Nach Neunburg kommen mehr Touristen: Investitionen sind ein Grund dafür

Über mangelnde Nachfrage können sich Neunburgs Hoteliers keineswegs beklagen. In die Pfalzgrafenstadt strömen so viele Urlauber wie in keinen anderen Tourismusort im Oberpfälzer Wald. Auch 2023 gingen die Übernachtungszahlen wieder nach oben.
Dennoch hat Markus Greiner sein Panorama-Hotel am See im Februar für eine Woche geschlossen. Aus gutem Grund: In der kurzen Schließzeit wurden gut die Hälfte der Zimmer modernisiert und die Teppichböden in den Fluren erneuert. Und der Hotelier vom Eixendorfer See wird noch weiter investieren: In den nächsten Wochen und Monaten werden die Bäder in den Zimmern neu gestaltet und die Balkone umgebaut.
In einem Hotel wie dem seinen müsse immer etwas getan werden, sagt Greiner, der auch Vorsitzender des Tourismusvereins Neunburg ist. So wurden zuletzt die Außenanlagen umgestaltet und das Kiesbett auf dem Flachdach erneuert. Und der Chef vom Panorama-Hotel hat jede Menge Pläne für die Zukunft. So sei ein weiterer Carport geplant, auf dem auch Solarpanels installiert werden sollen. Knapp 70 Prozent des Stroms, der im Hotel verbraucht wird, wird durch eigene Anlagen produziert.
Panorama-Hotel am See hat doppelt so viele Gäste wie 2007
Die bisherigen Investitionen wirken sich auf die Gästezahlen aus. Die konnten seit 2007 verdoppelt werden, berichtet Greiner. Die durchschnittliche Jahresauslastung liege heute bei gut 64 Prozent. Im Sommer kommen natürlich deutlich mehr Gäste als in der kalten Jahreszeit. Je näher der Sommer rücke, desto höher steige die Auslastung. In Spitzenzeiten seien es um die 90Prozent.
Aber auch wenn die Zahl der Urlauber im Winter zurückgeht, sei das Hotel in dieser Zeit heute besser ausgelastet als früher. Mit dem Bau einer Sauna und der Schaffung von Tagungsräumen konnte auch die Nachfrage in der Winterzeit erhöht werden. „Unseren Mitarbeitern können wir jetzt über das ganze Jahr Vollbeschäftigung garantieren“, meint Greiner.
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sei das sehr wichtig. Die Angestellten im Winter aufs Arbeitsamt zu schicken und sie ab Frühjahr wieder zu beschäftigen, würde heute nicht mehr funktionieren, ist er sich sicher.
Infrastruktur des Reit- und Pferdebetriebes wurde verbessert
Markus Greiner ist längst nicht der einzige Neunburger Hotelier, der in den vergangenen Jahren seinen Betrieb erweitert oder modernisiert hat. Im Kollerhof, in dem seit 1974 Urlauber auch übernachten können, wurde in den vergangenen Jahren die Qualität erhöht durch die Modernisierung der Gästewohnungen.
Im Vorjahr habe das Augenmerk vor allem auf der Verbesserung der Infrastruktur des Reit- und Pferdebetriebes gelegen, berichtet Günter Koller. So wurde beispielsweise in die Sattelkammer und das Reiterstübl investiert, auch zwei Wohnungen fürs Personal sind entstanden und die Sanitäranlagen erneuert worden.
Das spiegelt sich in den Gästezahlen wider. Waren die Hauptferien schon immer sehr gut belegt, kommen inzwischen mehr Urlauber an den Wochenenden und in der Zwischensaison. Das gehe laut Koller darauf zurück, dass die Menschen zunehmend auch zwischen den Haupturlaubsreisen etwas Erholung suchen würden. Während die Kurztrips ebenso kurzfristig gebucht werden, wollen die Touristen ihren Haupturlaub rechtzeitig klarmachen. „Wir haben jetzt schon Buchungen für Sommer 2025“, sagt Günter Koller.
Bei der Herkunft der Gäste gibt es über die Jahre deutliche Verschiebungen. Übernachteten bis 1990 sehr viele Berliner auf dem Kollerhof, brach deren Zahl danach stark ein und steigt in den vergangenen Jahren wieder, erklärt Koller. Zu den Gästen gehören inzwischen auch viele Reisende aus Sachsen und Thüringen sowie Österreich und der Schweiz.
Kürzere Aufenthaltsdauer als früher
Die Urlauber mit einer weiten Anreise stellen im Kollerhof die klare Mehrheit – anders als im Panorama-Hotel am See. Hier habe es eine deutliche Verschiebung hin zu den Urlaubern aus dem Nahbereich bis 100 Kilometer gegeben, so Greiner. Dadurch verändert sich auch die Reisedauer: Blieben die Gäste früher im Schnitt sieben Tage bis zwei Wochen, ist der Aufenthalt heute noch durchschnittlich 2,05Tage lang.
Die neuen Tiny-Häuser am Eixendorfer See werden auch mal nur für zwei Nächte angemietet, meist bleiben die Gäste aber zehn Tage oder länger. „Umso länger die Buchungen sind, umso weiter ist die Anreise“, stellte Betreiber Bernd Mehltretter fest. Im vergangenen Herbst begann er mit der Vermietung der Tiny-Häuser. Anfangs standen neun solcher Häuser zur Verfügung, jetzt kommen zwei weitere dazu. Mehltretter orientiert sich damit an der Nachfrage. Die ersten neun Häuser sind für vier bis sechs Personen ausgelegt. Nur halb so groß sind die beiden neuen Häuser – denn Paare seien ebenfalls sehr interessiert, ein Tiny-Haus zu buchen, meint der Betreiber. Die Vermietung der Mini-Häuser sei auf jeden Fall gut angelaufen.
Birner: „Qualitätsoffensive ist enorm“
Bettina Maier-Wagner und Markus Wagner haben ihr Hotel und Wirtshaus daSporrer nicht nur um zwei Suiten und zwei Doppelzimmer mit insgesamt zwölf Betten erweitert, sondern auch die 2011 erneuerten Gästezimmer umgestaltet und komplett renoviert.
„Die Qualitätsoffensive unserer Betriebe ist enorm“, findet Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) und ist allen Anbietern für ihre Investitionsbereitschaft dankbar. Auch Markus Greiner findet, dass sich der Tourismus in Neunburg sehr gut entwickelt hat, qualitativ und quantitativ. Man müsse sich aber die Frage stellen, wo man hinwolle: 120000 Übernachtungen und diese Gäste vernünftig bedienen oder immer weiter bis auf 200000 erhöhen. Greiner plädiert eher für das erste Modell – das kaum weniger anspruchsvoll ist.

