So beeinflusst der Klimawandel den Tourismus in Ostbayern

5,3 Millionen Gäste und 16,7 Millionen Übernachtungen in 2023 – der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Ostbayern. Die sich ändernden klimatischen Bedingungen stellen die vielseitige Branche allerdings vor Herausforderungen.
Die Region befinde sich diesbezüglich „seit Jahren in einem Transformationsprozess“, sagt Ulrike Eberl-Walter, Pressereferentin des Tourismusverbands Ostbayern (TVO). In sämtlichen Bereichen beschäftige man sich längst intensiv mit dem Klimawandel und dessen Auswirkungen. Es gelte sich anzupassen, sagt Eberl-Walter. Je nach Teilbranchen seien die Herausforderungen aber ganz unterschiedlich.
„Wir sind in stetem Austausch mit den touristischen Akteuren in der Region“, erklärt ein Sprecher des Nationalparks Bayerischer Wald. Dort habe der Klimawandel „bereits jetzt sichtbare Spuren hinterlassen“. Der Sprecher verweist auf die Werte der Wetterstation im Bergdorf Waldhäuser (Lkr. Freyung-Grafenau). Dort, in 945 Metern Höhe, lag die Durchschnittstemperatur demnach im vergangenen Februar bei 3,5 Grad. „Der bisherige Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1972 betrug 2,3 Grad, der Mittelwert sogar nur Minus 1,8 Grad“, so der Nationalpark-Sprecher. Die Schneedecke sei im abgelaufenen Monat maximal drei Zentimeter hoch gewesen – das langjährige Februar-Mittel liege bei 83,3 Zentimetern.
Outdoorsaison für Radfahrer und Wanderer wird länger
Was solche Werte für den Tourismus im Nationalpark und auch in der ganzen Region bedeuten, liegt auf der Hand: „Da die Winter kürzer werden, verlängert sich im Gegenzug die Outdoorsaison für Radfahrer und Wanderer“, sagt Michael Braun, TVO-Vorstand und Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Mittelgebirge.
Das bedeute aber nicht, komplett auf Wintersport verzichten zu müssen, ist Braun überzeugt. Und auch Astrid Piermeier, Leiterin der Tourist-Information in Sankt Englmar (Lkr. Straubing-Bogen), sagte kürzlich gegenüber der Mediengruppe Bayern: „So lange Skifahren möglich ist, werden wir es auch anbieten.“
Arber-Bergbahn zeigt sich optimistisch
Als magische Grenze für mehr oder weniger schneesichere Winter gilt aber eine Höhe von 1000 Metern. Das erreicht nur eine Talstation in Ostbayern: Die der Arber-Bergbahn auf 1050 Metern. Dort gibt man sich deshalb optimistisch. „Die Zukunft des Skigebiets wird durch das einzigartige Mikroklima um den Arber herum gesichert“, sagt Thomas Eckl, stellvertretender Betriebsleiter. Der gesamte Höhenzug sei sehr naturschneesicher, zusätzlich habe man Beschneiungsanlagen. „Am Arber werden die möglichen Beschneitage noch lange nicht alle ausgenutzt und somit sind wir auch für einen längerfristigen Zeitraum sicher, den Skibetrieb vernünftig durchführen zu können“, sagt Eckl. Auch diesen Winter sei man bereits bei über 100 Betriebstagen.
„Innovative Beschneiung mit zum Teil satellitenunterstütztem Schneemanagement“ sieht auch TVO-Vorstand Braun als Möglichkeit, um einen „qualitativ guten Ski- und Wintersport“ zu sichern. Ihm zufolge ist der Einsatz von Schneekanonen dann auch nicht per se umweltschädlich: Weil so „Wintersport, Winterausflüge und -urlaube auf kurzen Wegen erreichbar sind“.
Grundsätzlich müsste man Mittelgebirge als „Ganzjahresdestinationen“ sehen, sagt Braun. Deshalb wird auch am Arber an Sommerkonzepten gearbeitet – laut Eckl aber nicht, um den Skibetrieb zu ersetzen, sondern um auch in der wärmeren Jahreszeit ein vielfältigeres Angebot bieten zu können. Aktuell plane man beispielsweise einen Bikepark, erklärt der stellvertretende Betriebsleiter.
Regensburger Altstadt heizt sich besonders stark auf
Aber nicht nur in den Mittelgebirgen wird es wärmer. Dass es immer mehr sogenannte Hitzetage gibt, wirkt sich auch auf den Städtetourismus aus. Besonders betroffen ist beispielsweise die touristisch stark frequentierte Regensburger Altstadt. Die steinernen Plätze und Gassen heizen sich im Sommer besonders stark auf. Das könne dazu führen, dass weniger Besucher in die Stadt kommen, heißt es von der Regensburg Tourismus GmbH. Und auch ganz direkt bedroht der Klimawandel das Weltkulturerbe: Extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Stürme könnten die historische Bausubstanz schädigen, schreibt die Tochtergesellschaft der Bezirkshauptstadt.
Sichtbar werden die Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus in der Stadt bereits jetzt außerdem Jahr für Jahr am Donauufer: Die Schifffahrt ist mittlerweile regelmäßig mit Niedrigwasser konfrontiert. Für Kreuzfahrtschiffe bedeutet das mitunter, dass sie tagelang in Regensburg festsitzen, weil der Abschnitt nach Passau nicht oder nur eingeschränkt befahrbar ist.
Donaupegel schwanken stärker als früher
Auch flussaufwärts kennt man dieses Problem nur zu gut. Grundsätzlich seien „häufige und auch starke Pegelschwankungen“ aber normal, sagt Karin Steibl-Lotter, Geschäftsführerin der Steibl Personenschifffahrt in Kelheim. „Auffällig ist jedoch, dass diese Schwankungen in den letzten Jahren extremer geworden sind und schneller aufeinander folgen“, erklärt sie. Neben klimatischen Veränderungen sehen die Kelheimer Schifffahrtsbetriebe auch Wasserkraftwerke als Ursache für Niedrigwasser. „Wenn die Donau wenig Wasser führt, funktionieren die Regulierungssysteme in den Staustufen nicht mehr immer punktgenau“, sagt Steibl-Lotter. Unklar sei außerdem, wie viel Wasser der Donau zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen entnommen wird. „Für die Zukunft gehen wir davon aus, dass Hoch- und Niedrigwasserperioden in schnellerer Abfolge weiter zunehmen werden“, erklärt die Unternehmerin.
Tourismusverband Ostbayern blickt positiv in die Zukunft
Fakt ist: Für die Schifffahrts-Firmen gehen mit jeder ausgefallenen Fahrt wichtige Einnahmen verloren. In Kelheim ist man aber trotzdem zuversichtlich. Man habe schließlich einen gewissen „Wert für den Tourismusstandort Ostbayern“, sagt Steibl-Lotter. Gegen die klimatischen Bedingungen können die Unternehmen allerdings nur wenig ausrichten: „Was das Donauwasser angeht, müssen wir es nehmen wie es kommt.“
Trotz der Vielzahl an unterschiedlichen Herausforderungen blickt man auch beim Tourismusverband Ostbayern positiv in die Zukunft. Durch das gemäßigte Klima sei man auch nicht in dem Ausmaß betroffen, wie zahlreiche andere Regionen auf der ganzen Welt, so Eberl-Walter. Andernorts leite man beispielsweise Wanderwege so um, dass sie mehr im Schatten verlaufen. „So weit sind wir bei uns zum Glück noch nicht“, sagt die Pressereferentin.

