Space-Eye mietet reihenweise Wohnungen für Flüchtlinge im Stadtwesten

Die Stadtbau Regensburg renoviert im Stadtwesten einen Häuserblock nach dem anderen. Zuvor mietet Space-Eye die alten Gebäude. Der Deal zwischen der Regensburger Hilfsorganisation und der Stadtbau GmbH macht jetzt Hilfe im großen Stil möglich.
An den Holzfenstern blättert der Lack ab, über die Klingelschilder ist schwarze Farbe gelaufen, oberhalb davon breiten sich große Wasserflecken an den Kanten des Vordachs aus: Die Wohnblöcke in der Altdorferstraße 22/22a und 24/24a sind nicht mehr die jüngsten. Ganz im Gegenteil: „Die sind fix und fertig“, sagt Michael Buschheuer, Vorstand der Regensburger Hilfsorganisation Space-Eye. Und trotzdem können sie wichtig und wertvoll sein – für jemanden, der mit nichts kommt. Ein Deal zwischen Space-Eye und der Stadtbau GmbH macht jetzt Hilfe im großen Stil möglich.
Die Stadtbau besitzt in dem Wohnquartier Ecke Altdorferstraße/Gumpelzhaimerstraße mehrere große Gebäude. Eines nach dem anderen soll saniert werden. Die Altdorferstraße 16/16a wurde schon umgebaut. Es war der gleiche Block wie 22/22a. Als er fertig war, zogen die Leute aus Nummer 22/22a rüber. So soll das in dem Gebiet eigentlich fortlaufend mit allen Blocks passieren.
Hochhaus für Flüchtlinge: Space-Eye baut Betten im Akkord auf
Aber die Baukosten explodierten. Und die Stadtbau erhielt auf Ausschreibungen auch kaum mehr Angebote von Baufirmen. Es kam zu Verzögerungen bei dem Großprojekt. Derweil waren die Wohnungen schon entmietet. Was also damit tun? Die Antwort: In der Zwischenzeit günstig an Space-Eye vermieten. „Für Übergangssituationen sind abgewrackte Wohnungen positiv“, sagt Buschheuer. „Weil man sich nicht darum kümmern muss, ob zum Schluss der Teppich in Ordnung ist. Das macht die Dinge einfacher.“
Gleiches galt auch für das Hochhaus mit der Hausnummer 8 (vis-à-vis steht das bereits renovierte Hochhaus, Nummer 14). Dort wurden im Sommer 32 Wohnungen ausgestattet – im Akkord. Die Besprechungen zur Aufgabenverteilung fanden in Stuhlkreisen mit 30 Personen auf dem Spielplatz vor dem Gebäude statt. Daneben wurden anschließend auf der Wiese dutzende Betten parallel montiert, bis in den späten Abend hinein schleppten Helfer die Möbel in die Räume. Viele Hände packten mit an, in einem Monat waren die Wohnungen bezugsfertig. „Die sind jetzt fertig belegt und ausgestattet und gut in der Sozialarbeit“, sagt Buschheuer. Unter anderem gibt es in dem Hochhaus auch einen Besprechungsraum für die Mitarbeiter oder einen Schulraum für Sprachkurse.
Buschheuer: „Alles auf sehr niedrigem Niveau“
In der Altdorferstraße 22/22a und 24/24a hat Space-Eye insgesamt noch einmal 32 Wohnungen gemietet. Diese sind jetzt weitestgehend ausgestattet – alles sehr spartanisch: Es gibt etwas zum Sitzen, zum Schlafen, zum Kochen. „Wenn die Leute reinkommen, steckt mehr oder weniger schon das Zahnbürstchen im Halter“, sagt Buschheuer. „Aber es ist eben alles auf einem sehr niedrigen Niveau.“ Natürlich seien die Wohnungen nicht mehr besonders schön. „Aber das sind Nachteile, die ich für fair halte“, sagt Buschheuer. „Wenn die Wohnung abgewrackt ist, dann ist das das richtige Ende, um anzufangen, wenn man als Gast kommt.“ Die Hilfeleistung sei auch immer davon abhängig, wie sich die Personen selbst helfen können: „Kommt eine Familie mit Vater im Auto, kümmern wir uns eventuell um nichts weiter. Kommt eine Alleinstehende mit zwei Kindern, helfen wir auch beim Wohnung streichen.“
Bei den Möbeln fehle nicht mehr viel. „Kleine Kästchen und kleine Tische könnten wir noch gut gebrauchen, sagt Buschheuer. „Auch Küchen bzw. Küchenausstattung und Waschmaschinen sind immer Mangelware.“ Anwohner aus der Umgebung organisieren sich über Whats-App-Gruppen und liefern ausrangierte Wasserkocher oder Decken zu den Gebäuden. Das ist auch das Ziel: Die Leute sollen die Sachen möglichst selbst bringen – „hier andocken und am besten mithelfen“. Derzeit fehle es vor allem an organisatorischer Kraft. Alle Integrationshelfer liefen bereits auf Volllast. „Das Leistungsniveau ist bei allen Hilfsorganisationen wie der Tafel oder bei uns bereits riesig hoch“, sagt Buschheuer. „Die Gesellschaft engagiert sich auch richtig toll. Aber der Bedarf wäre einfach trotzdem noch höher.“
In diesen Tagen beginnt in der Altdorferstraße 22/22a sowie 24/24a der Einzug. Nur Ukrainer sollen untergebracht werden. „Wir unterscheiden eigentlich nicht – bedürftig ist bedürftig“, sagt Buschheuer. „Aber die Gebäude haben wir ausschließlich für den Status ,anerkannt‘ bekommen.“
Chef der Stadtbau Regensburg: „Ein geräuschloses Modell“
Insgesamt leben in Regensburg knapp 300 Menschen in Wohnungen von Space-Eye. In dem Quartier Altdorferstraße stellt die Organisation die meisten Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung. Im ganzen Stadtgebiet hat sie rund 100 Wohnungen von der Stadtbau gemietet. Die Wohnungen würden nicht dem Markt entzogen, sagt Götz Keßler, Geschäftsführer der Stadtbau. „Wir nutzen hier Raum, der auf die Sanierung wartet und ansonsten leerstehen würde.“ Die Pachtverträge seien befristet. Das Modell funktioniere sehr geräuschlos und gut. Die Stadtbau habe noch keine einzige Beschwerde dazu erhalten. Space-Eye leiste herausragende Integrationsarbeit, lobt Keßler.
Nach wie vor sei der Bedarf an Wohnungen extrem hoch, sagt Buschheuer. „Wir haben unsere Wohnprojekte, weil die privaten voll sind.“ Am Anfang habe die Organisation noch 950 Personen in Privatwohnungen untergebracht. „Jetzt gibt es nur noch selten private Wohnungsgeber.“
Zahl der Flüchtlinge in der Stadt Regensburg
In der Stadt Regensburg sind laut der Regierung der Oberpfalz derzeit rund 2500 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine untergebracht, davon rund 230 in staatlichen Unterkünften (Anker, Gemeinschaftsunterkünfte). Darüber hinaus sind 2800 geflüchtete Personen aus anderen Ländern in der Stadt untergebracht.







