Als „Hammer der Woche“ im ZDF: Regensburger Parkhaus wird berühmt – aber nicht voll

Von Rainer Wendl · 8. April 2024 um 19:00

Dieses Schicksal teilt Regensburg mit allen kleinen Großstädten des Landes. Abgesehen von Fußballergebnissen kommen sie in der bundesweiten Berichterstattung meist nur dann vor, wenn sich etwas besonders Tragisches oder Kurioses ereignet hat. Regensburg scheint in dieser Hinsicht eine Art Abo auf die angenehmere Variante zu haben, das besonders Kuriose.

So ist beispielsweise das 800.000-Euro-Klo am Schwanenplatz eine Art nationale Berühmtheit geworden. Jetzt bekommt der teure Lokus Konkurrenz aus der eigenen Stadt, denn auch das nach wie vor wenig genutzte Parkhaus an der TechBase am Galgenberg macht Karriere in den überregionalen Medien.

Im ZDF-Magazin „Länderspiegel“ war am vergangenen Samstag ein dreiminütiger Beitrag über das Mitte 2022 fertiggestellte Bauwerk zu sehen. Er lief in der Aufreger-Rubrik „Hammer der Woche“, und damit war die Stoßrichtung bereits klar: Das für 7,3 Millionen Euro errichtete Parkhaus wurde als klassischer Fall von Steuergeld-Verschwendung angeprangert.

Auslastung bei zehn Prozent

So weiß jetzt ganz Deutschland, was in Regensburg schon länger ein Thema ist: Die optisch durchaus gelungene Groß-Garage mit ihren 377 Stellplätzen hat ein eklatantes Problem mit der Auslastung.

Grünen-Stadtrat Stefan Christoph schaut bereits seit einem knappen Jahr ganz genau hin, wie sich die Situation entwickelt. Als er im Sommer 2023 erstmals Zahlen von der Stadt bekam, war er schockiert. Der Mai als bis dahin bester Monat wies insgesamt rund 400 Parkvorgänge auf, was einer täglichen Frequenz von 13 bis 14 abgestellten Fahrzeugen entsprach. „Vollkommen lächerlich“, schimpfte Christoph damals.

Bis heute ist er nicht besänftigt. Denn obwohl die Nutzerzahl im Dezember auf knapp 1000 stieg (im Advent wurde das Parkhaus auch als Bestandteil des städtischen Park & Ride-Konzepts beworben), hält Christoph die Bilanz des ersten vollen Betriebsjahrs für indiskutabel. „Sehr freundlich gerechnet liegt die Auslastung bei zehn Prozent“, sagte er im ZDF-Beitrag, in dem auch Johann Brandl vom Bürgerverein Süd-Ost zu Wort kam. Er verwies auf die zahlreichen Neubauten mit eigenen Tiefgaragen auf dem Areal der früheren Nibelungenkaserne – für ein zusätzliches Parkhaus mit 377 Plätzen habe es daher nie einen Bedarf gegeben.

Stadt beteuert positive aktuelle Entwicklung

Bei der Stadt und beim Betreiber Stadtwerk sieht man dies nach wie vor anders. Die Frequenz wird zwar als „natürlich noch weiter ausbaufähig“ beschrieben, doch grundsätzlich könne man die Nutzungsquote eines Angebots wie dem auf dem TechCampus nicht mit dem regen Verkehr bei einer Parkgarage in der Innenstadt vergleichen. Außerdem wird auf positive aktuelle Entwicklungen verwiesen: Neben den bereits erwähnten 1000 Parkvorgängen im Dezember wird besonders die größere Nachfrage nach Dauerstellplätzen betont. Seit März seien 90 Stück vermietet, Tendenz weiter steigend. „Wir sind mit Firmen aus dem Quartier in guten Gesprächen, so dass wir von einer weiteren Erhöhung der Auslastung ausgehen“, lautet die Auskunft.

Große Hoffnung setzt man bei Stadt und Stadtwerk zudem in die demnächst in Betrieb gehende Ladeinfrastruktur für 50 Elektroautos. „So wird ein zusätzlicher Anreiz geschaffen.“ Der Ausblick klingt daher optimistisch: „Die Auslastung verbessert sich stetig, die Zahl der Dauerparker steigt kontinuierlich und das Quartier ist noch mitten in der Entwicklung. Auf Basis dieser Indikatoren wird sich das Parkhaus definitiv positiv entwickeln.“

Christoph und Brandl haben diese Hoffnung mittlerweile jedoch nicht mehr. Sie geben sich aber auch nicht damit zufrieden, ihren Ärger vor großem TV-Publikum geäußert zu haben.

Warum nicht ein Flohmarkt?

Vielmehr machen sie sich Gedanken über Nutzungen übers Parken hinaus. „Jetzt steht das Ding schon mal da, abreißen wäre auch ein Schmarrn“, sagt der Grünen-Stadtrat und lässt durchblicken, dass in Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein gerade ein Konzept zur alternativen Belebung des Baus erstellt wird. „Warum sollte man nicht einzelne Ebenen für gelegentliche Veranstaltungen wie beispielsweise einen Flohmarkt freigeben? Das wäre zwar auch keine Dauerlösung, aber wenigstens hätte das Viertel was davon.“

Ebenfalls profitieren würde die Umgebung nach Christophs Meinung von weniger auf den Straßen abgestellen Autos. Daher plädiert er für noch mehr Bereiche mit Halteverbot, wodurch als Nebeneffekt auch das Parkhaus voller werden würde.