„Lassen uns nicht einschüchtern“: Streik bei Schabmüller in Berching erreicht neue Stufe

Von Bernhard Neumayer · 11. April 2024 um 19:00

Der Großteil der 500 Beschäftigten der Firma Schabmüller im Berchinger Ortsteil Sollngriesbach (Landkreis Neumarkt) legte ab Donnerstag (5 Uhr) für 24 Stunden die Arbeit nieder. Damit will die IG Metall den Druck auf die Geschäftsführer erhöhen. Geht die Chef-Etage nicht auf die Gehaltsforderungen der Gewerkschaft ein, droht ein unbefristeter Streik.

Die Forderungen im Tarifstreit bei der Firma Schabmüller bleiben gleich. Doch der Druck auf die Geschäftsführung wird größer. „Entweder es tut sich jetzt was oder wir müssen überlegen, ob wir uns bei anderen Betrieben umschauen“, sagt ein Angestellter.

Am Donnerstag um 5 Uhr läuteten Mitarbeiter der Frühschicht den 24-Stunden-Streik bei dem Elektromotoren-Hersteller in Sollngriesbach ein, nachdem die ersten seit 3.30 Uhr Zelte, Rednerpult, Banner und Co. aufgestellt hatten. Gemeinsam mit Gewerkschaftern entzündeten Mitarbeiter die erste Feuertonne, die die Streikposten über Nacht wärmen sollte.

Tagsüber machten Mitarbeiter vor allem bei den drei Kundgebungen um 8, 14 und 18.30Uhr mit Trillerpfeifen lautstark auf sich aufmerksam. Einige hielten Plakate hoch, mit Aufschriften wie „Wir stehen hinter euch“ oder „Wir sind es wert“. Ein Teil der Streikenden hielt über Nacht Wache, ehe der Streik am Freitag um 5Uhr endete.

Mitarbeiter bei Schabmüller: „Es fehlt die Wertschätzung“

Mit dem 24-Stunden-Streik zünden IG Metall und Schabmüller-Mitarbeiter die nächste Stufe im Tarifstreit. Bereits Mitte März hatten rund 450 der 500 Beschäftigten am Standort Sollngriesbach ihre Arbeit für drei Stunden niedergelegt. Jetzt geht IG Metall einen Schritt weiter.

Denn in den Verhandlungen herrscht laut Gewerkschaft Stillstand. IG Metall fordert für die Schabmüller-Beschäftigten nach wie vor, dass sie nach dem Niveau des Flächentarifvertrags der bayerischen Metall- und Elektroindustrie bezahlt werden.

„Wir müssen immer mehr leisten, aber es fehlt die Wertschätzung“, sagen zwei Angestellte, die ihren Arbeitgeber trotzdem loben. Es sei nicht alles schlecht. Im Gegenteil: Die Ausbildung sei super , ebenso die Kollegen. Dennoch haben die zwei Mitarbeiter beobachtet, dass die Stimmung im Betrieb in Sollngriesbach zunehmend schlechter werde.

„Viele Mitarbeiter warten ab, ob sich endlich was tut“, sagt einer. Auch er könne sich vorstellen, sich nach einem anderen Arbeitgeber umzusehen, wenn er nach den Verhandlungen nicht nach Tarif bezahlt werde.

Beide Mitarbeiter sind nach eigenen Angaben bereit, auch bei einem möglichen unbefristeten Streik mitzumachen. Und Betriebsratsvorsitzende Christine Billmann ist fest davon überzeugt, dass auch der Großteil des Unternehmens dazu bereit sei. Bis auf die Geschäftsleitung, Prokuristen und zwei, drei weiteren Angestellten arbeitete laut Billmann gestern niemand.

Firma Schabmüller in Berching: Urabstimmung ist möglich

„Die Belegschaft lässt sich nicht einschüchtern“, sagt die Betriebsratsvorsitzende. Auch nicht von einer Mail einer Führungskraft, wie Billmann und Rebecca Frank von IG Metall berichten. Diese hatte nach deren Angaben circa 50 Mitarbeiter erreicht. „Sie wurden dazu angehalten, am Donnerstag zu arbeiten – gerne auch im Home Office“, sagt Frank. Das taten sie laut Billmann allerdings nicht. „Sie streiken mit – und das gibt uns recht.“

Gewerkschaft und Betriebsrat spüren den Rückhalt der Mitarbeiter. Nur deshalb könne sich die IG Metall auch vorstellen, in die Urabstimmung zu gehen, sagt Frank. Voraussichtlich am Dienstag entscheidet der IG Metall-Vorstand in Frankfurt, ob es zur Urabstimmung bei Schabmüller kommt.

Tarifverhandlungen bei Schabmüller: IG Metall entscheidet

Ist das der Fall, werden die IG Metall-Mitglieder im Betrieb in Sollngriesbach gefragt, ob sie bereit sind, auf unbefristete Dauer zu streiken. Stimmen mindestens 75 Prozent dafür, ruft die IG Metall „in den nächsten Wochen“ zu einem unbefristeten Streik auf.

Während der Geschäftsführer öffentlich zu den Verhandlungen schweigt, ist sich Betriebsratsvorsitzende Christine Billmann sicher: „Die 75 Prozent schaffen wir locker.“

Einige Mitarbeiter und Gewerkschafter hielten Plakate hoch. Foto: Neumayer
Zur großen Kundgebung am Donnerstag um 14 Uhr waren zahlreiche Schabmüller-Mitarbeiter und Gewerkschafter gekommen. Foto: Neumayer
Rico Irmischer, erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg sprach in Sollngriesbach. Foto: Neumayer
Sonnen statt arbeiten hieß es für diese drei Mitarbeiter der Firma Schabmüller am Donnerstag. Foto: Neumayer
Auszubildende und Dual-Studierende der Firma Schabmüller haben dieses Plakat angefertigt. Foto: Neumayer