Tiefenbacher Pfarrer Albert Hölzl wehrt sich gegen Populismus-Vorwürfe

Von Petra Schoplocher · 19. Februar 2024 um 19:25

Pfarrer Albert Hölzl ist sichtlich mitgenommen. „Nie, nie hätte ich mit so etwas gerechnet.“ Der Geistliche sieht sich nach seiner Faschingspredigt massiven Anfeindungen und Vorwürfen ausgesetzt: Hetze, Populismus sind dabei noch die harmlosen. Doch: Um was geht es da eigentlich?

Tatsache ist, dass der katholische Priester klare Worte gewählt hat. So sprach er von einer Regierung, die „die dümmste der Welt genannt werde. „Das heißt doch nicht, dass ich sie als solche bezeichne“, tritt der 48-Jährige nur einem der Anklagepunkte entgegen.

Drei Wortmeldungen

Drei Männer hatten sich nach seiner Faschingspredigt öffentlich zu Wort gemeldet. Der Tiefenbacher Martin Hirn, der Waldmünchner Manfred Ruhland sowie der Arnschwanger Johann Christl. Keiner von ihnen war im Gottesdienst, keiner habe die gesamte Predigt gehört, statt dessen Fragmente aus den Zeitungsberichten kommentiert.

Unbestritten: „drastisch“

Hölzl gibt zu, dass die Worte drastisch waren (für den ein oder anderen vielleicht zu sehr), „aber nicht falsch. Das war meine Meinung, wenn ich die nicht mehr sagen darf, leben wir in keiner Demokratie mehr.“ Geäußert habe er sie (so die Autoren) weder populistisch, noch in Hetz-Manier, manipulativ oder gar Jesus für seine Zwecke missbrauchend Er habe folglich nicht – Vorwurf Ruhlands – „sein Amt und seine moralische Autorität missbraucht, um von der Kanzel Ampel-Bashing zu betreiben“.

„Kein politischer Mensch“

„Ich bin kein politischer Mensch“, sagt Hölzl über sich. Er interessiere und informiere sich , kann sich aber nicht erinnern, je eine politische Äußerung als Priester getätigt zu haben. Die Faschingspredigt 2024 sei ein Blick in die Gesellschaft und die Themen der Zeit gewesen, geschrieben in wenigen Stunden und auf keinen Fall in der Absicht, jemanden zu überzeugen. Das Manuskript, sagt er, habe nie jemand zu sehen bekommen. Daran werde er festhalten, selbst wenn es aus Transparenzgründen gefordert oder ihn entlasten würde. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“

In die rechte Ecke gedrängt

Im Gegenteil: Bedauerlicherweise würde das Trio genau das bestätigen, was viele denken: Wer Kritik an der Regierung äußert, wird in die rechte Ecke gerückt und als Populist gebrandmarkt. Er habe niemanden persönlich angegriffen. Im Gegensatz zu den Leserbriefschreibern, die eine regelrechte Hetzjagd betreiben würden. Aussagen wie die, dass dies nichts Gutes für die neue Großpfarreiengemeinschaft mit Waldmünchen, Geigant und Ast verheiße (was Manfred Ruhland schreibt und Johann Christel bekräftigt), oder der Hinweis auf Missbrauchsfälle (Martin Hirn): beides täte nichts zur Sache.

Manfred Ruhland: „Das ist unverzeihlich“

Ruhland weiter: „Wenn diese Ansprache bei einer Faschingsveranstaltung als Büttenrede gehalten worden wäre, könnte man vielleicht noch mit einem eingefrorenem Zwangslächeln darüber hinwegsehen. Sowas aber von der Kanzel herab, ist unverzeihlich.“ Johann Christl prangert an, dass „in diesen Krisenzeiten, wo es darum geht, die Gesellschaft einigermaßen zusammenzuhalten, ein katholischer Pfarrer gegen eine demokratisch gewählte Bundesregierung hetzt.“

Priester unterbreitet Gesprächsangebot

Hölzl ist sichtlich um Ausgleich bemüht, bietet ein Gespräch an, wenngleich er sich gewünscht hätte, dass die Männer ihn kontaktiert hätten, statt die Öffentlichkeit zu suchen. „Ich denk, da hätte man vieles klären können.“

„Nie bei der AfD“

Der Priester hat kein Problem zuzugeben, dass er auf seinem Stimmzettel nie Rot, Grün oder Gelb ankreuzen würde, „aber auch nie die AfD“. Ob er allerdings in einem Land, das auf seine Meinung offenbar keinen Wert legt, jemals wieder wählen gehe, sei mehr als ungewiss. „Ich schätze, die Demokratie hat einen Wähler verloren.“

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Den Krieg in der Ukraine habe er im Vorjahr schon verurteilt, „heuer scheint eine Aussage dazu ein Problem zu sein.“ Klar steht er zur Aussage, die Proteste von Bauern (und Handwerkern) klasse zu finden. „Weil Menschen für ihre Meinung auf die Straße gehen“ und seine Auffassung teilten, dass „viel nicht gut läuft“. Was nicht bedeute, wie von Johann Christl suggeriert, dass er auf Demos mitgeführte Galgen gutheiße. „Das verurteile ich auf das Schärfste“.

