Ungewisse Zukunft für Kaufhof-Mitarbeiter in Regensburg: Zwischen Hoffen und Bangen
Noch im April soll die Warenhaus-Kette verkauft werden. In Regensburg bangt man erneut um Jobs. Weitere Kündigungen von Seiten der Mitarbeiter gab es im Haus am Neupfarrplatz nicht, berichtet der Betriebtsratsvorsitzende. Jetzt wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.
Wer die beiden Interessenten sind, die derzeit für die Übernahme der bislang noch 92 Kaufhaus-Filialen bieten, das will der Sprecher des Insolvenzverwalters Stefan Denkhaus nicht sagen. „Aus Gründen der Vertraulichkeit äußern wir uns nicht zu den Inhalten der verbindlichen Angebote und der laufenden Verhandlungen“, ist der einzige Kommentar gegenüber der Mediengruppe Bayern. Doch wie konkret die Gespräche fortgeschritten sind, das kann man aus diesem Satz des Sprechers schlussfolgern: „Die notarielle Beurkundung eines Kaufvertrags soll im April erfolgen.“
Es könnte also schnell gehen mit einer Übernahme des insolventen Warenhauskonzerns, der in den Sog des strauchelnden Mutterkonzerns Signa geraten war. Vergangene Woche hatte der Insolvenzverwalter zusammen mit dem Chef von Galeria Karstadt Kaufhof, Olivier van den Bossche, sich zu den Verhandlungen geäußert. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sprach Denkhaus von vier Investoren, die infrage gekommen wären, mit zwei möchte man weiterverhandeln. „Es gibt Menschen, die in Galeria investieren wollen – nicht nur einen, sondern mehrere. Und das sind ja auch absolut gute Nachrichten“, sagte Denkhaus nach Angaben der dpa.
Erneut Standortfrage
Für die Belegschaft in Regensburg werden die kommenden Wochen besonders entscheidend sein. Regensburg hat nach wie vor zwei Häuser. Auch nach der letzten Insolvenz, die noch in Eigenverwaltung erfolgte, blieben beide Standorte erhalten, obwohl das Haus am Neupfarrplatz eigentlich schon auf der Streichliste stand. Proteste der Belegschaft, aber auch aus der Politik auf Kommunal- und Landesebene brachten das damals noch entscheidende Signa-Management dazu, neben dem rentablen Haus im Donau-Einkaufszentrum auch das am Neupfarrplatz zu erhalten.
In Sachen Kommunikation ist Hans-Jürgen Burkert, Betriebsratsvorsitzender im Haus am Neupfarrplatz, einigermaßen zufrieden. „Wir wurden vom Geschäftsführer informiert, der in einer Telefonkonferenz mit der Zentrale davon erfahren hat, was dann über die Medien ging – dass es noch zwei mögliche Investoren gibt.“ Einen Mitarbeiterbrief gab es dann erst am Tag danach, was Burkert bedauert. Doch insgesamt sei die Kommunikation intern zufriedenstellend. Burkert sagt, dass die Mitarbeiter natürlich gebannt darauf schauen würden, was entschieden wird und wer die Warenhauskette übernimmt. „Es kamen aber keine weiteren Mitarbeiter hinzu, die gekündigt haben – daran merkt man, die wollen alle bei Kaufhof bleiben.“ Angesichts der nun von Denkhaus und van den Bossche kommunizierten Verhandlungen gehe man davon aus, dass sich die Übernahme bis in den Sommer ziehen wird. „Darüber herrscht auch Erleichterung bei uns in der Belegschaft“, so Burkert. Gleichzeitig beginne nun aber auch die Phase, in der man um den Erhalt der Filiale am Neupfarrplatz bangt. Denkhaus und van den Bossche hatten davon gesprochen, dass von den 92 Filialen „60 plus X“ erhalten bleiben sollen. „Wir versuchen, das bestmögliche Filialnetz zu erhalten und kämpfen wirklich um jede Filiale“, hatte Denkhaus vergangene Woche gesagt.
