Mitarbeiter in Regensburg bereits informiert: Kaufhof stellt wieder Insolvenzantrag

Von Christian Eckl · 9. Januar 2024 um 11:37

Der Konzern Galeria Karstadt Kaufhof hat am Dienstag erneut einen Insolvenzantrag gestellt. In einer Telefonkonferenz wurden zunächst die Filialleiter und Betriebsräte informiert, dann die Mitarbeiter. An den beiden Standorten in Regensburg nahmen diese die Nachricht gefasst auf. Doch diesmal wird etwas anders sein als bei den letzten beiden Insolvenzen.

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Es ist einfach nur bitter: Erneut hat der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof Insolvenz angemeldet. Es ist die dritte Insolvenz in nicht einmal fünf Jahren. Für den Handelsstandort Regensburg könnte die derzeitige Situation nun die Auswirkung haben, die schon bei der letzten Insolvenz im Frühjahr 2023 befürchtet wurde: Dass große Handelsflächen zunächst wegfallen. Allein der Kaufhof in der Altstadt umfasst 20 Prozent aller Handelsflächen im Welterbekern.

Am Dienstag informierte Olivier Van den Bossche Filialleiter und Betriebsräte über die Situation. Um 10 Uhr morgens fand die Telefonkonferenz statt. „Man hat uns mitgeteilt, dass Insolvenzantrag gestellt wird“, sagte der Betriebsrat des Regensburger Hauses am Neupfarrplatz, Hans-Jürgen Burkert. Nach der Telefonkonferenz informierten die Betriebsräte wiederum die Mitarbeiter.

Diesmal keine Insolvenz in Eigenverwaltung

Dabei unterscheidet sich die Lage diesmal in mehrfacher Hinsicht von der letzten Insolvenz. Damals wurden Insolvenzanträge gestellt und die sogenannte Insolvenz in Eigenverwaltung gerichtlich bestimmt. Bestellt wurde damals Arndt Geiwitz, ein renommierter Insolvenzverwalter, der allerdings auch als Vertrauter von René Benko gilt. „Diesmal wird ein normales Insolvenzverfahren beantragt“, sagte Burkert zur Mittelbayerischen. Die Mitarbeiter hätten die Nachricht „gefasst aufgenommen, denn das zeichnete sich ja bereits ab“, so der Betriebsrat. Drei Monate lang werden die Mitarbeiter nun statt des Lohnes Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur erhalten, soweit das zuständige Amtsgericht – Sitz des Unternehmens ist Essen – dem Antrag zustimmt.

Im Raum steht nun erneut, dass ein gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter die Schließung einzelner Filialen beschließt. Bei der letzten Insolvenz in Eigenverwaltung konnte Geiwitz selbst ein Konzept vorlegen. Ursprünglich stand das Warenhaus am Neupfarrplatz auf der Streichliste, doch nach Intervention der Belegschaft vor Ort, aber auch mehrerer Politiker auf Landes- und Kommunalebene, entschied man sich doch, das Haus zu behalten. Die Immobilie gehört seit 2020 nicht mehr in die ebenfalls insolvent gegangene Signa Prime beziehungsweise deren Holding, sondern wurde verkauft.

Ähnlich wie Konzernchef van den Bossche sagte auch der Betriebsrat, dass die Insolvenz eine Chance sein kann. „Die Alternative wäre gewesen, dass wir in den Strudel der Insolvenzen von Signa geraten.“ Damit wäre die Zerschlagung und ein Aus der Warenhauskette im Raum gestanden. Auch van den Bossche argumentierte so: „Galerias operativer Erfolg wird durch die Rahmenbedingungen der alten Eigentümerstruktur belastet. Wir sehen in dem heutigen Tag ausdrücklich einen Befreiungsschlag“, sagte er am Dienstag.