Wenn auf Kundgebungen gegen Rechts Schilder „Nieder mit Nazis“ oder „Tötet AfD-ler“ in die Höhe gehalten würden, würde das die Demokratie decken, wenn er ausspreche, was viele Menschen denken, nicht?

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Seit 2003 hält Hölzl Faschingspredigten, „ohnehin die schwierigsten des Jahres“, Stichworte: Botschaft, Reim, Bezug zum Evangelium. Predigten, die – Randbemerkung – seit seinem Kommen 2009 neben den Festtagen am meisten Gottesdienstbesucher in die Kirchen in der Pfarreiengemeinschaft Tiefenbach-Treffelstein-Biberbach ziehen. Auch heuer habe er an der Pforte und in Gesprächen viel Lob erfahren.

Vorwurf: „Populismus pur“

Umso schockierter war er, dass ihm Manfred Ruhland „Populismus pur“ vorwirft und dass er Benzin in das Propagandafeuer der Demokratiefeinde gießen würde. Christl formuliert anders: „Mit Faschingskomik haben die Äußerungen des Pfarrers nichts zu tun! Es ist Hetze und Populismus in Reinkultur! “

Pfarrgemeinderat wird einbezogen

Den Seelsorger trifft das ins Mark. „Wer mich kennt, weiß, dass ich gegen jede Form von Radikalität bin; in Kirche, Gesellschaft oder politischer Gesinnung.“ Der Demokratiegedanke ist ihm auch in der kirchlichen Arbeit wichtig. „Ich entscheide nichts alleine, sondern beziehe den Pfarrgemeinderat ein.“ Dass er nun von Christl „auf die gleiche Stufe wie mancher AfD‘ler oder Reichsbürger“ gestellt würde, sei unbegreiflich. Ebenso dass dieser die Berichte der Staatsanwaltschaft weitergeleitet hat oder ihm vorwerfe, zuviel auf Plattformen unterwegs zu sein, auf denen Hass und Hetze verbreitet werden.

Gremiumsvorsitzende „ist auf 180“

Der Pfarrgemeinderat wollte schon in der Vorwoche Stellung beziehen. Hölzl war es, der auf die Bremse trat. „Ich wollte das nicht noch weiter hochkochen lassen“. Karin Wallner, die Pfarrgemeinderatsvorsitzende , schäumt vor Wut. „Ich bin fassungslos und auf 180“, sagt sie. Darüber, wie ein Mensch verurteilt werde. Dass Stimmung gemacht werde, ohne ein Wort gehört zu haben. Dass „man offensichtlich seine Meinung nicht mehr sagen darf“. Oder, wenn sie wie Hölzls ausfalle, als rechtsextrem abgestempelt werde.

Unverständnis über Reaktionen

Es sei eine Faschingspredigt gewesen, ordnet sie ein, ergänzend, dass dann „eigentlich am Aschermittwoch alle Politiker und Büttenredner eingesperrt werden müssten“. Sie selbst sei im Gottesdienst gewesen, habe danach, beim Zusammenräumen und anschließenden Gesprächen, nur positive Reaktionen wahrgenommen. Tenor: Ihr Pfarrer habe ihnen aus der Seele gesprochen. Ein Fazit, dem sie sich gerne anschließt, „selbst, wenn ich dann auch in die rechte Ecke gestellt werde“. Das Gremium jedenfalls stehe zu 100 Prozent hinter Hölzl.

Der Priester versteht immer noch nicht , was da gerade über ihn hereinbricht. Dennoch will er standhaft bleiben. „Ich werde mich für meine Meinung nicht entschuldigen.“

In Treffelstein ließ sich Albert Hölzl von Mesner Karlheinz Liegl vor der Predigt eine „Denkermütze“ aufsetzen — selbst das sorgt jetzt für Spott – zumindest bei Leserbriefschreiber Johann Christl. Foto: Bucher
„Es ist nicht wahr, dass ich gehetzt hätte“, sagt Pfarrer Hölzl sichtlich getroffen. Foto: Schoplocher