Die 60 Filialen, die erhalten bleiben sollen, seien die mit schwarzen Zahlen, heißt es. Verhandlungsspielraum gibt es aber auch für Häuser, die bislang in Immobilien betrieben wurden, die zum Signa-Konzern gehörten. 17 Häuser in ganz Deutschland sind das. In der Belegschaft spricht man davon, dass für diese zusammen genauso viel Miete berechnet worden wäre wie für alle anderen Filialen zusammen.
Merkwürdige Eigentumsverhältnisse beim Kaufhof-Gebäude
Die Regensburger Filiale in der Innenstadt ist dabei in einer merkwürdigen Situation. Noch bis Sommer 2020 war Ingeborg Benko, die Mutter des Signa-Inhabers René Benko, als Inhaberin der Kaufhof Regensburg GmbH im Transparenzregister des Bundesanzeigers gemeldet. Über die Kaufhof Regensburg GmbH wird bis heute die Immobilie vermietet. Sie ist es auch, die wiederum Erbpacht an die Nachkommen der Fischls überweist. Doch hinter der GmbH steht heute nicht mehr Ingeborg Benko, sondern weitere GmbHs, die wiederum zu Vermögensverwaltern führen. Bis heute ist nicht geklärt, wem das Gebäude am Neupfarrplatz überhaupt gehört – vermutet wird, dass Benkos Signa das Kaufhaus zusammen mit weiteren Warenhaus-Immobilien an einen US-Fonds verkauft hatte.
Doch auch wenn das so ist, müsste sich der Vermieter bewegen, meint Betriebsrat Burkert: „Die Miete müsste runter, damit wir eine Chance haben, erhalten zu bleiben“, sagt der Betriebsrat. Fünf Monate Abverkauf seien nun ein zweischneidiges Schwert: „Die Kunden geben uns nach wie vor das Signal, dass sie mit uns fühlen und auch hoffen, dass wir erhalten bleiben“, sagt Burkert. Andererseits habe es durch die Rabatte auch eine gewisse Marktsättigung gegeben.
Hinzu kommt, dass die eigentlich geplanten Neuerungen gar nicht richtig zünden konnten oder tatsächlich nicht verwirklicht werden konnten. Mit Edeka verliert der Standort den großen Lebensmittler im Untergeschoss, der Frequenz bringt und damit auch Kunden für den Kaufhof. „Der GoAsia-Markt läuft aber sehr gut und wer weiß, ob nicht ein weiterer Lebensmittler sich dort im Untergeschoss ansiedeln möchte“, meint Burkert. Doch eigentlich war ein Café dort vorgesehen, das nun aufgrund der unsicheren Lage nicht verwirklicht wurde. „Und auch die Gastronomie im Obergeschoss hatte sich zerschlagen, weil die Insolvenz dazwischenkam.“
Für den Konzern als Ganzes gab es bei den Verhandlungen auch Rückschläge. So berichtete das Handelsblatt, dass der Düsseldorfer Finanzkonzern Droege Group nicht unter den Bietenden ist. Dabei hat Droege Erfahrungen in schwierigen Sektoren mit der Übernahme von angeschlagenen Ketten: Der Finanzinvestor stieg im Weltbild-Verlag ein, der bis dahin mehrheitlich der römisch-katholischen Kirche in Deutschland gehört hatte.
Sozialplan wird verhandelt
Bislang zurückgehalten hat sich der GKK-Gesamtbetriebsrat Jürgen Ettl. Dieser verhandelt im Hintergrund einen Sozialplan, wenn es, womit gerechnet wird, zu Ausstellungen kommen wird. Von den einst 17 000 Mitarbeitern sind noch etwa 12 500 im Konzern. Van den Bossche hatte allerdings angekündigt, dass wohl eher im Bereich Verwaltung zu Personalreduzierungen kommen werde. Keine Lücken gibt es übrigens laut Burkert im Sortiment: „Bei der Warenversorgung gibt es keine Probleme“, schließt Burkert, „die Ware wurde vorausgekauft“.