Händlmaier aus Regensburg: Sonnenstrom für Senf und Saucen

Es rattert und zischt in der Halle im Regensburger Stadtteil Haslbach. Im Sekundentakt werden Gläser mit süßem Senf befüllt, zugeschraubt und dann zu Hunderten auf Paletten gestapelt – alles vollautomatisch. Die Geräuschkulisse zeigt: Das Geschäft mit der braunen Gewürzpaste brummt, im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Luise Händlmaier GmbH hat die Schwierigkeiten des vergangenen Jahres überwunden und will nun mehr Fokus auf Nachhaltigkeit legen. Neue Maschinen sorgen für eine Steigerung der Senfproduktion.
Auf 10000 Quadratmetern Dachfläche will Händlmaier ab 2024 Sonnenstrahlen in Energie umwandeln. Das Ziel, das Firmenchef Franz Wunderlich ausgibt, ist ambitioniert: 100 Prozent Eigenstrom. Um das zu erreichen, muss der gewonnene Solarstrom allerdings auch gespeichert werden können. Hier wolle man frühzeitig Kapazitäten schaffen und sukzessive ausbauen, sagt Wunderlich. Die Frage nach den Speichermöglichkeiten von Strom ist ihm zufolge „das wichtigste Thema bei der Energie überhaupt“.
Elektrischer Fuhrpark für Regensburger Senfhersteller
Mit dem eigenen Strom vom Dach soll unter anderem der Firmen-Fuhrpark betrieben werden. Der solle ab 2024 aus zwölf Elektroautos bestehen, sagt Wunderlich. Und was, wenn die Sonne mal länger nicht scheint? Über den Anbieter Fair Trade Power sei die Versorgung mit grünem Strom auch dann gesichert.
In das Netz von Fair Trade Power – der Versorger bezieht Strom unter anderem von einem Solarpark in Alteglofsheim im Kreis Regensburg – will Händlmaier auch seinen überschüssigen selbst erzeugten Strom einspeisen. Und was Wunderlich gerade juristisch prüft: Darf der Unternehmer Nachbarfirmen über eigene Leitungen mit Strom beliefern?
Nur mit Strom landet der süße Senf allerdings nicht neben der Weißwurst. Vor allem in der Produktion setzt das Regensburger Unternehmen auch weiterhin auf Gas. „Beispielsweise beim Schließen der Deckel wird kurzfristig viel Energie gebraucht“, erklärt Wunderlich. Mit Strom sei das „noch reine Theorie“. Hier könnte ihm zufolge Wasserstoff die Zukunft sein, für den Mittelständler ist das aber „vorerst kein Thema“.
Franz Wunderlich will nur im Notfall auf Öl umstellen
Das Gas bezieht Händlmaier von den Stadtwerken Karlsruhe. Das Unternehmen hat inzwischen für fast 300000 Euro eine Öl-Infrastruktur aufgebaut. Die Anlage sei startklar, erklärt der Firmenchef. Die 50000 Liter Öl, die in den beiden Tanks lagern, würden reichen, um den Betrieb etwa 14 Tage am Laufen zu halten, schätzt Wunderlich. Der Unternehmer will aber nur im Notfall auf Öl umstellen.
Die Leitungen dafür sind nicht das einzige, was in den Produktionshallen neu hinzugekommen ist. Fahrerlose Hubwagen kurven seit kurzem zwischen den Maschinen umher und transportieren Paletten, auf denen sich die Senfgläser stapeln. Es gebe keine Alternative zur stärkeren Automatisierung, sagt Wunderlich. „Je effizienter wir arbeiten, desto günstiger können wir unsere Produkte anbieten.“
Dazu gehört ihm zufolge auch die Investition in neue Anlagen. Bereits 2021 ist eine große Abfüllanlage in Betrieb gegangen. Damit die auch voll ausgelastet wird, folgt im kommenden Jahr eine Produktionsstraße für scharfen und mittelscharfen Senf. Das Ziel: Eine Versechsfachung der Senfproduktion.
Keine Senfsaat aus Russland infolge des Kriegs in der Ukraine
Dafür muss aber auch der entsprechende Rohstoff, Senfsaat, zur Verfügung stehen. „Letztes Jahr war die Lage extremst kritisch“, blickt Wunderlich zurück. Die Luise Händlmaier GmbH sei einer der wenigen Hersteller gewesen, die überhaupt noch geliefert haben. Der Grund: Durch den Krieg in der Ukraine ist der russische Markt, aus dem immerhin 50 Prozent der Senfsaat kamen, komplett weggebrochen. Auch aus der Ukraine, wo sich ebenfalls große Anbaugebiete befinden, kam viel weniger Senf.
Wunderlich musste sich dann unter anderem in Kanada bedienen. Der Rohstoff sei damals sogar auf Auktionen versteigert worden, sagt der Händlmaier-Inhaber. Er schüttelt den Kopf: „Bis zu 9000 Euro pro Tonne wurden gezahlt. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ In der Spitze habe auch er 5000 Euro ausgeben müssen – vorher lag der Preis bei 500 Euro je Tonne.
Lage ist weiterhin angespannt
Auch heuer ist die Lage noch angespannt. Schließlich fehlt der russische Markt weiterhin. In Kanada ist die Ernte Wunderlich zufolge gut. Aufgrund der Nachfrage sind die Preise dort aber weiterhin hoch. Auch in der Ukraine ist heuer wieder mehr Senf angebaut worden und mittlerweile weitestgehend geerntet. Dort gehen die Preise auch tendenziell eher nach unten. Hier stellt allerdings die Logistik Senfhersteller vor Herausforderungen. Ausländische Speditionen fahren kaum in das Kriegsland.
Die Lage ist laut Wunderlich schwer einzuschätzen: Er befürchtet aktuell nicht, dass es keine Ware gibt. „Ich sehe nur ein Risiko, dass die Preise wieder nach oben gehen.“ Der Handel will allerdings, dass Senf wieder günstiger wird. „Da wird nicht nur um jeden Cent gestritten, wir haben sogar Verhandlungen, da geht’s um 0,2 Cent niedrigere Preise“, sagt Wunderlich.
