Neumarkt wird klimaneutral: Die Mission des neuen Umweltbeirats

Von Eva Gaupp · 15. April 2024 um 11:00

Der Umweltbeirat hat bisher vor allem für Debatten im Stadtrat gesorgt. Für Günter Richlowski und Robert Rupprecht ist das neue Gremium ein Meilenstein. Es könnte einen Wandel in Neumarkt einläuten – und sie erklären auch, warum.

Seit gut zwei Jahren haben die beiden Männer von People for Future in Neumarkt Gespräche mit den Stadtratsfraktionen geführt, um ihre Idee eines Umweltbeirats zu etablieren. Ende März hatte sich eine Mehrheit aus CSU, SPD und FDP im Stadtrat mit ihrem Konzept durchgesetzt: Es sieht vor, dass kompetente Bürger Stadträte und Verwaltung in Sachen Umwelt und Klimawandel beraten. „Jetzt kommt es darauf an, wie die Satzung ausgestaltet und der Beirat mit Leben erfüllt wird“, sagt Günter Richlowski.

Umweltbeiräte aus anderen Städten als Vorbild

Die Satzung auszuformulieren, ist seiner Ansicht nach nicht kompliziert – gebe es doch in Bayern schon eine ganze Reihe von Umweltbeiräten, an deren Arbeit man sich orientieren könne. Innerhalb von zwei Monaten sei das Regelwerk deshalb zu schaffen, sagt Richlowski. Dann könne die Ausschreibung und Suche nach geeigneten Mitgliedern beginnen. Idealerweise könnte der Beirat nach der Sommerpause schon seine Arbeit aufnehmen.

„Arbeit“ ist in diesem Fall das richtige Stichwort. Denn die beiden engagierten Rentner gehen zwar optimistisch, aber mindestens ebenso professionell an das Thema heran. „Wir müssen konkrete Maßnahmen und Termine definieren und diese periodisch überprüfen. Für Abweichungen, müssen weitere Maßnahmen festgelegt werden. So kenne ich das aus meinem Berufsleben“, sagt Rupprecht, der viele Jahre bei dem Automobilzulieferer Delphi und zuletzt bei einer Maschinenbaufirma gearbeitet hat, die Anlagen für Windkraftenergie herstellte.

Aus dieser Erfahrung heraus sieht der 69-Jährige ein gutes Projektmanagement als Grundvoraussetzung für erfolgreiche Maßnahmen, um CO2 einzusparen. Bayern wolle bis 2030 65 Prozent Kohlendioxid einsparen. „Das ist in sechs Jahren“, sagt Richlowski. „Aber wir sehen bis heute keinen Plan, um dieses Ziel zu erreichen.“

Rupprecht verweist in diesem Zusammenhang auf Michael Sterner, Professor für Energiespeicher und Energiesysteme an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg. Wenn Bayern seinen Klimaschutz weiter so langsam vorantreibe, werde der Freistaat erst im Jahr 2303 klimaneutral – und nicht 2040.

Und was bedeutet das konkret für Neumarkt? Zuerst brauche es eine Analyse, wie hoch der CO2-Ausstoß derzeit sei. Dann müssten Maßnahmen festgelegt werden, um das Kohlendioxid schrittweise zu reduzieren. Solche Schritte könnten sein: Den Busverkehr attraktiver machen, Radwege im gesamten Stadtgebiet, Photovoltaik als Pflicht für alle Neubauten, ein Wohnkonzept, um alleinstehenden, älteren Menschen eine Alternative zu ihrem Haus anzubieten, und so wieder Platz für Familien zu gewinnen. Baulücken schließen anstatt neue Baugebiete zu erschließen.

Richlowski und Rupprecht: „Von Bürgern für Bürger“

Den beiden Männern ist klar, dass das nicht ohne viele Gespräche und Überzeugungskraft geht. Auch da könne der Umweltbeirat helfen. „Von Bürgern für Bürger“, nennt Robert Rupprecht seinen Slogan. Ohne Parteiideologien. Und um klimaneutral zu werden, brauche es den Mut, neue Wege zu gehen, sagt Rupprecht.

Der neue Stadtteil am Flugfeld könnte zum Beispiel komplett klimaneutral werden, ergänzt Günter Richlowski – und kommt bei diesem Beispiel auf einen seiner Ansicht nach wesentlichen Punkt zu sprechen: Es werden sich nur dann Bürger aus allen Gesellschaftsschichten und jeglichen Alters in einem Umweltbeirat einbringen, wenn dieser auch wirklich in Entscheidungsprozesse einbezogen werde.

In Neumarkt gebe es zwar auch bisher schon Formen der Bürgerbeteiligung – aber letztendlich werde doch das gemacht, was Politik und Verwaltung für richtig erachteten, schildert Richlowski seinen Eindruck. Deshalb lautet sein Appell: „Die Bürger müssen sich aktiv einbringen können. Wir schaffen das nur gemeinsam“.