Schoko-Osterhasen und Kakao-Krise: Hersteller blicken auf wichtiges Saisongeschäft

Von Lorenz Nix · 27. März 2024 um 19:00

Der Kakaopreis durchbricht eine Schallmauer nach der anderen. Die Kostensteigerungen wirken sich auch auf Schokoladenproduzenten in der Region aus – beispielsweise auf die vegane Chocolaterie La Mara. Für sie und auch die Confiserie Seidl in Laaber im Kreis Regensburg ist Ostern nach Weihnachten das zweitwichtigste Saisongeschäft.

Binnen eines Jahres hat sich der Kakaopreis auf dem Weltmarkt mehr als verdreifacht. Auch die Importpreise sind um etwa 73 Prozent gestiegen. Von einem Schokoladen-Mangel ist aktuell allerdings nichts zu spüren: Kurz vor Ostern stehen die Schoko-Hasen in den Supermarktregalen dicht an dicht. Deren Anzahl ist im Vergleich zum vergangenen Jahr sogar etwas gestiegen. Heuer wurden hierzulande laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie 240 Millionen Exemplare gefertigt – 0,5 Prozent mehr als 2023.

Dass die Oster-Naschereien allerdings meist teurer sind als noch im vergangenen Jahr, verwundert mit Blick auf die steile Kakaopreis-Kurve wenig. Verantwortlich für letztere zeichnet der Klimawandel. „Extremwetterereignisse wie länger anhaltende Dürreperioden, Starkregen oder Überflutungen führen zu geringeren Erträgen und Qualitäten und sogar zu vollständig zerstörten Ernten“, erklärt Kerstin Weber, Referentin für Agrarökologie bei der Umweltorganisation WWF in einer Mitteilung. Der Kakaoanbau habe in vielen Gebieten nur eine Zukunft, wenn man rechtzeitig nötige Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel ergreife. Dazu gehörten naturnahe Agroforstsysteme mit vielen verschiedenen Baum- und Pflanzenarten.

La Mara aus dem Kreis Regensburg: Erfolgreiches Ostergeschäft

Das liegt auch den Gründern der veganen Chocolaterie La Mara aus Barbing (Lkr. Regensburg) am Herzen. Das junge Unternehmen kooperiert direkt mit Kakaobauern in den Anbauländern und hat nun sein drittes Ostergeschäft hinter sich – das bislang erfolgreichste, wie Co-Gründerin Tamara Seidenglanz sagt. Während La Mara im ersten Jahr nur auf Pralinen setzte, gab es heuer zum zweiten Mal auch Osterhasen. Bei diesen „Bunnys“ handele es sich nicht um klassische Hohlfiguren, sondern um Schokoladentafeln in Häschen-Form, erklärt Seidenglanz. Zu kaufen gab es die 60-Gramm-Nascherei für 5,50 Euro. Das sei fünf- bis sechsmal so teuer wie ein gleich großer Discounter-Hase, sagt die Konditorin. Die Nachfrage habe aber gezeigt, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit beim Ostereinkauf da ist. „Das freut uns sehr.“

Dabei ging der Kakaopreis-Höhenflug auch an La Mara nicht einfach so vorbei. Weil man Bauern und Aufforstungsprojekte unterstütze, habe man bereits früher den Preis gezahlt, der mittlerweile an der Börse gehandelt wird, sagt Seidenglanz. Nun zahle man entsprechend noch mehr. Auch deshalb und wegen der gestiegenen Transportkosten kam das Unternehmen nicht umhin, Produkte teurer zu machen: Im vergangenen Jahr kostete der „Bunny“ noch 4,90 Euro.

Bei der Confiserie Seidl aus Laaber sind nicht alle Oster-Produkte teurer geworden

Die gestiegenen Kosten machen auch der Confiserie Seidl in Laaber (Lkr. Regensburg) zu schaffen. Trotzdem sind bei dem Unternehmen nicht alle Oster-Produkte teurer geworden. Das liege unter anderem an längerfristigen Lieferverträgen, sagt Marketing-Leiter Jakob Hilber. Er verdeutlicht aber die allgemeine Entwicklung anhand des Kilopreises für Rohschokolade. Der liege mittlerweile bei 15 bis 18 Euro, so Hilber. Vor zwei Jahren habe die Confiserie teilweise 3,50 Euro zahlen müssen.

Für Seidl ist Ostern – wie auch bei La Mara – nach Weihnachten das zweitwichtigste Saisongeschäft. Die Osterproduktion läuft bei der Confiserie im Februar an. Gefertigt wird bis kurz vor den Feiertagen. Dass sich unverkaufte Saison-Süßigkeiten danach noch im Lager stapeln, kommt Hilber zufolge nicht vor: „Wir können nach Verbrauch produzieren.“ Ostern mache ungefähr 15 Prozent des Jahresumsatzes aus, sagt der Marketing-Leiter.

Fruchtgummi-Hersteller Trolli: Halloween statt Ostern

Allerdings ist das Fest nicht nur für die Schokoladenproduzenten wichtig. Auch andere Teile der Süßwarenbranche versuchen die Oster-Welle mitzureiten. So zum Beispiel der Fürther Fruchtgummi-Hersteller Trolli, der unter anderem in Neunburg vorm Wald (Lkr. Schwandorf) ein Werk betreibt: Das Ostergeschäft sei ein „wichtiger Saisonanlass“, sagt Melanie Gößwein, Produkt-Managerin bei Trolli. Sie bezeichnet Weihnachten und Ostern als „bedeutsame Umsatzschwerpunkte“, allerdings stehe ein ganz anderes Event mittlerweile an erster Stelle. Und das muss sich Trolli wohl kaum mit den Schokoherstellern in Deutschland teilen: Halloween.