Insolvenz droht erneut: Tage der Entscheidung bei Galeria Karstadt Kaufhof

Wieder Tage der Entscheidung: Nach dem Ende der Insolvenz in Eigenverwaltung im vergangenen Frühjahr soll im Laufe dieser Woche entschieden werden, ob der Warenhaus-Konzern Galeria Karstadt Kaufhof neuerlichen ein Insolvenzverfahren beantragen muss.
Dabei sind die Rahmenbedingungen diesmal viel unklarer als bei den letzten Insolvenzverfahren 2020 und 2023, die allesamt in Eigenregie erfolgten. Grund dafür ist, dass diesmal offenbar nicht die finanzielle Situation der Warenhäuser ausschlaggebend für die bevorstehende Entscheidung ist. Vielmehr ist es das derzeit kollabierende, aus etwa 1000 unterschiedlichen Unternehmen bestehende Finanzkonstrukt des umstrittenen Unternehmers René Benko. Aus diesem Grund ist offenbar nicht nur offen, ob diese Woche ein Insolvenzantrag gestellt werden muss. Völlig ungeklärt ist, ob es sich dabei wie beim letzten Mal um eine Insolvenz in Eigenverwaltung handelt, oder um ein reguläres Insolvenzverfahren, sollte ein solches überhaupt eingeleitet werden müssen.
Warenhauskette wartet auf 200 Millionen Euro
Mehrere Medienberichte am Wochenende sprechen aber dafür, dass die Warenhauskette mit ihren verbliebenen 92 Filialen in Deutschland den neuerlichen Gang zum Insolvenzgericht antreten muss. Unter anderem berichtete die Neue Züricher Zeitung darüber, dass nicht eine drohende Zahlungsunfähigkeit das Unternehmen mit Sitz in Essen in Bedrängnis bringt, sondern das komplexe Geflecht an Unternehmen der Signa-Gruppe. Am 9. Januar soll die Notgeschäftsführung des Mutterkonzerns auslaufen, der Signa Retail Selection, das neben der Warenhauskette aus Deutschland auch die Globus-Warenhäuser in der Schweiz sowie die britische Kaufhauskette Selfridges betreibt.
Eigentlich sollten aus dem Firmenkonstrukt Benkos 200 Millionen Euro an die Warenhausgruppe transferiert werden. Doch aufgrund von Insolvenzen der Dachgesellschaft, der Signa Holding, sowie weiterer Unternehmen ist derzeit völlig offen, ob das Geld überwiesen wird. Wie es aus der Belegschaft einer bayerischen Filiale heißt, muss derzeit die Ware auch in Vorkasse bezahlt werden. Das Unternehmen selbst, aber auch der Mutterkonzern gehen seit Wochen auf Tauchstation. Galeria Karstadt Kaufhof reagierte auf mehrfache Anfrage der Mediengruppe Bayern nicht. Der für das Schutzverfahren in der Schweiz zuständige Anwalt Eugen Fritsche erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass er anders als im deutschen Insolvenzrecht nicht in der Position sei, Auskünfte zu geben. In der Schweiz ist der bestellte Insolvenzverwalter, der dort Sachwalter heißt, nicht für das insolvente Unternehmen tätig, sondern dient als Mittler zwischen dem Unternehmen und dem zuständigen Bezirksgericht.
Mögliche Insolvenz als Chance
Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrat von Galeria Karstadt Kaufhof, Jürgen Ettl, sieht eine mögliche Insolvenz des Konzerns aber sogar als Chance. „Dass nun die Kerngesellschaften der Signa-Gruppe insolvent sind, bedeutet, dass wir uns von der Signa-Gruppe und ihren Interessen befreien können“, sagte Ettl der Wirtschaftswoche.
In den Filialen beklagen Mitarbeiter und Betriebsräte, kaum Informationen über die Zukunft der Warenhauskette zu erhalten. Sicher ist bislang nur, dass sich die Warenhaus-Filialen wieder wie schon vor der letzten Insolvenz im so genannten Notfallbetrieb befinden. Jegliche Ausgabe steht damit unter Vorbehalt der genauen Überprüfung. Für die noch 15.500 verbliebenen Mitarbeiter bedeutet die Situation einen herben Rückschlag. Wie mehrere Mitarbeiter in Filialen berichten, verlief das Weihnachtsgeschäft außerordentlich gut. „Das bittere ist, es geht überhaupt nicht um unsere Leistung oder um die Umsätze. Vielmehr geraten wir hier in einen Strudel, von dem noch keine absehen kann, was er alles mit nach unten zieht“, sagt ein Betriebsrat einer bayerischen Filiale. Als Problem werden nach wie vor die hohen Mieten bezeichnet, die von der Warenhauskette an die noch 18 im Besitz der ebenfalls seit Ende November insolventen Signa Prime bezahlt werden mussten.
Steuerzahler musste auf 600 Millionen Euro verzichten
Sollte Galeria Karstadt Kaufhof tatsächlich im Laufe der Woche einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht stellen, ist offen, in welcher Form dieses durchgeführt werden würde. Eine Insolvenz in Eigenregie zum dritten Mal scheint unwahrscheinlich. Sicher ist, dass auch der Steuerzahler erneut als Gläubiger am Tisch sitzen würde. Bei der letzten Insolvenz kostete der Verzicht auf Forderungen damals 600 Millionen Euro.
