Schlechteste Hopfenernte seit 30 Jahren: Droht ein Bier-Engpass?

Von Lorenz Nix · 25. Juli 2023 um 19:00

Um 28 Prozent ist die deutsche Hopfenernte im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen – in der Hallertau waren es sogar 29 Prozent. Einen geringeren Ertrag je Hektar habe es zuletzt vor 30 Jahren gegeben, sagte Peter Hintermeier, Geschäftsführer des Hopfenhändlers Barth Haas.

Der Weltmarktführer mit Sitz in Nürnberg stellte gestern seinen jährlichen Bericht zum Bier- und Hopfenmarkt vor. Daraus geht hervor: Biertrinker können trotz des schlechten Erntejahres aufatmen. Dank den überdurchschnittlichen Erträgen 2019, 2020 und 2021 sind die Lager voll – es droht kein Versorgungsengpass beim Hopfen.

Den Grund für die schlechte Ernte machte Hintermeier am Beispiel der Hallertau fest. Im mit Abstand größten deutschen Hopfenanbaugebiet gab es einen Rückgang von fast 12.000 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr – bei einer etwa gleich gebliebenen Anbaufläche. Bei der im Hopfen enthaltenen Alphasäurenmenge, eine entscheidende Maßzahl der Branche, verzeichneten die Pflanzer in der Region ein Minus von etwa 2100 Tonnen beziehungsweise knapp 40 Prozent.

Schlechte Hopfen-Ernte: Die Hallertau kämpfte mit Extremwetter

Verantwortlich dafür waren laut Hintermeier „extreme Witterungsbedingungen“. So sei der Winter 2022 in der Hallertau zu warm und zu feucht gewesen, im Mai und Juni hätten dann Gewitter mit Starkregen und Hagel etwa zehn Prozent der Anbaufläche in der Region geschädigt. Dann habe Trockenheit den Pflanzen zugesetzt – Hintermeier sprach hier von einer Dürre „dramatischen Ausmaßes“. Erst am 19. August – und damit viel zu spät – habe es die Niederschläge gegeben, die man sich für eine durchschnittliche Ernte gewünscht hätte.

Es bestehe kein Zweifel, dass sich die Hopfenbranche im Umbruch befinde, sagte Hintermeier bei der Vorstellung der Zahlen. Der Klimawandel mache „neue, zukunftsfähige Züchtungen“ notwendig. Die Akzeptanz für klimaresistente Sorten ist laut dem Geschäftsführer aber noch sehr gering: Biertrinker seien schließlich – speziell in Deutschland – an ihren Biergeschmack gewöhnt. Neue Züchtungen, die dann etwas anders schmecken, müssten deshalb auch den Brauern Vorteile bieten. Bei BarthHaas wolle man die Herausforderungen aber in jedem Fall als Chancen begreifen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Wandel auf allen Ebenen der Branche zu fördern“, sagte Hintermeier.

Dank USA: BarthHaas-Experte rechnet mit nur leicht unterdurchschnittlicher Hopfen-Ernte

Dass der notwenig ist, wird wohl auch die kommende Ernte, die in etwa einem Monat beginnt, wieder zeigen. Hitze und Trockenheit haben den Pflanzen schwer zugesetzt. Die Stauden seien zu spitz und hätten deshalb zu wenige Dolden, zeigte sich Eric Maier, Autor des BarthHaas-Berichts, pessimistisch. Der Experte rechnet allerdings mit einer durchschnittlichen Ernte in den USA, weshalb es weltweit aller Voraussicht nach nur auf eine leicht unterdurchschnittliche Ernte hinauslaufen werde. Weil es laut Meier aber grundsätzlich eine Überversorgung mit Hopfen gibt, hätte das keine Auswirkungen auf die Bierproduktion.

Bei letzterer vermeldete BarthHaas sogar eine Überraschung: Der Weltbiermarkt wuchs im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent. Damit wurde mehr Bier produziert als erwartet. Weltweit lag der Ausstoß bei 1,89 Milliarden Hektolitern – nur 20 Millionen unter dem Vor-Corona-Wert 2019. „Vor einem Jahr hatten wir mit einem rückläufigen Weltmarkt gerechnet, da in Russland und der Ukraine etwa fünf Prozent der weltweiten Biermenge produziert werden“, sagte Hintermeier. In Deutschland ist der Ausstoß sogar um 2,8 Prozent auf 87,8 Millionen Hektoliter gewachsen. Im weltweiten Ranking liegt Deutschland damit auf Rang 5. An der Spitze liegt unangefochten China, wo 2021 und 2022 jeweils etwa 360 Millionen Hektoliter Bier gebraut wurden.