IG Metall ist mit Start der Urabstimmung zufrieden: Firma Schabmüller droht unbefristeter Streik

Im Kampf um einen Tarifvertrag bei der Firma Schabmüller in Berching entscheiden die dortigen IG Metall-Mitglieder am Donnerstag und Freitag in einer Urabstimmung, ob sie in den unbefristeten Streik treten. Am Donnerstagnachmittag deutete sich eine erste Tendenz an.
Mitarbeiter Michael Groß sei die Entscheidung in der Wahlkabine leicht gefallen. „Wir müssen besser bezahlt und mehr wertgeschätzt werden“, sagte der Mitarbeiter, der seit über 14 Jahren im Betrieb arbeitet. Robert Nießner zeigte sich solidarisch: „Ich stimme auch für die Kollegen ab, die noch in Lohngruppe fünf oder sechs eingruppiert sind.“
Bis Donnerstag, 13:58 Uhr: Über 66 Prozent haben bereits abgestimmt
Die Stimmung im Wahllokal im Gemeinschaftshaus Sollngriesbach war am Donnerstag bei der Betriebsratsvorsitzenden Christine Billmann und Rebecca Frank von der IG Metall gut. „Ich glaube, wir brauchen uns keine Sorgen machen“, sagte Billmann im Hinblick auf die 75 Prozent-Hürde, die die Gewerkschaft mindestens erreichen muss, um in den Erzwingungsstreik zu treten.
„Über 66 Prozent der Wahlberechtigten haben schon gewählt“, sagte Frank am Donnerstagnachmittag (Stand: 13.58 Uhr). Noch bis Freitag (22 Uhr) haben die IG Metall-Mitglieder Zeit abzustimmen.
Vor der Urabstimmung hatten die Verhandlungsführer der IG Metall versucht, sich mit dem Arbeitgeber zu einigen. Bislang allerdings ohne Erfolg. Auch nach einem dreistündigen Warnstreik im März und einem 24-Stunden-Streik vergangene Woche hat sich laut IG Metall nichts getan.
In einer Pressemeldung meldet sich deshalb Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, zu Wort: „Die Beschäftigten bei Schabmüller wollen einfach nur eine faire Bezahlung und Arbeitszeiten nach Tarifvertrag.“ Dass der Arbeitgeber ihnen das verweigere, bringe sie völlig zu Recht auf die Palme. „Die Entschlossenheit der Belegschaft ist groß, ein Streik würde für die brummende Firma sehr teuer werden“, sagt Ott.
Die IG Metall-Verhandlungsführerin und Zweite Bevollmächtigte der Geschäftsstelle Regensburg Olga Redda wird in der Pressemitteilung der IG Metall wie folgt zitiert: „Die Firma fertigt Zukunftsprodukte und ist wirtschaftlich in hervorragender Verfassung.“ Es sei unverschämt, die Beschäftigten daran nicht teilhaben zu lassen. Bisher habe die Geschäftsführung lediglich angeboten, in Zukunft alle Tariferhöhungen zu übernehmen. „Doch damit würde die eklatante Differenz zum Flächentarifvertrag sogar dauerhaft festgeschrieben“, sagt Redda. „Das ist völlig indiskutabel.“
Warnstreiks: IG Metall unterstützt Beschäftigte der Firma Schabmüller
Die IG Metall fordert für die Beschäftigten der Firma Schabmüller einen Tarifvertrag analog des Flächentarifvertrags der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Auch nach wie vor sei die IG Metall bereit, zu verhandeln. „Wir haben dem Arbeitgeber zwei weitere Verhandlungstermine angeboten. Denn wir wollen eine gute Lösung für die Beschäftigten erreichen“, sagt Redda. „Doch wenn die Firma weiter auf Zeit spielt, werden wir dauerhaft streiken.“
Käme es kommende Woche zu einem unbefristeten Streik, würde die IG Metall zu ihrem schärfsten und sehr seltenen Mittel des Streikrechts greifen. Zuletzt war das in Bayern im Jahr 2020 beim Maschinenbauer Voith in Sonthofen der Fall. Im Bereich der IG Metall Regensburg wäre der unbefristete Streik bei Schabmüller der erste im Rahmen von Haustarifverhandlungen.
Hintergrund zum Tarifstreit bei Schabmüller in Berching
Historie: Vor rund 20 Jahren ist Schabmüller aus dem Arbeitgeberverband und damit aus dem Flächentarifvertrag ausgetreten. Seitdem erhalten die Beschäftigten laut IG Metall im Vergleich weniger Entgelt und müssen länger arbeiten. Der Entgeltabstand zum Flächentarifvertrag betrage bis zu 20 Prozent. Nun fordert die IG Metall eine Rückkehr zum Flächentarif.
Streiks: Im Frühjahr haben bereits vier Verhandlungen und vier Warnstreiks stattgefunden. Mitte März haben 450 der 500 Beschäftigten für drei Stunden gestreikt. Vergangene Woche haben Gewerkschafter und Beschäftigte die Firma die Produktion mit einem 24-stündigen Warnstreik einen kompletten Tag lahmgelegt.
Mitarbeiter: Am Standort in Sollngriesbach (Gemeinde Berching) arbeiten bei Schabmüller rund 500 Beschäftigte und produzieren elektrische Antriebslösungen für Elektromotoren und Generatoren. Die Firma gehört zur italienischen Zapi-Group mit Sitz in der Nähe von Bologna.