Kaufhof-Kette: Zukunft entscheidet sich in der Schweiz

Hinter der Warenhauskette Kaufhof steckt ein komplexes Konstrukt. Die maßgeblichen Unternehmen der in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckenden Gruppe haben nämlich ihren Sitz nicht in Deutschland, weshalb es mehrere Insolvenzverfahren gibt, die nach dem jeweiligen Landesrecht durchgeführt werden.
In Österreich geht es dabei um die ebenfalls insolvente Signa-Holding des Galeria-Eigners René Benko. Derweil entscheidet sich die Zukunft der deutschen Kaufhof-Mitarbeiter in der Schweiz.
Das Weihnachtsgeschäft ist vorbei. In den Kaufhof-Filialen verlief der Handel vor dem Fest gut, wie Mitarbeiter aus den beiden Standorten in Regensburg sagen. Derweil erntet man Schulterzucken, wenn man sie fragt, wie die Zukunft des Warenhauses aussehen wird. „Wir wissen nichts“, sagt ein langjähriger Kaufhof-Angestellter. „Wir machen einfach weiter wie bisher.“ Grund für diese Unklarheit ist das komplexe Konstrukt, das hinter der Warenhauskette steht. Die maßgeblichen Unternehmen haben nämlich ihren Sitz nicht in Deutschland. Deshalb gibt es mehrere Insolvenzverfahren, die nach dem jeweiligen Landesrecht durchgeführt werden: In Österreich geht es um die Signa-Holding und damit um das Dachunternehmen René Benkos. Im Feuer stehen dabei fünf Milliarden Euro. Bei einer ersten Gläubigerversammlung bot der Insolvenzverwalter Christof Stapf eine Befriedigungsquote von 30 Prozent an. Anfragen beantwortet man nicht: „Dr. Stapf und sein Team konzentrieren sich derzeit voll und ganz auf die Aufarbeitung der Insolvenz und beantworten deshalb derzeit keine Presseanfragen“, ließ der Wiener Anwalt einen Sprecher mitteilen. Stapf hat angekündigt, seine Prüfung bis zum 29. Januar abgeschlossen zu haben. Am 12. Februar will er dann einen Sanierungsplan vorlegen.
Die Warenhaus-Sparte soll abgestoßen werden
Derweil wird in der Schweiz versucht, das Warenhausgeschäft von der Insolvenz der Muttergesellschaft abzuschirmen. Die für die Warenhauskette maßgebliche Gesellschaft nennt sich Signa Retail Selection und ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in der Schweiz. Der Züricher Rechtsanwalt Eugen Fritschi wurde vom Bezirksgericht dort als sogenannter provisorischer Sachwalter eingesetzt. Zuvor hatte sich der Verwaltungsrat der Signa Retail Selection geäußert und deutlich gemacht, dass mit einer Veräußerung von Unternehmensteilen zu rechnen ist – die Warenhauskette steht also zum Verkauf. Die Eröffnung der sogenannten provisorischen Nachlassstundung – vergleichbar mit einer Insolvenz in Eigenregie im deutschen Recht – ermögliche nun, auch Teile des Konzerns zu veräußern: „Dieser Schritt ermöglicht es dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung in Zusammenarbeit mit dem Sachwalter das Geschäft eigenverantwortlich und unabhängig von den Insolvenzen der restlichen Signa Gruppe geordnet und transparent abzuwickeln“, so der zuständige Verwaltungsratspräsident Christian Wenger. Und Anwalt Fritschi teilte auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit: „Als provisorischer Sachwalter bin ich nach schweizerischem Recht nicht der Vertreter der Schuldnerin, sondern stehe in einem Spannungsverhältnis zwischen der Schuldnerin, den Gläubigern und dem Gericht.“ Das unterscheidet das deutsche Insolvenzrecht maßgeblich vom schweizerischen.
In der Schweiz wird über Verkauf der Warenhauskette nachgedacht
In Deutschland hatte sich bei der letzten Kaufhof-Insolvenz der Sanierer Arndt Geiwitz um den Sanierungsplan gekümmert. Der vertrat den Konzern als Insolvenzverwalter, gleichzeitig galt er als Vertrauter Benkos. Der Schweizer Anwalt hingegen steht zwischen den Gläubigern und dem Mutterkonzern des Warenhauses. Er fügt an: „Den Sachwalter-Bericht muss ich innert der angesetzten Frist dem Gericht einreichen.“ Das wird dem Vernehmen nach in den kommenden Wochen geschehen. „Bis dahin kann ich keine spezifischen Informationen der Presse erteilen, da ich ausschließlich dem Gericht gegenüber Auskunft im Rahmen des Sachwalter-Berichts zu erteilen habe“, ergänzte der Schweizer Anwalt.
Derweil hat der Wiener Insolvenzverwalter mit seinem Team analysiert, wie das Benko-Imperium eigentlich zusammengesetzt ist. „Nach eigenen Angaben der Signa Holding im Insolvenzantrag verfügt allein die Holding über 53 direkte Beteiligungen an Gesellschaften und mittelbare Beteiligungen an mehreren hundert weiteren Gesellschaften“, heißt es. Das vorläufige Organigramm der Gruppe umfasse „insgesamt 46 Seiten im A3-Format“. Bisher hätten sich 43 Gläubiger mit Forderungen in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro gemeldet. Die Anmeldefrist für Forderungen endet am 15. Januar. „Es bleibt abzuwarten, ob die im Eigenantrag von der Signa Holding festgehaltenen, potenziellen Verbindlichkeiten in Höhe von fünf Milliarden Euro tatsächlich durch die Gläubiger zur Anmeldung gebracht werden“, heißt es weiter. In der Schweiz wird derweil über einen Verkauf der Warenhauskette nachgedacht. Im Gespräch sind einerseits thailändische Investoren: Der Handelsriese Central Group hatte bereits bei der britischen Luxus-Kaufhauskette Selfridges nach dem Insolvenzantrag Benkos im November das Zepter übernommen. Ende 2021 hatten die Thailänder zusammen mit Benko die Übernahme der Luxus-Warenhauskette verkündet. Ob die Kaufhof-Filialen allerdings zum Portfolio passen, ist völlig offen.
Peek & Cloppenburg hat doch kein Interesse
Für eine Überraschung sorgte am Mittwoch ein Bericht der Bild-Zeitung. Dort hieß es, ein aus Bayern stammender Manager der Modekette Peek & Cloppenburg mit Sitz in Düsseldorf würde den Mitarbeitern von Kaufhof Hoffnung schenken. Die Rede war von Stephan Fanderl, der aus einer Unternehmerfamilie in Ingolstadt stammt. Fanderl war bis 2020 Vorstandsvorsitzender bei Galeria Karstadt Kaufhof. Heute ist er Strategiechef der Modekette Peek & Cloppenburg. Doch offenbar handelt es sich dabei um eine Falschmeldung. „Wir können die Berichterstattung über die Übernahme der Warenhauskette Galeria nicht bestätigen“, sagte eine Sprecherin des Modekonzerns auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Und weiter: „Im Sinne der Beschäftigen von Galeria wünschen wir dem Unternehmen eine erfolgreiche Zukunft.“
