Traditions-Buchhandlung Oexler in Bad Kötzting hat neuen Standort

Wilfried Oexler ist vieles: Großhändler für Tabakwaren und Bürobedarf zum Beispiel. Oder für Lederwaren – oder besser, war es. Eine Reinigungs-Annahme ist auch noch in seinem Geschäft am Ende der Gehringstraße, einer der beiden Hauptstraßen der Innenstadt von Bad Kötzting im Landkreis Cham, untergebracht. Er ist aber auch Buchhändler, und zwar der letzte in der Stadt.
Buchhandlung, Bedarf für Schüler, Leder- und Tabakwaren, das alles war bis Juni im Stammhaus der Firma Oexler in der Marktstraße untergebracht. Das Gebäude wurde verkauft, das Ladengeschäft in „1b-Lage“ wie Oexler es selbst beschreibt, blieb bestehen.
Als Anfang des Jahres aber klar wurde, dass eine länger andauernde Schließung aufgrund von statischen Problemen bei der Nachnutzung des Gebäudes bevorstand, entschied Wilfried Oexler sich dafür, das Geschäft zu schließen – der Pachtvertrag endete Mitte des Jahres.
Keine Lederwaren mehr
Gleichzeitig trennte er sich vom Handel mit Lederwaren, was ohnehin seit längerem nicht mehr viel zum Umsatz beigesteuert habe. Die Buchhandlung, die sollte aber auf jeden Fall mit umziehen an die Gehringstraße.
Gut einen Monat gibt es nun also einen neuen Standort für die Buchhandlung, und Oexler ist sehr zufrieden mit dem, was gemeinsam mit den Handwerkern im ehemaligen Lagerraum des Geschäftes geschaffen worden ist. Nicht mehr ganz „Großstadt-Flair“ von früher, sagt er; kein Marmorboden mehr sondern Teppich, und auch die Fläche wurde verkleinert. „Aber, man möchte es gar nicht glauben, wir haben alle Bücher aus der Marktstraße hier wieder untergebracht“, sagt er.
Urlauber flanieren nicht
Das hat für den Unternehmer erst einmal auch gewisse Vorteile gebracht: Nur noch ein Geschäft in dem alle Mitarbeiter zusammenarbeiten – „Jetzt können wir endlich mal viele Überstunden abbauen“, sagt Oexler, und Miete sei auch keine mehr zu zahlen. Aber: „Wir sind schon von einer 1b- in eine 1c-Lage umgezogen“, sagt Oexler. Schon gut einen Monat nach der Wiedereröffnung sei absehbar, dass die Umsätze in der Buchhandlung nicht mehr die Höhe vor dem Umzug erreichen würden. Der Grund: Die Einheimischen wüssten zwar schon, wohin die Buchhandlung umgezogen sei; „Aber Urlauber flanieren eher weniger hier“, sagt Oexler. Dafür sei der Großhandel „ab vom Schuss“, obwohl nur 200 Meter zwischen altem und neuem Standort der Buchhandlung liegen.
Doch der Unternehmer kann allem doch noch etwas Positives abgewinnen: „Immerhin sind wir jetzt der einzige Vollsortimenter weit und breit, der alles für Kinder vom Vorschul-Alter bis zum Abitur anbietet“, sagt er. Letztlich liege es damit auch nicht nur an der Lage, schätzt er, ob sich das Geschäft weiterhin lohnt. Die Kunden entschieden in diesen Tagen selbst, und zwar mit ihrem Kaufverhalten. Das gelte auch nicht nur für Schreibwaren und Bücher, sondern für so ziemlich alles, was es stationär, aber auch im Internet zu kaufen gibt – zumal Bücher etwa ohnehin preisgebunden und so auch im Netzt nicht günstiger zu haben seien als im Geschäft in Bad Kötzting.
Das werde auch die Entwicklung der Innenstadt selbst weiter stark beeinflussen, schätzt Wilfried Oexler. Denn wenn immer weniger Menschen vor Ort einkaufen, dann werde es auch immer weniger Geschäfte in der Innenstadt geben als ohnehin bereits.
Beeinflussen könne er selbst das seit Jahren immer nur mit demselben Motto: „Kauf vor Ort und nicht im Internet“, sage er dann immer.
Beeinflusst werde sein Geschäft in den kommenden Jahren aber wohl auch noch durch angekündigte rege Bautätigkeiten. So etwa, wenn das neue Parkhaus gebaut und die Gehringstraße somit sicher längere Zeit gesperrt werden müsse – von der modernen Bücherei, die dann auch geplant sei, ganz zu schweigen. Aber auch das werde er nun erst einmal auf sich zukommen lassen.

