Was Ingrid Heimerl aus der Hussenstraße als Anliegerin der Rötzer Fasenacht so alles erlebt

Von Stefanie Bauer · 21. Februar 2024 um 11:00

Eine gute Woche ist es her, dass schönster Ausnahmezustand herrschte in Rötz. Und da ging es nicht nur beim großen Faschingszug und dem Ausspielen auf dem Marktplatz lustig zu: Auch als Anlieger erlebt man bei der Althistorischen Rötzer Fasenacht die tollsten Geschichten.

Ingrid Heimerl muss noch immer lachen, wenn sie davon erzählt. Als Anwohnerin der Hussenstraße, die in nächster Nähe zum Marktplatz und auf der Strecke des Faschingszuges liegt, bewirtet sie schon seit 15 Jahren Verwandte und Freunde am Faschingsdienstag ab der Mittagszeit – zunächst mit Kartoffelsuppe mit Wienern, um eine „gute Grundlage“zu schaffen, danach mit Käse- und Wurstsemmeln, Kaffee und Kuchen.

High Heels gegen Stiefel

Ihre Wohnung war zum Beispiel Dreh- und Angelpunkt für die wichtigsten Ehrengäste, „Waldraut und Marichen“ aus Rötz. Ingrid Heimerls Tochter Judith Pregler und Jutta Tolks, waren in täuschend echter Verkleidung mit dem Helikopter beim Camp Reed gestartet und auf dem alten Fußballplatz in der Nähe des Rötzer Festplatzes gelandet, von wo aus sie auf dem Wagen der Ehrengäste am Faschingszug teilnahmen.

Starallüren gab es bei den beiden Damen jedoch nicht: Sie zogen sich in der Hussen-straße flugs Mäntel zu ihren Kostümen an und tauschten High Heels gegen Stiefel, um dann zum Verkauf zu wechseln, wo sie in den Buden auf dem Marktplatz Bier und Brezen an die Feiernden brachten.

Nach dem Zug bewirtete auch Ingrid Heimerl ihre Gäste weiter, und zwar nicht nur in ihrer Wohnung. Kaffee und Küchel gab es für die Freunde und Verwandten der gebürtigen Neunburgerin auch, während diese auf dem Marktplatz feierten. „Sie waren mal draußen, mal in der Wohnung.“

Und wenn die Haustüre somit immer wieder offensteht, dann packen natürlich auch andere Feiernde die Gelegenheit beim Schopf und fragen, ob sie nicht einmal die Toilette benutzen dürfen – zumal der Toilettencontainer neben dem Marktplatz, wie berichtet, vermutlich in der Nacht von Rosenmontag auf Faschingsdienstag, mit Bauschaum sabotiert worden war.

„20 waren es schon, die gefragt haben, und da kannst du nicht Nein sagen“, erzählt Ingrid Heimerl und schmunzelt, sie kennt das Prozedere aus den Vorjahren. Sie verlange dann auch keine „Toilettengebühr“, zumal alle sehr freundlich gefragt hätten und auch immer wieder versichert hätten, wie dankbar sie für diese Gelegenheit seien. Nur einmal habe sie schon sagen müssen: „Entschuldigen Sie, Sie sind hier nicht im Wirtshaus“, als eine junge Frau mit ihrem Freund einfach in der Diele stehen geblieben war und eine ellenlange Diskussion mit ihm führte. Danach habe diese ihn aber rasch auch wieder ins Freie bugsiert.

Vor allem die auswärtigen Besucher des Faschingszugs, ist Ingrid Heimerl aufgefallen, seien oft sehr aufwendig verkleidet. Neben den Schwarzwihrberg-Hexen, die am Umzug teilnahmen, waren auch einige Hexen aus dem Umland zum Zuschauen und Feiern gekommen. Als sie bei der 77-Jährigen eigentlich nur zwecks eines Toilettenbesuchs klingelten, „haben sie sich zu uns an den Tisch zu Kaffee und Kuchen gesetzt, und wir haben uns über Gott und die Welt unterhalten.“

Eine besonders nette Geschichte: Ein junger Mann habe angefragt, ob es nicht vielleicht ein Plätzchen gäbe, an dem seine Frau das erst sieben Monate alte Baby stillen könnte. Flugs wurde eine ruhige Ecke im Wohnzimmer dafür freigeräumt und ein Stuhl dort platziert – nebenan war bekanntlich volles Haus am großen Tisch mit den Gästen. Kurz danach, man ahnt es bereits, stand der junge Papa abermals vor der Tür. Die Frage diesmal: „Ob wir vielleicht auch noch zum Wickeln reinkommen dürfen?“ Natürlich: „Bei der Ingrid geht das alles!“, das ist schon fast ein geflügeltes Wort bei der Fasenacht geworden.

Besuch immer gern gesehen

Die Tür in der Hussenstraße stand auch offen, als es jemandem nicht gut ging: Eine Frau, die sich den Faschingszug ansah, hatte gesundheitsbedingt einen Schwächeanfall. Als Ingrid Heimerl sie draußen sitzen sah, holte sie ihr einen Stuhl und eine Flasche Wasser und bat sie dann in ihre Wohnung, um sich auszuruhen, während sie auf den Rettungsdienst warteten.

Die meisten Besucher hat die 77-Jährige etwa eine halbe Stunde nach dem Ende des Faschingsumzugs, erzählt sie. „Wenn die Leute draußen vor den Toilettenanlagen Schlange stehen.“ Deshalb ihre Anregung für die nächste Fasenacht 2026: „Bei der Ecke Kreuzstraße, da müsste noch ein Dixie-Klo hin.“

Auch wenn sie dann vor ihre Eingangstür ein Schild mit der Aufschrift „WC ums Eck“ hängen würde: Die Vorfreude auf die nächste Fasenacht ist schon jetzt groß, und netter Besuch wird auch weiterhin gern gesehen sein bei Ingrid Heimerl in der Hussenstraße.

Waldraut und Marichen aus Rötz werden von Fasenachts-Präsident Frank Gazinski begleitet. Foto: Simon Tschannerl