Wieder mehr als 100.000 Übernachtungen: Neunburg blickt auf ein gutes Tourismusjahr zurück

Von Jan Lange · 16. Mai 2023 um 13:00

Die Corona-Krise ist vorbei – das wird an der Tourismusstatistik von Neunburg deutlich. 2022 gab es erstmals seit drei Jahren wieder bei mehr als 100.000 Übernachtungen. Potenzial für weitere Steigerungen sehen die Hoteliers vor allem in der Nebensaison.

Wenn Günter Koller auf die Reservierungen der kommenden Monate schaut, dann ist derInhaber des Kollerhofessehr zuversichtlich, dass heuer ein genauso gutes Tourismusjahr wie 2022 wird. Das Vorjahr sei ein Top-Jahr gewesen, die Ferien waren ausgebucht, sagt Koller.

Die Lust aufs Verreisen nach den Corona-Jahren ist groß:Die Übernachtungszahlen befanden sich 2022auf einem Niveau wie vor Corona. Sie haben sich von den Einbrüchen während der Pandemie erholt. In den Jahren 2020 und 2021 waren die Übernachtungenerstmals seit 2014unter die 100.000er-Marke gefallen.

Dass der Rückgang in dieser Zeit nicht noch deutlicher ausfiel, ist den Campern zu verdanken, die 2020 und 2021 so zahlreich nach Neunburg kamen wie seit Jahren nicht.

„Mit knapp 9000 Übernachtungen im Jahr 2022 sind die Zahlen beim Camping sehr hoch geblieben und die positive Entwicklung hin zum Individual-Urlaub setzte sich fort“, resümierteUlrike Meixner vom Stadtmarketingund fügte hinzu: „Die Zahlen dürften womöglich aufgrund der Übernachtungsmöglichkeit am Freibad, die sehr sehr gut genutzt wird, sogar deutlich höher liegen.“

Pensionen geschlossen – weniger Betten

Während Hoteliers wie Günter Koller von der Nach-Corona-Reiselust profitieren, sind die Zahlen bei den Privatvermietern gesunken. Der Generationswechsel habe eingesetzt und viele Anbieter hätten ihre Ferienwohnungen oder Pensionen geschlossen, erklärte Meixner den Grund des Rückganges. Das wirkt sich auch auf die Anzahl der Betten aus, die heuer mit 761 so niedrig ist wie seit 2002 nicht mehr. Im Jahr 2017 lag die Zahl mehr als 200Betten höher, damals der beste Wert seit 2005. Bei den Übernachtungen war 2017 das beste Jahr in der Neunburger Geschichte. Das habe vor allem am Jubiläum 1000 Jahre Neunburg gelegen, erklärte Meixner.

Dass die Übernachtungszahlen trotz des Rückgangs der Bettenkapazitäten weiterhin so hoch sind, sei auch den enormen Investitionen vieler Hoteliers zu verdanken, zeigte sich Bürgermeister Martin Birner (CSU) überzeugt. Er sei allen dankbar, die – auch während der Corona-Krise – investiert haben. Als Beispiel nannte er unter anderem denBirkenhof im Ortsteil Hofenstetten. Man wachse stetig, erklärteHotelchef Hubert Obendorferkürzlich bei derÜbergabe der Sterne-Plakettefürdas Restaurant Eisvogel. Das Plateau, wo man hinwolle, sei noch nicht erreicht. Es gebe Ziele, die es noch zu erreichen gelte. Zu den derzeit 84 Gästezimmern sollen in den nächsten Jahren 15 hinzukommen. Eine Grenze ziehtHubert Obendorferaber: Mehr als 100 Zimmer sollen es nicht werden.

Personalmangel ist Hindernis für weitere Investitionen

Auch im Kollerhof wurde angebautund Zimmer zu größeren Suiten zusammengelegt. Man sei permanent dabei, die Qualität zu steigern. Er könnte durchaus noch weiter ausbauen, so Günter Koller. Ein Hindernis sei dabei aber der Personalmangel, den auch die Neunburger Hoteliers und Gastronomen deutlich zu spüren bekommen.

