Bei der Buchhandlung Oexler in Bad Kötzting beginnt eine neue Zeitrechnung

Bad Kötzting. Als die Schüler der vierten Klasse der Grundschule Hohenwarth am Freitag zum Welttag des Buches in die Buchhandlung Oexler kommen, erzählt Mitarbeiterin Marianne Steinkirchner den Kindern, was es damit auf sich hat. Das tut sie bereits seit vielen vielen Jahren, in denen sie in der Buchhandlung arbeitet.
Mit dabei ist auch Inhaber Wilfried Oexler. Etwas Wehmut kommt schon auf bei einem der letzten Besuche von Schülern in diesen Räumen. Denn Mitte des Jahres wird Schluss sein, zumindest an diesem Standort.
1914, so steht es eingelassen im Pflaster vor dem Geschäft zu lesen, hatte hier die Familie Oexler ihr Geschäft eröffnet. Lederwaren, Geschenkartikel, Schreibwaren und eben Bücher gibt es hier zu kaufen. „Das Wertvollste, das sind aber die Bücher“, sagt Wilfried Oexler.
Umzugsgrund: Umbau
Vor zwei Jahren hatte er sich von dem Gebäude getrennt und war seitdem noch zur Miete hier mit seinem Geschäft. Wenige Meter weiter betreibt er am oberen Ende der Gehringstraße einen Großhandel, in dem es auch Schreib- sowie Tabakwaren und Bürobedarf zu kaufen gibt, eine Annahme für eine Wäscherei ist angeschlossen. Eigentlich habe er sich noch offen halten wollen, ob das Buchgeschäft nicht noch länger in der Marktstraße bleiben könnte.
„Letztlich haben es mir die Umbaumaßnahmen im restlichen Gebäude nun aber abgenommen“, sagt er. In diesem Zuge hätte das Geschäft zumindest vorübergehend ohnehin geräumt werden müssen, „dann muss es eben nun so sein“, sagt Oexler. Wenn die Buchhandlung nun mit in den Großhandel zieht, dann spare das – positiv gesehen – auch Kosten, etwa für Strom, Heizung, Versicherungen und so weiter; und er könne so alle Mitarbeiter auch weiter beschäftigen. Während die Lederwaren abverkauft werden, soll es mit der Buchhandlung aber weitergehen.
Er selbst könne sich gar nicht erinnern, dass es das Geschäft nicht gegeben habe und bezeichnet es nach dem Umbau, den er selbst 1990 in Auftrag gegeben hatte, als sein Lebenswerk. Das bekannte schwarze Rondell, in dem sich ein großer Teil der rund 5000 einzelnen Bücher im Geschäft befindet, das ziehe natürlich mit um. Ebenso neun Meter Regale. Anfang der 1990er Jahre, da habe er das Geschäft so geplant, dass es mit der Großstadt habe mithalten kann. „Das ist schon das Schlimmste, wenn man das jetzt zerstören muss“, sagt Oexler.
Der Flair bleibt erhalten
Wenige Meter weiter ist in der Gehringstraße dafür schon ein großer Raum freigeräumt, der für die Bücher und einen Großteil der Einrichtung bereitsteht. „Es soll schon noch immer Flair haben“, sagt Oexler mit Blick auf den noch völlig leeren Raum.
Nie habe er überlegt, sich von der Buchhandlung an sich zu trennen, auch nicht mit Blick auf Konkurrenz im Internet. Wenn er nun noch einmal Geld für den Umzug und den Neuaufbau investiere, dann tue er das auch mit der festen Überzeugung, dass das Geschäft eine Zukunft habe. „Bücher sind ja preisgebunden“, sagt Oexler, kosteten also überall dasselbe.
Wichtiger sei es daher, dass die Kunden sich allgemein darauf besinnen, wieder viel mehr vor Ort zu kaufen und die Händler damit zu unterstützen – nicht nur bei Büchern, sondern auch bei allen anderen Dingen.

