswegen wolle er es bewahren.
Viele helfen mit
Die Menschen aus der Umgebung helfen ihm auch bei der Suche nach Informationen über das Schloss. Buschheuer hat eine WhatsApp-Gruppe gegründet, mit Hilfe der er nach Indizien sucht. Hier sammeln sich Hinweise auf Dokumente in Archiven, alte Bilder oder Artikel aus Ortschroniken. Bis jetzt weiß er etwa, dass es einmal einen Menschen gegeben haben muss, der sich als Graf von Traubenbach ausgegebenen hat. Ob er wirklich adelig war oder sich nur als das bezeichnete, ob er in Grafentraubach lebte oder aber im Nachbarort Holztraubach, ist aber noch unklar.
Fest steht, dass Buschheuer viel Zeit mit dem Schloss verbringen wird. Vier Jahre könne die Sanierung schon dauern. „Vielleicht aber auch ein Leben lang“, sagt er. Entrümpelt ist inzwischen weitestgehend. Im Moment ist Buschheuer mit dem Fundament beschäftigt. Im Mai will er ein Gerüst aufbauen. Ein Vorprojekt klärt, welche Schritte für die Renovierung notwendig sind, dann beginnen die Bauarbeiten.