Kaufhof-Geschäftsführer: Mitarbeiter sind motiviert

Der Geschäftsführer des Standortes am Neupfarrplatz, Roman Kasimir, sagte, dass die Mitarbeiter natürlich nicht erfreut sind über die neuerliche Insolvenz. „Aber jeder und jede werden ihren Mann und ihre Frau stehen, das Team ist unheimlich motiviert und wir überstehen auch das“, sagte Kasimir.

OB: Wir können nur hoffen

Regensburgs Stadtspitze Gertrud Maltz-Schwarzfischer bedauerte die Situation vor allem für die Mitarbeiter. Diese „haben in den zurückliegenden Monaten sehr erfolgreich und mit so viel Engagement gearbeitet“, attestierte sie. Nun müssten sie „nach bereits zwei Insolvenzen erneut so viel Verunsicherung und Entbehrungen aushalten“. Mit großer Sorge habe die SPD-Politikerin die Medienberichte der letzten Wochen über die wirtschaftliche Schieflage des Signa-Mutterkonzerns verfolgt.

„Wir können nur hoffen, dass das nun eingeleitete Insolvenzverfahren ein Befreiungsschlag wird und sich so die Warenhauskette dem Abwärtssog von Signa endgültig entziehen kann“, so Maltz-Schwarzfischer. Wie bereits in der Vergangenheit werde sich die Stadt wieder mit voller Kraft für den Erhalt der beiden Kaufhäuser und deren Arbeitsplätze hier in Regensburg einsetzen. „Schon im letzten Jahr konnten wir auch durch unseren Einsatz die Filiale am Neupfarrplatz entgegen aller Erwartungen von der Streichliste bekommen“, so das Stadtoberhaupt.

IHK-Hauptgeschäftsführer: „Befreiungsschlag bleibt abzuwarten“

„Für den Einzelhandelsstandort Regensburg sei die erneute Insolvenz des Warenhaus-Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof keine gute Nachricht“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes zur MZ. Es bleibe abzuwarten, „ob das nun kommende Insolvenzverfahren einen Befreiungsschlag bringt“, so Helmes. Die Galeria-Häuser am Neupfarrplatz und im Donau-Einkaufszentrum seien jedenfalls noch immer „wichtige Frequenzbringer für den dortigen Handel. Ohne sie stünden beide Handelsstandorte vor strukturellen Herausforderungen“, schloss Helmes.

„Wir verfolgen die Entwicklungen rund um Galeria Karstadt Kaufhof natürlich sehr genau“, sagte der Geschäftsführer des Donau-Einkaufszentrums, Thomas Zink, zur MZ. „Dabei haben wir besonders die Mitarbeitenden der Regensburger Standorte im Blick, für die diese erneute Unsicherheit sehr belastend ist.“ Er hofft, „dass auch dieses erneute Insolvenzverfahren einen guten Ausgang findet und die Galeria-Filialen und damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben können“.

Frage nach Geschäftsmodell

Allerdings sagt Zink: „Diese erneute Insolvenz in so kurzer Zeit wirft natürlich Fragen nach der Zukunft des Geschäftsmodells auf“, so der DEZ-Geschäftsführer, und verdeutliche die „anhaltenden Herausforderungen, mit denen der Einzelhandel grundsätzlich und das Unternehmen aufgrund seiner Eigentümerstruktur im Besonderen konfrontiert ist“.

„Erneuter Schock für Standorte in Regensburg“

„Für die Standorte in Regensburg ist dies ein erneuter Schock. Vor allem für diejenigen, welche mit dem Unternehmen verbunden sind müssen dieses Déjà-vu wieder einmal verarbeiten“, sagte Christian Spielvogel, Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern. „Insgesamt ist die Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof ein alarmierendes Zeichen für die Herausforderungen, denen der stationäre Einzelhandel gegenübersteht“, so Spielvogel weiter. Er schoss: „Es ist wichtig, dass alle Beteiligten konstruktiv zusammenarbeiten, um eine positive Zukunft für das Unternehmen und den Einzelhandelssektor insgesamt zu gewährleisten.“