Für die Mitarbeiter aus dem Ausland würden sich außerhalb kaum noch Unterbringungen finden. Deshalb müssten im eigenen Haus Betten zur Verfügung gestellt werden. „Die fehlen dann im Gesamtpaket“, meinte Markus Greiner,Vorsitzender des TourismusvereinsNeunburg undInhaber des Panorama-Hotels am See.

Potenzial sieht er in der Nebensaison. Während die Auslastung zwischen Pfingsten und Oktober bei gut 80 Prozent liege, gebe es deutlich mehr freie Kapazitäten in den restlichen Monaten. Die Region müsse nicht nur in der Haupt-, sondern auch in der Nebensaison ein beliebtes Ziel sein. Greiner erwartet, dass Tourismusverbände wie das Oberpfälzer Seenland, zu dem auch Neunburg gehört, ihre Werbung diesbezüglich verstärken und vor allemgezielt Wandererund Radfahrer ansprechen.

Jeder zweite Urlauber kommt wieder

Fast alle Urlauber, die in die Oberpfalz kommen, würden sie als Super-Gegend bezeichnen, so Greiner. Jeder zweite Tourist, der die Region das erste Mal besuche, komme auch wieder. Bei Umfragen zeige sich jedoch, dass nur wenige Reisewillige überhaupt wissen, wo die Oberpfalz liege.

Um die Gegend attraktiver zu machen, kann sich der Vorsitzende des Neunburger Tourismusvereins auch eine gemeinsame Karte fürs Oberpfälzer Seenland vorstellen, mit der die Urlauber mehrere Angebote nutzen könnten. Eine solche Karte werde auch in anderen Tourismusregionen angeboten. So könnten die Urlauber auch länger in der Region gehalten werden. Derzeit liege die durchschnittliche Aufenthaltsdauer zwischen drei und vier Tagen. Sie ist damit bereits höher als vor Corona.

Aus Sicht der Vermieter tue die Stadt Neunburg alles, um den Tourismus weiter zu stärken. Sehr wichtig sei vor allem der Breitbandausbau. Denn zuerst würden die Urlauber nach dem Schlüssel und danach sofort nach dem WLAN-Code fragen, erklärte Koller.

Ein Blick in die Statistik

Ankünfte:2022 zählte Neunburg 35.411 Ankünfte, das ist in etwa das Vor-Corona-Niveau (2019:40.028). In den Jahren 2020 (26.232) und 2021(27.425) lag die Zahl deutlich unter der 30.000er-Marke.

Übernachtungen:Im Jahr 2022 gab es insgesamt 112.002 Übernachtungen. Auch hier wurde das Vor-Corona-Niveau in etwa erreicht: Im Jahr 2019 waren es 113.824 Übernachtungen. 2020 lag die Zahl bei 87.229 und 2021 bei 94.090.

Bereiche:Die gewerblichen Betriebe zählten im Vorjahr 97.474 Übernachtungen (2019: 97.059). Bei den privaten Vermietern waren es 5647Übernachtungen (2019:9093). Der Bereich Camping verzeichnete 8881Übernachtungen (2019:7672). Beim Camping gab es während der CoronaPandemie eine deutliche Zunahme: 2020 waren es 10.115 und 2021 insgesamt 10.670Übernachtungen.

Betten:2022 standen in Neunburg 847 Betten für Urlauber zur Verfügung, 2023 sind es nur noch 761. Der Trend zeichnete sich schon in den Vorjahren ab: 2019 gab es noch 912 Betten, 2020 sank die Zahl auf 884 und 2021 auf 876. Den höchsten Wert im 20-Jahres-Vergleich hatte Neunburg 2005 mit 990 Betten. Bei den gewerblichen Betrieben sank die Zahl der Betten in den vergangenen Jahren kontinuierlich von 792 im Jahr 2020 auf 681in 2023. Bei den Privatvermietern war die Entwicklung unterschiedlich: 2019 gab es 120 Betten, 2020 dann 92, 2021 waren es 89 und 2022 waren es mit 94Betten wieder mehr. Heuer wurde mit 80 Betten der niedrigste Stand in den zurückliegenden 20 Jahren erreicht.