Regensburger Stadtbahn: Der Kampf geht in die heiße Phase

Die Stadt Regensburg wird in den kommenden Wochen intensiver für das Großprojekt werben – Die Strecke soll bald im öffentlichen Raum sichtbar werden.
Der Bürgerentscheid nähert sich mit schnellen Schritten. Am 9. Juni stimmen die Regensburger darüber ab, ob es mit der Stadtbahn-Planung weitergehen soll. Die Wahlunterlagen flattern schon in die Briefkästen. Zugleich spitzt sich die öffentliche Debatte zu, vor allem in den sozialen Medien.
Wer mit dem Fahrrad den Regensburger Norden durchquert oder in der Wörthstraße rollt, sieht vor allem Protestslogans gegen das wichtigste Projekt der Stadtspitze. Dort werden die Trassen zum Teil verlaufen. Die Stadt macht auf den blauen Elektrobussen des RVV und mit Tafeln im Carl-Anselm-Park auf die Tram aufmerksam.
Wer das Geschehen an Infoständen in der Altstadt beobachtet, dem fällt auf, dass viele Passanten nichts von einem Bürgerentscheid wissen, von Projektdetails ganz zu schweigen. Wirbt die Stadt zu wenig? Professor Walter Weber vom Bündnis für einen hochwertigen ÖPNV in Regensburg und Umgebung sagt, es sei deutlich besser geworden. „Aber die Stadt könnte mehr tun, um die Bürger gut zu informieren.“
„Es sollte mehr sein“, urteilt auch Bernd Rohloff vom Regensburger Architekturkreis. „Ich hoffe, dass das Thema noch stärker bei der Bevölkerung verankert wird.“ Rohloff hat den Eindruck, dass sich viele Regensburger noch keine Meinung gebildet haben.
Kinospots sind geplant
Auf Instagram läuft immerhin eine pfiffige Kampagne mit Testimonials von Tram-Befürwortern aus der Stadtgesellschaft und dem Rathaus. Man erfährt im Video, worauf sich Bernd Rohloff freut, wenn die Stadtbahn kommt: auf eine völlig andere Mobilität, auf schnelles Bewegen am Autoverkehr vorbei. Regensburg werde dort, wo die Tram rollt, ganz andere öffentliche Räume haben und mehr Aufenthaltsqualität bieten. Die Autos würden zurückgedrängt.
Sandra Schönherr, Prokuristin bei das Stadtwerk.Regensburg Mobilität, freut sich auf die Tram, weil diese viel mehr Fahrgäste befördern kann als die Busse. Natürlich rückt die Stadt auf der eigenen Website die Bahn ins rechte Licht. Doch nicht alle Regensburger scrollen auf Instagram oder nehmen die Homepage unter die Lupe.
Pressesprecherin Katrin Butz zählt eine Reihe von Maßnahmen auf. Die Stadt informiere auf der Stadtbahn-Homepage, im Online-Newsletter regensburg507 und auf Social Media. „In den kommenden Wochen werden wir verstärkt in den öffentlichen Raum gehen – mit Plakaten, Infowänden, Flyern und Infoständen“, kündigt sie an. „Außerdem werden wir die Strecke im Straßenraum sichtbar machen: mit Bodenaufklebern und Plakaten an den geplanten Haltestellen.“
Der Stadt ist es wichtig, auf den Bürgerentscheid hinzuweisen, „damit das Ergebnis auf einer breiten Basis steht“. Dafür würden in den nächsten Wochen Anzeigen und Spots geschaltet, auch in den Kinos. Professor Walter Weber begrüßt es, dass OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer zu Busreisen, etwa nach Freiburg und Augsburg einlädt. „Freiburg und Augsburg haben den Wert ihrer Stadtbahnen erkannt und bauen sie weiter aus.“Die Stadtspitze versucht, die Regensburger mit einer Reihe von Argumenten zu gewinnen: Die Ergebnisse der vertieften Untersuchungen der vergangenen Jahre sprächen eindeutig für das Projekt: Das Verhältnis zwischen Kosten und volkswirtschaftlichem Nutzen sei hervorragend – auch im Vergleich zu ähnlichen Projekten in anderen Städten. „Eine moderne Stadtbahn ist umweltfreundlich, bequem, barrierefrei, schnell und es können deutlich mehr Menschen mitfahren als im Bus“, sagt Butz.
Die Tram soll das Rückgrat des ÖPNV werden. Stadtbahn, Busse, Eisenbahn, Car- und Bike-Sharing könnten verknüpft werden. Jürgen Mistol, Landtagsabgeordneter der Grünen, verteilt an den Wochenenden Stadtbahn-Flyer im Zentrum und versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.
„Gewaltige Belastung“
„Es sind viele ermutigende Gespräche dabei. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Lautesten die Mehrheit sind.“ Natürlich trifft er auch Gegner, die in ihrer Meinung sehr gefestigt sind. „Aber da sind auch viele Fake News im Umlauf“, beobachtet Mistol.
Christian Pöschl von der BI „Gleisfrei“ will die Tram mit weiteren Flyer-Aktionen und Infoständen verhindern. Mit Bekanntwerden des Bürgerentscheids sei der vorher schon große Zuspruch täglich gewachsen. „Bei den Bürgern ist angekommen, dass sie es selbst in der Hand haben, dieses fördermittelbasiert und an den Bedürfnissen vieler Bürger vorbei geplante Projekt zu beenden“, sagt er. Regensburg solle vor dieser gewaltigen finanziellen Belastung bewahrt werden.


