Kakaopreis im Höhenflug: Das Ende der Schokolade?

Von Lorenz Nix · 25. Juli 2023 um 05:00

Der Preis für Kakao auf dem Weltmarkt hat schwindelerregende Höhen erreicht. Anfang Juli stieg der Kurs zwischenzeitlich auf umgerechnet etwa 3550 Euro pro Tonne – laut Rohstoffanalysten der höchste Wert seit 40 Jahren. Zwischenzeitlich ist er zwar wieder etwas gesunken, steigt aktuell aber erneut. Wird Schokolade jetzt teurer?

„Der Kakopreis bewegt sich tendenziell immer nur nach oben“, zeigt sich Jakob Hilber, Sprecher der Confiserie Seidl in Laaber im Landkreis Regensburg, eher unbeeindruckt. Hohe Rohstoffkosten ist man bei dem Familienunternehmen gewohnt. So sei beispielsweise die Entwicklung des Zuckerpreises in den letzten Jahren „surreal“ gewesen, sagt Hilber.

Planet A Foods: Die Confiserie Seidl aus Laaber hat noch einen Trumpf im Ärmel

Beim Kakao verlässt sich die Confiserie Seidl ohnehin nicht auf den Weltmarkt. Stattdessen setze man vor allem auf längerfristige Verträge mit Zulieferern. Und sollte der Kakaopreis immer weiter steigen, hat das Oberpfälzer Unternehmen ohnehin noch einen Trumpf im Ärmel: Seit geraumer Zeit kooperiert es mit dem Start-Up Planet A Foods, deren kakaofreie Schokolade Nocoa bei Seidl hergestellt wird.

„Das ist ein zusätzlicher Baustein“, sagt Hilber. Denn, dass der Rohstoff Kakao in Zukunft knapp werden wird, ist wahrscheinlich. Manche Experten sagen sogar eine Halbierung der jährlichen Erntemenge bis 2050 voraus.

Grund dafür ist wohl vor allem der Klimawandel. Der sorgt schlicht und ergreifend dafür, dass sich die Bauern in den Anbauregionen nicht mehr auf die gewohnten klimatischen Bedingungen verlassen können. Je nach Region kommt es etwa zu steigenden Temperaturen, mehr beziehungsweise veränderten Niederschlägen oder längeren Dürreperioden.

Klimawandel und El Niño bringen das Wetter durcheinander

So sind unter anderem starke Regenfälle in Westafrika ein Grund für den in den letzten Wochen sprunghaft gestiegenen Kakaopreis. Aus der Region, vor allem aus Ghana und der Elfenbeinküste, kommen knapp 80 Prozent des weltweiten Kakaos. Wegen der wochenlangen Niederschläge wird nun befürchtet, dass Krankheiten – allen voran Pilze – den Bäumen sehr zusetzen werden. Auch das Phänomen El Niño, das alle paar Jahre das Wetter im Pazifikraum durcheinander bringt und aktuell aufzuziehen scheint, bereitet Sorgen. In Westafrika sorgt es für meist lange Trockenperioden – ebenfalls alles andere als ideal für den Kakaobaum.

Die Internationale Kakao-Organisation (ICCO) hat kürzlich ihre Prognose für das laufende Erntejahr – Oktober 2022 bis September 2023 – entsprechend korrigiert: Statt einem Kakaodefizit von 60.000 Tonnen erwartet die ICCO nun 142.000 Tonnen. Beim Defizit handelt es sich um die Menge Kakao, die weniger geerntet als verarbeitet wird und deshalb aus Lagerbeständen gedeckt werden muss.

Verwunderlich ist der Preisanstieg beim Kakao also nicht. Aber macht der auch die Schokolade teurer? Jakob Hilber von der Confiserie Seidl zufolge bleibt das auf lange Sicht nicht aus. „Wir müssen sauber durchkalkulieren“, sagt der Sprecher. Immer wieder passe man die Preise an, gehe dabei aber sehr vorsichtig vor.

Eine Wahl hat die Confiserie im Landkreis Regensburg dabei wohl nicht: Die Industrie kämpft schließlich nicht nur mit den hohen Rohstoffkosten. Die sind zwar laut einer Umfrage des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) unter seinen Mitgliedern die größten Kostentreiber, dicht dahinter folgen aber die gestiegenen Energiepreise und die höheren Personalkosten.

Mars schließt Schokoriegel-Engpässe bei Snickers, Twix und Co. aus

Auch die großen Player sind davon nicht ausgenommen. „Aktuell agieren wir in einem volatilen Umfeld unter hohem Kostendruck“, sagt Nadine Boch, Sprecherin von Mars Deutschland in Unterhaching bei München. Außerdem würde man immer weiter in Nachhaltigkeit, Produktion und Logistik investieren. Ein „gewisses Maß an Preisanpassung“ könne so notwendig sein, sagt Boch. Zu Engpässen bei Snickers, Twix und Co. werde es aber nicht kommen: Durch „robuste Lieferketten“ beuge man leeren Regalen effektiv vor.

Nichtsdestotrotz heißt es vom BDSI: Die Branche sei von Unsicherheit geprägt – Unsicherheit, die es auch im September 2021 bereits gab. Damals gründeten Tamara Seidenglanz und Maximilian Wittl die vegane Chocolaterie La Mara in Barbing bei Regensburg. Sie hätten damals natürlich überlegt, ob Schokolade nicht ein Auslaufmodell sei, sagt Seidenglanz heute. Sie ist sich sicher: „Billig-Schokolade wird es irgendwann nicht mehr geben.“ Der nachhaltige Premium-Bereich, in dem La Mara tätig ist, werde aber nicht aussterben, ist die Konditorin überzeugt.

Die Chocolaterie La Mara aus Barbing kauft ohnehin bereits teurer ein

Die gestiegenen Kakaopreise auf dem Weltmarkt hätten indes keine Auswirkungen auf die Chocolaterie: Weil man nur die „Crème de la Crème“ kaufe und dabei nahezu direkt mit den Landwirten zusammenarbeite, habe man schon immer mehr bezahlt. Erst kürzlich seien die beiden Gründer in Peru gewesen und hätten Kakaobauern besucht, erzählt Seidenglanz. Sie ist überzeugt: Nachhaltigkeit könne nur funktionieren, wenn das Geld für den Kakao direkt bei den Landwirten lande. „Nur dann können unsere Kinder auch noch Schokolade essen.“

In Laaber übt man sich ebenfalls in Optimismus: Man versuche „innovativ und flexibel“ zu bleiben, sagt Jakob Hilber. So könne der Familienbetrieb den Herausforderungen des Marktes etwas entgegensetzen, ist sich der Seidl-Sprecher sicher.

Bei der Confiserie Seidl im Kreis Regensburg zeigt eine Elefantenfigur, wo der meiste Kakao produziert wird: in Westafrika. Lange Regenfälle machten den Bauern dort zu schaffen. Foto: Tino Lex