Galeria Kaufhof: Benko-Pleite hat Auswirkungen auf Regensburg

Nicht schon wieder! Die dramatische Entwicklung rund um den Investor René Benko und die Mutter-Holding Signa erreicht Regensburg.
Nach dem Abschluss des letzten Insolvenzverfahrens im April, in dem nach einer dramatischen Rettungsaktion alle beiden Standorte erhalten blieben, ist jetzt wieder alles offen – diesmal steht das gesamte Signa-Konstrukt Benkos im Feuer.
Kaufhof wieder in „Notbetrieb“
Nach Informationen der MZ hat man die Kaufhäuser – auch die beiden am Neupfarrplatz und im DEZ – in den „Notbetrieb“ versetzt. Das bedeutet, dass wie vor der letzten Insolvenz im Oktober 2022 Ausgaben auf ihre absolute Notwendigkeit überprüft werden.
Anrufbeantworter geht ran
In der Kommunikation nach Außen hat der Konzern bereits eine Kehrtwende vollzogen. „Ich darf keine Auskünfte mehr geben, bitte wenden Sie sich an die Pressestelle in Essen“, sagte Roman Kasimir, Geschäftsführer der Filiale am Neupfarrplatz. Dort ist der Anrufbeantworter aktiviert worden. Auf eine schriftliche Anfrage reagierte man nicht. Der Insolvenzverwalter des Benko-Mutterkonzerns Signa Holding, der Wiener Rechtsanwalt Christof Stapf, lässt auf Anfrage lediglich mitteilen: „Dr. Stapf und sein Team konzentrieren sich derzeit voll und ganz auf die Aufarbeitung der Insolvenz und beantworten deshalb derzeit keine Presseanfragen.“ Laut österreichischen Medien geht es allein bei der Holding um Verbindlichkeiten von fünf Milliarden Euro.
„Die Lage ist erneut ernst“
Vergangenen Donnerstag war Hans Jürgen Burkert, Betriebsrat im Haus am Neupfarrplatz, bei einem Treffen mit seinen Kollegen in Nürnberg. „Die Liquidität von Galeria muss bei über 90 Millionen Euro liegen, weil sonst der Warenkreditversicherer abspringt“, sagt Burkert über die Informationen, die er in Nürnberg erhalten hat. Die Lieferanten würden ohnehin schon Vorabkasse berechnen. „Dabei läuft das Geschäft gut“, so Burkert. Jede Ausgabe müsse nun geprüft werden, das sei auch an die Mitarbeiter kommuniziert worden. „Daran sieht man natürlich, wie ernst die Lage erneut ist“, sagt Burkert. Dabei laufe es gerade gut – und auch die neue Führung von Galeria Karstadt Kaufhof sei „viel vertrauenserweckender als die alte“, so Burkert.
Unsicherheit herrscht auch bei der Gewerkschaft. Christin Rappl von der Gewerkschaft verdi sagte zur MZ: „Bisher wissen wir noch nicht viel.“ Es gebe derzeit keinen aktuellen Stand darüber, ob die Zukunft der Kaufhof-Filialen gefährdet und von einer Insolvenz betroffen sind. „Jetzt vor Weihnachten ist die Situation sehr schwierig für die Kaufhof-Mitarbeiter“, sagte Rappl. „Die bekommen natürlich mit, dass es Insolvenzen in dem Konzern gibt und sind verunsichert, ob sie erneut betroffen sein werden.“
Unklarheit über die Gastro
Bisher hieß es, dass Ende November entschieden wird, wie es mit dem vierten Obergeschoss im Haus am Neupfarrplatz weitergeht. Doch auch hier herrscht: Schweigen. Vergangene Woche feierte noch die Belegschaft des Kaufhofs am Neupfarrplatz Weihnachtsfeier – schon diese Woche wäre das aufgrund des Notbetriebs wohl so nicht mehr möglich. Mehrere bekannte Regensburger Gastronomen hatten sich um die Nutzung der Fläche mit der berühmten Dachterrasse bemüht. Einer, der mit der Sache betraut ist, sagt: „Da müsste man zwischen einer halben und einer Million Euro investieren – und wer tut das, wenn man nicht einmal weiß, wem die Immobilie eigentlich gehört?“ In der Tat ist bis heute letztlich ungeklärt, an wen die markante Immobilie am Neupfarrplatz veräußert wurde. Nach wie vor wird sie von einer Kaufhof Regensburg GmbH betrieben. Die nimmt einerseits Mieten von der Warenhauskette für die Verkaufsflächen ein, zahlt andererseits Erbpachtzins an die Erbengemeinschaft des früheren Regensburger Modehauses Fischl. Selbst bei der Familie Fischl ist bis heute unklar, von wem man eigentlich Erbpacht erhält.
Nur dass die Immobilie nicht mehr zu Benkos Konglomerat gehört, hat die MZ schriftlich. „Die Immobilie ist nicht im Besitz von Signa“, sagte Robert Leingruber bereits Ende November 2022. Er ist Sprecher der Signa. Der Investmentmanager Apollo Global Management mit Sitz in New York hatte im April 2020 über das Bundeskartellamt den Kauf von 17 Immobiliengesellschaften angemeldet, in der bis zu 30 Warenhaus-Immobilien verwaltet werden. Ob darunter auch die Kaufhof Regensburg GmbH war und damit das Warenhaus am Neupfarrplatz, ist offen – bei Apollo antwortete man auf Anfragen nicht.
Das Konstrukt
Mit der Signa Holding GmbH ist in Wien die Muttergesellschaft der etwa 1000 unterschiedlichen Unternehmen Benkos in ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gegangen. Zu dieser Holding gehört auch die Signa Retail Selection AG mit Sitz in der Schweiz. Dieser gehört das Geschäft um Galeria Karstadt Kaufhof. Auch die Signa Retail Selection hat eine Liquidation beantragt. Im Schweizer Wirtschaftsrecht heißt ein solches Verfahren Nachlassstundung. Auch hier wird geordnet abgewickelt, heißt es aus der Schweiz.
