Noch rentabel? Tabakwarenhändler spricht über den Rückgang von Zigarettenautomaten

Noch vor wenigen Jahren waren Zigarettenautomaten vielerorts fester Bestandteil des Stadtbildes. Mittlerweile sind sie seltener geworden. Auch im Kötztinger Stadtgebiet klaffen Lücken an Hauswänden, die darauf schließen lassen, dass sich hier in der Vergangenheit Passanten spontan mit Glimmstängeln versorgen konnten.
Wilfried Oexler, Inhaber des gleichnamigen Tabak-, Büro- und Schreibwarengroßhandels in der Gehringstraße, ist einer der letzten Betreiber von Zigarettenautomaten im Landkreis Cham. Als solcher hat er sämtliche Höhen und Tiefen in der Branche in den letzten Jahren hautnah miterlebt. Dass die Anzahl der Zigarettenautomaten stark rückläufig ist, kann er bestätigen. „Bundesweit gab es einmal über 800.000 Automaten“, sagt er. Inzwischen seien es nur mehr 200.000. Eine Hand voll ausrangierte Exemplare stapeln sich momentan im Hinterhof seines Geschäftshauses. Hinzu kommen an die 50 Holztruhen im Keller, bestückt mit alten Exemplaren aus mittlerweile geschlossenen Gasthäusern. „Wir holen laufend alte Automaten ab, die nicht mehr rentabel sind“, sagt er.
Lukrative Standorte gebe es dennoch nach wie vor. Verfügt ein Automat etwa über einen Banknotenleser oder komfortable Drucktasten, befindet er sich in besserer Lage, sagt Oexler, dessen Vater in den 50er Jahren den Tabak-Großwarenhandel mit in das Geschäftsfeld des Familienunternehmens übernahm.
Vereinzelt seien in kleineren Dörfern noch alte Exemplare mit Schubfächern zu finden, die nur Münzen akzeptieren. „Wo aber der Umsatz nicht ausreichend ist, da rentiert sich kein neueres Gerät“, sagt der Diplom-Kaufmann. Eine Rolle spiele dabei auch die Nähe zu Tschechien, wo sich die Menschen teilweise mit vergünstigten Stangen eindecken. Das sei ein Grund, wieso Automaten an einigen Standorten noch weniger genutzt werden.
Hunderttausende investiert
Als etablierter Tabakwarenhändler nicht nur in Bad Kötzting, sondern auch über die Grenzen der Stadt hinaus, weiß Oexler um die nicht immer einfache Entwicklung im Geschäft mit Zigarettenautomaten. Noch gut kann er sich etwa an die Umstellung von DM auf Euro Anfang der 2000er Jahre erinnern. Besonders viele Umstände habe ihm die Abschaffung der 5-DM-Münzen damals bereitet. Größe, Metallgehalt, Beschaffenheit der Münzoberfläche – all das spielte bei der Umrüstung eine Rolle.
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Auch in den darauffolgenden Jahren ging das Spiel so weiter. „Alte Ware raus, neue rein, alte Schilder abmontieren, neue Etiketten anbringen“ – dass das Geschäft mit den Automaten kein Selbstläufer ist, wird deutlich, wenn man Oexlers Erzählungen hört. „Ich habe im Grunde mein ganzes Leben lang Automaten umgestellt“, sagt er. Dafür habe er im Lauf der Jahre Hunderttausende von D-Mark und später Euro in die Geräte investiert.
Ein kostspieliger Umbruch
Ein weiterer kostspieliger Umbruch bedeutete für den Geschäftsmann die Änderung des Jugendschutzgesetzes. Bis zum 1. September 2007 mussten alle Automaten auf eine Technik umgerüstet werden, die die Einhaltung des Abgabeverbots von Tabakwaren an Jugendliche unter 18 Jahren garantiert. Wie seine Mitstreiter in der Automatenindustrie setzte auch Oexler von da an in erster Linie auf das Jugendschutzmerkmal der Geldkarte. Dafür wird eine im Chip der Karte gespeicherte Altersinformation elektronisch ausgelesen. Eine andere Möglichkeit der Altersüberprüfung ist an vielen Automaten das Durchziehen des EU-Führerscheins oder des Personalausweises. Dabei erfolgt eine Echtheitsprüfung anhand optischer Merkmale des Ausweisdokumentes. Zur Alterskontrolle wird das Geburtsdatum ausgewertet.
Nach Jahren des Hin und Her steht Oexler in gut vier Jahren die nächste Umrüstung bevor, denn ab dem 1. Januar 2028 soll der Jugendschutz an den Automaten bundesweit automatisch überprüft werden. Das Gerät muss dann kontaktlos per WLAN arbeiten. Die dafür notwendige neue Steuerung samt neuem Kartenlesegerät an allen Automaten bedeuten erneut eine hohe Investitionssumme. Generell: „Jede Umstellung ist ein Kraftakt“, sagt Oexler rückblickend auf die vergangenen Jahre. Die Kosten für die nächste Umstellung beziffert er auf 700 bis 800 Euro pro Automat.
Veränderter Konsum
Unabhängig von diesem hohen unternehmerischen Einsatz sind die Gründe für den Rückgang an Zigarettenautomaten für den Kötztinger Kaufmann vielfältig. Bereits in den vergangenen Jahren habe sich die Produktpalette auf diesem Markt deutlich verändert. „Die klassischen Zigarettenraucher unter den jungen Leuten sind zum Beispiel weniger geworden“, beobachtet er. Stattdessen weichen viele von ihnen mittlerweile auf neuere Produktkreationen wie die E-Zigarette oder Vaporizer aus.
Ein weiterer Grund sei ein verändertes Verbraucherverhalten. Viele Leute erledigen den Zigarettenkauf lieber im Vorbeigehen an der Tankstelle oder im Supermarkt. Daneben spielten selbstverständlich auch das Wirtshaussterben oder ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft eine Rolle. Dass das Rauchen generell vom Aussterben bedroht ist oder gar Zigarettenautomaten als Auslaufmodell betitelt werden, verneint Oexler. Unter anderem ist gerade seit der Corona-Zeit der Anteil der Raucher wieder leicht gestiegen, erzählt er.
Dennoch möchte er künftig auf ein breiteres Tabaksortiment in seinem Geschäft an der Holzapfelstraße setzen. Vor allem nach der Schließung des Tabak- und Schreibwarengeschäfts von Fanny Seiderer in der Bahnhofstraße Anfang vergangenen Jahres ist in diesem Bereich eine Lücke entstanden, begründet er seine Pläne.
Dass er die anstehende Umrüstung der Automaten in vier Jahren in der Breite wie in der Vergangenheit erneut mitmacht, daran glaubt er momentan nicht. „Man muss immer schauen, wie viel Berufsjahre man noch vor sich hat“, sagt er. Wenn überhaupt, werde er das neue Automatenkonzept eventuell an einzelnen rentablen Standorten weiterführen. All das sei aber momentan noch Zukunftsmusik.