Prozessstart in Regensburg: Ein eskalierter Deal und das große Schweigen

Nach einer Messerstecherei in der Hornstraße in Regensburg bezichtigen die Hauptangeklagten die mutmaßlichen Opfer. Der Prozess um die Bluttat vom Juni 2023 begann zäh. Das Gericht muss klären, ob der Angriff mit einem Cuttermesser versuchter Mord war.
Zäher Auftakt im Prozess um eine Bluttat: Seit Dienstag müssen sich am Landgericht vier junge Syrer für einen Vorfall in der Hornstraße verantworten. Die Wahrheitsfindung aber gestaltet sich schwierig für die Jugendkammer – zwei der vier Zeugen sagten nichts, andere hatten in Details Erinnerungslücken. Dafür erklärten sich die beiden mutmaßlichen Haupttäter und ließen ihre Anwälte erklären, damals selbst angegriffen worden zu sein, daher also „Opfer und nicht Täter“ zu sein.
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Ermittler rekonstruierten jenen Abend in der Hornstraße so: Gegen 21.30 Uhr sollten am 27. Juni bei einem Deal auf dem Parkplatz 300 Gramm Haschisch die Besitzer wechseln. Den Stoff zu bezahlen, sollen die Angeklagten aber nicht vorgehabt haben. Stattdessen sollten die beiden Lieferanten laut Anklage abgezogen und getötet werden. Nur die Hauptangeklagten (19 und 24 Jahre alt) stiegen demnach aus, der Ältere stach mit einem Cuttermesser zu. Die Staatsanwaltschaft sieht darin drei Mordmerkmale: Heimtücke, Habgier und zur Ermöglichung einer Straftat.
Die 19 und 24 Jahre alten Angeklagten, die selbst verletzt wurden, ließen erklären, sich damals verteidigt zu haben. Die 18 und 27 Jahre alten Männer, die mit ihnen vor Gericht stehen, wollten laut den Strafverteidigern Prabhlin Sidhu und Martin Ondrasik schweigen. Beide sollen laut Anklage beim Angriff zunächst im Auto gesessen haben. Der Ältere fuhr die Verletzten wohl in seinem Auto zum Tatort und später zur Polizei, wo sie dann der Rettungsdienst übernahm. Das Haschisch konnte laut Anklage nie sichergestellt werden.
Kripo bekam Tipps von Insider aus der Szene
Vieles in diesem Fall beruht wohl auf Hörensagen. Nur die wenigsten wollten reden oder erzählten Unsinn, hieß es. Erst der Tipp eines Insiders brachte die Kripo wohl weiter. Der oder die wird mittlerweile als Vertrauensperson (VP) der Polizei geführt – seine Identität bleibt ein Geheimnis. Und: Es ist durchaus üblich, dass V-Leute für ihre Dienste bezahlt werden. Was er oder sie den Ermittlern verriet, soll aber auch nur wenig Wissen, sondern mehr Hörensagen sein.
Und das ist nicht das einzige große Fragezeichen. Zum Prozessauftakt hatte das Gericht vier Zeugen geladen, die teils bei der Polizei noch ausgesagt hatten. Ein 20-jähriger Landsmann hatte da wohl berichtet, dass „jemand abgezockt und abgestochen werden soll“. Das soll ihm vor der Bluttat erzählt worden sein, wie in den Akten nachzulesen ist. Damit könnte er sich womöglich strafbar gemacht haben. Denn wer von einer schweren Straftat erfährt und diese nicht angezeigt, dem drohen empfindliche Strafen. Und daher, so die Argumentation der zwei Strafverteidiger Jan Bockemühl und Tim Fischer, könnten sie die Aussage komplett verweigern. Final geklärt ist das aber noch nicht.
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Ausgesagt hat dafür ein junger Mann, der zufällig vorbeigekommen sein will und eines der Opfer in die Klinik brachte. Der zweite Geschädigte soll genau ihm erzählt haben, was passiert war – doch die Erinnerungen fielen dem Zeugen teils schwer. Vor allem an ein Telefonat, das die Polizei in der Anrufliste eines Handys fand, war ihm nun jedoch restlos entfallen. „Daran erinner ich mich überhaupt nicht.“
Zeuge kommt Freitag erneut mit seiner Anwältin
Am Freitag setzt die Jugendkammer die Hauptverhandlung fort. Der erste Zeuge vom Hörensagen erscheint dann erneut mit Anwältin. Ob er und weitere Personen aus dem Umfeld der vier Angeklagten dann aussagen, ist völlig offen.
