Nach Pleite von Benkos Signa droht Ungemach: Regensburgs Kaufhof-Mitarbeiter erleben Déjà-vu

Von Christian Eckl · 2. Dezember 2023 um 05:00

Die Schieflage des Mutterkonzerns Signa um René Benko bringt die Warenhauskette erneut in Probleme. Die Stadtspitze ist zuversichtlich, dass nicht weder eine Situation wie im Frühjahr droht und diesmal vielleicht sogar beide Häuser von der Schließung bedroht sind. Doch es kommt auch Kritik am Konzept des Warenhauses aus dem Handel.

Es ist bitter. Denn eigentlich läuft es jetzt wieder richtig rund: Die Mitarbeiter begrüßen die Kunden während des Weihnachtsgeschäfts mit einem Lächeln. Die Kunden kaufen dank Sonderangeboten auch die Ware, die nun wieder reichhaltig angeliefert wird. Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof erholt sich – und auch die beiden Standorte in Regensburg sind Umsatzbringer.

Hans Jürgen Burkert ist Betriebsrat im Kaufhof am Neupfarrplatz. „Wir erleben im Moment wieder einen Medientsunami wegen Signa“, sagt Burkert. Die Mitarbeiter in den Filialen würden das unterschiedlich aufnehmen. „Die einen sind resilienter, die sagen, das haben wir schon mal mitgemacht und das geht vorbei.“ Doch er erhalte auch Anrufe von Mitarbeitern, die sagen: „Jetzt geht es zu Ende mit uns.“ Er beruhigt dann und sagt: „Es ist doch ein Signa-Problem und keines von Kaufhof.“

Der Finanz-Jongleur wackelt

Dabei erlebten die Mitarbeiter der Filiale in der Altstadt am Neupfarrplatz noch bis Mai einen wahren Krimi um ihre Zukunft – die Rettung des Warenhauses im Herzen der Altstadt kam in letzter Sekunde. Und jetzt das: Erneut ziehen die wackeligen Finanz-Jonglagen des Milliardärs René Benko sowohl die Warenhäuser, als auch die Mitarbeiter vor Ort in einen Strudel. In einer knappen Mitteilung kommunizierte die Schweizer Signa-Tochterfirma Retail Selection, die für die Warenhaussparte zuständig ist, dass man einen neuen Eigentümer für Galeria Karstadt Kaufhof sucht.

„Aktuell ist Galeria von der Insolvenz von Signa noch nicht direkt betroffen“, sagt Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). „Wir sind zuversichtlich, dass dies nicht unmittelbar auf das Unternehmen durchschlägt und der Neustart im September der Beginn eines längerfristigen Engagements darstellt.“ Das sei natürlich „vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Galeria äußerst wichtig.“ Das Stadtoberhaupt hofft auch auf einen neuen Impuls, wenn die Gastronomie im vierten Stock wieder eröffnet. Den Kontakt zur Zentrale des Konzerns in Essen hält das Stadtoberhaupt nach wie vor: „Die Stadt steht regelmäßig im Austausch sowohl mit der Geschäftsleitung als auch mit der Zentrale, um den Neustart von Galeria konstruktiv zu begleiten.“

Trotz der dunklen Wolken, die nun erneut über den beiden Standorten in Regensburg aufgezogen sind, ist man in der Belegschaft zuversichtlich: „Wir sind zufrieden und arbeiten jetzt die Weihnachtszeit durch“, sagt auch Roman Kasimir, Geschäftsführer im Haus am Neupfarrplatz. Die Mitarbeiter wünschten sich, dass man auch die derzeitige Situation gut übersteht. „Wir wollen ein schönes Weihnachtsfest verbringen“, sagt Kasimir.

Das gilt auch für den Standort im Donau-Einkaufszentrum. DEZ-Geschäftsführer Thomas Zink freute sich in den vergangenen Monaten darüber, wie es läuft: „Die Entwicklung ist stabil und wir liegen umsatzmäßig über dem Vorjahr“, sagt Zink. „Die Warenversorgung ist gewährleistet und es gab bisher keine Probleme.“ Zink bedauert vor allem die Situation, die für die Kaufhof-Mitarbeiter entstanden ist. Sie sei „ein weiterer Unsicherheitsfaktor, nachdem sie schon durch zwei Insolvenzverfahren gehen mussten, was natürlich das Vertrauen in die zukünftige Arbeitsplatzsicherheit schwächt“, sagt Zink.

Der stationäre Handel erlebt derzeit einerseits eine durchaus hohe Nachfrage, andererseits sind die Rahmenbedingungen eher bedrückend. Die Beschaffungspreise würden durch die Erhöhung der Maut für Lastwagen deutlich steigen. „Inwieweit diese weitergegeben werden können, ist noch nicht absehbar“, sagt Zink. Aber er hat auch Positives zu berichten: So habe man im Handel mit deutlich höheren Energiepreisen für das Jahr 2023 gerechnet. Sorge um die Kaufhof-Standorte gibt es unter den Handels-Kollegen durchaus. Katrin Paschedag betreibt das La Donna Moden in der Goliathstraße. „Ich bin der Meinung, dass die Restrukturierungen nicht konsequent genug sind, um die Warenhäuser zukunftsfähig aufzustellen“, sagt Paschedag, die vor Ort auch in der Regensburger Ortsgruppe des Handelsverbandes aktiv ist. „Einen Käufer für die Warenhäuser zu finden, wird schwierig werden. Der Käufer bekommt dafür nur den Geschäftsbetrieb. Die wertvollen Immobilien sind im Besitz der Signa-Gruppe“, so Paschedag. Wobei die Immobilie in Regensburg sogar noch verkauft wurde. „Für die Innenstädte deutschlandweit wäre eine Schließung ein Schlag“, sagt Paschedag. Sie befürchtet klaffende Leerstände.

„Es ist doppelt bitter“

„Doppelt bitter“ sei die Situation nun für die Mitarbeiter, sagt auch Ingo Saar von Faszination Altstadt. „Auffallend war, wie motiviert die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Neustart mitgestaltet haben“, sagt er.

Ein Scheitern der Verhandlungen wären fatal für die Altstadt, sagt Saar: „Es würde ein Anlaufpunkt wegfallen, der etwa 20 Prozent der Verkaufsfläche in der Altstadt ausmacht und selbst bei mäßigem Geschäftsgang Hunderte Kunden täglich anzieht“, so Saar.